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Grafik des Monats

Druckfähige Versionen aller Grafiken stellen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Bei Interesse und allen weiteren Fragen zur Grafik des Monats wenden Sie sich gerne an unseren Leiter der Stabsstelle Kommunikation, Daniel Wosnitzka.

Juli 2022: 325.000 gesetzlich Versicherte 2021 wegen Borreliose in vertragsärztlicher Behandlung // Ostdeutsche Bundesländer und Bayern besonders betroffen // „Prävention wichtig, weil sich Zecken als Überträger von Krankheitserregern durch Klimawandel immer weiter ausbreiten“

 

2021 ist in Deutschland bei 325.000 gesetzlich versicherten Patient:innen eine Lyme-Borreliose diagnostiziert worden. Das entspricht der Einwohnerzahl einer deutschen Großstadt wie Münster oder Bonn. Die zeckenübertragene Infektion kommt bundesweit vor – regional bestehen aber deutliche Unterschiede beim Risiko, sich mit der Lyme-Borreliose zu infizieren. In den aktuell vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) ausgewerteten kassenärztlichen Abrechnungsdaten zeigten sich die höchsten Diagnoseprävalenzen in Ostdeutschland und Bayern. So variiert die Diagnosehäufigkeit zwischen 232 in Hamburg und 839 je 100.000 Versicherten in Sachsen. Die höchsten Werte sind außerdem in den ostdeutschen Bundesländern Thüringen (727), Brandenburg (624) und Sachsen-Anhalt (597) sowie in Bayern (590) zu beobachten. Mit einer Diagnosehäufigkeit von 442 Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) pro 100.000 Versicherten zeigen die vertragsärztlichen Abrechnungsdaten im Vergleich zum Vorjahr bundesweit einen leichten Rückgang um 3 Prozent (458 je 100.000 im Jahr 2020). Die Werte gaben in Bayern mit -8 Prozent am stärksten nach, gefolgt von Westfalen-Lippe (-6,7 Prozent), Rheinland-Pfalz (-6,2 Prozent) und Saarland (-6,0 Prozent). Die höchsten Zunahmen in der Diagnosehäufigkeit sind in Sachsen-Anhalt (+7,5 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (+7,1 Prozent) und Schleswig-Holstein (+5,5 Prozent) zu verzeichnen.

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragbare Infektionskrankheit in Europa. Verursacht wird die Krankheit durch Bakterien des Genus Borrelia. Mäuse und Vögel sind das Haupterregerreservoir. Übertragen wird der Erreger in Europa durch den Stich der Zecke Ixodes ricinus. Die Krankheit kann verschiedene Organsysteme betreffen, insbesondere die Haut, das Nervensystem und die Gelenke. Die klinischen Manifestationsformen der Erkrankung variieren zwischen leichten Formen wie Erythema migrans (auch bekannt als Wanderröte) bis hin zu schweren Verläufen wie Meningitis (Hirnhautentzündung). Es ist keine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch möglich. Bisher gibt es keine zugelassene Schutzimpfung in Deutschland.

„Vorbeugender Gesundheitsschutz wird deutlich wichtiger, weil sich Zecken auch in Folge des Klimawandels als Überträger von gefährlichen Krankheitserregern immer weiter ausbreiten. Unsere aktuellen Auswertungen zur Verbreitung der Borreliose in Deutschland bilden eine valide Grundlage für Präventionsmaßnamen, mit denen das Infektionsrisiko reduziert werden kann. Die im Vergleich zu den vorpandemischen Jahren deutlich erhöhten Borreliose-Infektionszahlen könnten möglicherweise eine Folge erhöhter Freizeitaktivitäten im Grünen wegen der Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen sein“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Anzahl der GKV-Patient:innen mit einer gesicherten Borreliose-Diagnose je 100.000 gesetzlich Versicherter im Jahr 2021 (prozentuale Veränderung gegenüber dem Vorjahr 2020 sind in den jeweiligen KV-Regionen eingetragen)

Datenbasis:
Vertragsärztliche Abrechnungsdaten 2020-2021

Druckfähige Version der Grafik des Monats Juli 2022

 

 

Juni 2022: Zwischen 7 und 19 Uhr durchschnittlich nur 1,3 ambulante Notfallkontakte pro Stunde an Notaufnahmen der Kliniken // „Ärztliche Bereitschaftspraxen tagsüber an Krankenhäusern nicht effizient“

 

Die Notaufnahmen an Krankenhäusern in Deutschland gelten als überlastet. Patient:innen, die sich dort selbst vorstellen, müssen oftmals mit längeren Wartezeiten rechnen. Dabei könnten nach Studienlage bis zu 50 Prozent der ambulanten Notfälle an Kliniken durch niedergelassene Ärzt:innen behandelt werden. Viele Notfallmediziner:innen, ärztliche Universitätsprofessor:innen und Politiker:innen wünschen sich deshalb ärztliche Bereitschaftspraxen an den Notaufnahmen. Diese sollen Akutfälle übernehmen, damit die Notaufnahmen mehr Zeit für die Behandlung echter Notfälle haben. So findet sich auch in einem Positionspapier der Deutschen Krankenhausgesellschaft, an jedem Krankenhaus müsse von 7 bis 19 Uhr eine solche Bereitschaftspraxis eingerichtet werden. Dafür wären die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) im Rahmen ihres Sicherstellungsauftrags für die ambulante ärztliche Versorgung verantwortlich. Tatsächlich haben die KVen schon an mehr als 600 Krankenhäusern Bereitschaftspraxen für die Abendstunden, Wochenenden und Feiertage eingerichtet, wenn die Arztpraxen normalerweise geschlossen sind.

Ein Blick in die Abrechnungsdaten zeigt, dass die Forderung nach zusätzlicher Präsenz niedergelassener Ärzt:innen tagesüber an den Kliniken keine Lösung ist: 2019 haben die Notaufnahmen rund 4,43 Millionen ambulante Notfälle abgerechnet, die Montag bis Freitag zwischen 7 und 19 Uhr behandelt worden sind. Nimmt man die größten 1.200 Notaufnahmen, so errechnen sich arbeitstäglich zwischen 7 und 19 Uhr im Schnitt 1,3 ambulante Patient:innenkontakte pro Stunde. Nur ein Viertel (300 Notaufnahmen) weist arbeitstäglich mehr als 1,7 solcher Kontakte pro Stunde auf. Das sind nicht einmal alle der rund 400 Notaufnahmen in Deutschland, die der erweiterten und der umfassenden Notfallversorgung zugerechnet werden. Nur 20 der 1.200 größten Notaufnahmen in Deutschland hatten im Jahr 2019 zwischen 7 und 19 Uhr mehr als 3,8 ambulante Patient:innenkontakte pro Stunde.

„Geht man davon aus, dass maximal die Hälfte der ambulanten Notfälle durch eine Bereitschaftspraxis versorgt werden könnte, würden Bereitschaftsärztinnen und -ärzte selbst in den meisten größeren und großen Notaufnahmen kaum Patientinnen und Patienten behandeln: In den 300 größten Notaufnahmen hätten Bereitschaftspraxen 2019 rechnerisch lediglich rund zehn Hilfesuchende im Zeitraum von zwölf Stunden erwarten dürfen. Unter 1.200 Notaufnahmen in Deutschland finden sich gerade einmal 20, an denen eine ärztliche Bereitschaftspraxis Montag bis Freitag zwischen 7 und 19 Uhr mit mindestens zwei Patientinnen und Patienten pro Stunde rechnen könnte. In der Regel wäre die arbeitstägliche Präsenz am Klinikum also keine effiziente Nutzung der ohnehin knappen hausärztlichen Kapazitäten“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Ebenfalls nicht effizient wäre es, solche Bereitschaftspraxen tagsüber in der Erwartung einzurichten, dass in diesem Fall mehr Patient:innen den Weg in die Notaufnahme finden werden, so von Stillfried weiter: „Notaufnahme und Bereitschaftspraxis würden dann bald zu einem Standort der ärztlichen Primärversorgung werden. Die angestrebte Entlastung der Notaufnahmen würde konterkariert. Genau das könnte aber der Wunsch hinter Forderungen nach mehr Bereitschaftspraxen sein: Wieder mehr Patientinnen und Patienten an die Krankenhäuser zu holen, nachdem die Inanspruchnahme der Kliniken in den letzten beiden Pandemie-Jahren stark nachgelassen hat.“ Wo dies nicht gewollt sei, könne eine effizientere Lösung nach Ansicht des Zi-Vorstandsvorsitzenden in der Weiterleitung der vertragsärztlich behandelbaren Patientinnen und Patienten in die Arztpraxen bestehen: „Aktuell wird vor Ort in den Regionen an geeigneten Lösungen gearbeitet. Der Gemeinsame Bundesausschuss kann diese Entwicklung fördern. Er ist bereits gesetzlich mandatiert worden, hierfür Vorgaben zu beschließen.“

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Anzahl der werktäglich zwischen 7 und 19 Uhr an Kliniken in Deutschland versorgten ambulanten Notfallkontakte pro Stunde (jeweils in Gruppen von zehn Notaufnahmen zusammengefasst)

Datenbasis:
Bundesweite Abrechnungsdaten der Krankenhäuser gegenüber den Kassenärztlichen Vereinigungen für das Jahr 2019

Druckfähige Version der Grafik des Monats Juni 2022

 

 

Mai 2022: Aktuell 31 als Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) zugelassene Gesundheits-Apps könnten für 33,66 Millionen Patient:innen verordnet werden // „Genehmigung der Apps sollte nicht bloß nach Aktenlage und ohne Diagnostik erfolgen“

 

Seit Inkrafttreten des Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG) am 19. Dezember 2019 können digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) von Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen verordnet oder direkt durch die Krankenkasse genehmigt werden. Das Verzeichnis erstattungsfähiger DiGA wird vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) veröffentlicht. Darin sind DiGA gelistet, die das BfArM wissenschaftlich geprüft hat.

Nach Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) haben derzeit 33,66 Millionen Patient:innen eine mögliche Indikation für die Verordnung einer aktuell zugelassenen DiGA. Allerdings erhalten bei Weitem nicht alle Patient:innen mit einer möglichen Indikation eine Verordnung. Nach Angaben des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind die 20 zuerst zugelassenen DiGA insgesamt 50.112 Mal verordnet oder zur Anwendung genehmigt worden. Bei einem Verordnungspotenzial von 33,66 Millionen Patient:innen hätten demnach 0,15 Prozent der Betroffenen mit einer möglichen Indikation eine DiGA-Verordnung erhalten.

Die Wahrscheinlichkeit einer Verordnung steigt aber mit der Anzahl der verfügbaren DiGA je Indikationsbereich. Es wird deutlich, dass das neue Versorgungsangebot der GKV bereits vielen Patient:innen mit Diagnosen aus dem Bereich der Psychischen und Verhaltensstörungen in Deutschland zur Verfügung steht. Daneben gibt es bereits Angebote für Patient:innen mit Ernährungs- und Stoffwechselstörungen sowie häufigen Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems. Mit dem Online-Tool www.kvappradar.de stellt das Zi interessierten Patient:innen sowie Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen eine Informationsplattform bereit, die eine sichere und zuverlässige Orientierung auf dem Markt der Gesundheits-Apps bietet.

Für die vertragsärztliche und psychotherapeutische Praxis ist es besonders wichtig, dass Gesundheits-Apps nicht nur verfügbar, sondern auch im konkreten Anwendungsfall wirksam sind. Dafür muss im Versorgungsalltag ausreichend Zeit für die Beratung von Patient:innen zur Verfügung stehen. „Die ärztliche und psychotherapeutische Verordnung von DiGA ist zentral, um sicher zu stellen, dass die Anwendungsvoraussetzungen einer DiGA gegeben sind und ihr Einsatz sinnvoll und sicher ist. Dies gilt insbesondere, aber nicht ausschließlich, bei Kontraindikationen aus dem Bereich der psychischen Störungen. Wie Krankenkassen diese Sicherheit nur nach Aktenlage und ohne vertragsärztliche und psychotherapeutische Diagnostik gewinnen können, bleibt deren Geheimnis. Die Einigung der Vertragspartner des Bundesmantelvertrags, dass die Krankenkassen den Aufwand von Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten bei der Verordnung auch vorläufig zugelassener DiGA honorieren, ist daher eine gute Nachricht für die Betroffenen“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):

Patient:innen in Deutschland mit einer potenziellen Indikation zur vertragsärztlichen oder psychotherapeutischen Verordnung einer digitalen Gesundheitsanwendung (DiGA)

> Unterschieden nach einzelnen Indikationsgruppen, Anzahl in Millionen

Datenbasis:
Vertragsärztliche Abrechnungsdaten der Quartale für 2019 // DiGA-Verzeichnis des BfArM

Druckfähige Version der Grafik des Monats Mai 2022

 

 

April 2022: Über 60 Prozent der Patient:innen mit Post-COVID-19-Diagnose nur in einem Quartal in vertragsärztlicher Behandlung // „Oftmals kurze Behandlungsdauer, aber erhöhter Betreuungsaufwand in Arztpraxen“

 

Post-COVID-19-Patient:innen können seit dem 1. Januar 2021 anhand des ICD-Codes U09.9! (Post-COVID-19-Zustand, nicht näher bezeichnet) in den vertragsärztlichen Abrechnungsdaten identifiziert werden. Um die Dauer des Behandlungsbedarfs dieser Patient:innen-Gruppe abschätzen zu können, hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) die entsprechenden Abrechnungsdaten in den ersten drei Quartalen 2021 ausgewertet.

Zwischen Januar und September 2021 ist für insgesamt 303.267 Patient:innen der Post-COVID-Code als Behandlungsdiagnose dokumentiert worden – im ersten Quartal erstmalig bei knapp 110.000 Patient:innen, im zweiten Quartal bei 125.000 und im dritten Quartal bei 68.000. Ausgehend von den bereits im ersten Quartal 2021 behandelten Patient:innen ergibt sich somit ein erster Einblick in die Dauer des Behandlungsbedarfs aufgrund von Post-COVID-19.

Das Ergebnis: Die mit 61 Prozent weit überwiegende Mehrheit der Post-COVID-19-Patient:innen musste lediglich in einem Quartal behandelt werden. Ein Fünftel der Patient:innen (19,8 Prozent) wurden im zweiten Quartal oder mit einem Vierteljahr Unterbrechung erneut im dritten Quartal wegen Post-COVID-19 vertragsärztlich versorgt. Weniger als ein Fünftel der Patient:innen (19 Prozent) mussten in allen drei Quartalen behandelt werden. Diese Anteile variieren leicht nach Alter und Geschlecht: Unter 65-Jährige zeigten insgesamt eher einen kürzeren Behandlungsbedarf als über 65-Jährige. Hier war der Anteil derer mit nur einem Behandlungsquartal unter Männern mit 64 Prozent gegenüber 61,1 Prozent bei den Frauen am höchsten. Bei den über 65-Jährigen sind rund ein Viertel der Männer (25,9 Prozent) und Frauen (25,6 Prozent) in allen drei Quartalen behandelt worden.

„Im Verhältnis zu den 4,2 Millionen COVID-19-Fällen, die bis Ende September 2021 bestätigt worden sind, fällt die Prävalenz in der vertragsärztlichen Versorgung mit knapp über 300.000 Patientinnen und Patienten über neun Monate und mit lediglich 132.000 Betroffenen im dritten Quartal 2021 zum Glück eher gering aus. Post-COVID entwickelt sich nicht zu einer neuen Volkskrankheit. Die von uns aktuell ausgewerteten Abrechnungsdaten zeigen vielmehr, dass Post-COVID ein heterogenes Krankheitsbild ist. Die weit überwiegende Mehrheit der Patientinnen und Patienten benötigt keine spezielle medizinische Versorgung über einen längeren Zeitraum hinweg. Dies trifft nur auf einen kleineren Teil zu. Diese Personengruppe muss weiter beobachtet und im Hinblick auf mögliche Risikofaktoren näher untersucht werden. Gleichzeitig sehen sich die niedergelassenen Haus- und Fachärzt:innen einem zusätzlichen Betreuungsaufwand gegenüber gestellt. Dieser ergibt sich weniger aus der Anzahl der zu versorgenden Patientinnen und Patienten, sondern eher aus dem erhöhten Beratungsbedarf für jeden einzelnen Betroffenen, wie Befragungen der niedergelassenen Ärzte gezeigt haben“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Prozentualer vertragsärztlicher Behandlungsbedarf von Patient:innen mit einer Post-COVID-19-Diagnose im ersten bis dritten Quartal 2021 (unterschieden nach Geschlecht sowie nach Lebensalter über und unter 65 Jahre alt)

Datenbasis:
Vertragsärztliche Abrechnungsdaten der Quartale 1-3 für 2021 > ICD-Code U09.9! (Post-COVID-19-Zustand, nicht näher bezeichnet)

Druckfähige Version der Grafik des Monats April 2022

 

 

März 2022: Höhere Schulungsquoten bei älteren Patient:innen im Disease-Management-Programm „Koronare Herzkrankheit“ // „Hausärztinnen und Hausärzte bei der Aktivierung der ältesten Betreuten besonders erfolgreich“

 

Disease-Management-Programme (DMP) sind strukturierte Behandlungsprogramme für chronisch kranke Menschen. Patient:innen mit bestimmten chronischen Krankheiten können sich in ein solches Behandlungsprogramm einschreiben lassen. Damit soll eine über Einrichtungsgrenzen hinaus koordinierte Behandlung unterstützt werden, um unnötigen Komplikationen, Krankenhausaufenthalten und Folgeschäden vorzubeugen. Zugleich sollen die eingeschriebenen Patient:innen darin unterstützt werden, aktiv an der Behandlung mitzuwirken. Deshalb sollen auch empfohlene Schulungen von Patient:innen möglichst rasch wahrgenommen werden.

Eine aktuelle Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) mit Daten der Region Nordrhein zeigt, dass sich die Schulungsquoten im DMP „Koronare Herzkrankheit“ (KHK) im Zeitverlauf deutlich verbessert haben – sowohl hinsichtlich einer Hypertonie- wie einer Diabetes-Schulung. Frauen folgten der Empfehlung für eine Schulung etwas häufiger als Männer. Bemerkenswert ist zudem, dass sich im Jahr 2020 gerade auch die älteren Patient:innen anteilig mindestens so häufig an Schulungen beteiligten wie jüngere Patient:innen. Auch die absolute Beteiligung der ältesten Patient:innen an einer Schulung ist gegenüber dem Jahr 2008 stark angewachsen. Im Jahr 2008 betrug die Zahl der 85-Jährigen und Älteren, die eine Schulung wahrgenommen hatten, 488 (Hypertonie) bzw. 180 (Diabetes mellitus); im Jahr 2020 waren es 2.888 (Hypertonie) bzw. 1.607 (Diabetes mellitus). Insgesamt waren im DMP KHK in Nordrhein 186.599 (2008) bzw. 262.014 (2020) Patient:innen eingeschrieben.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass es den Hausärztinnen und Hausärzten gelungen ist, im DMP Koronare Herzkrankheit sogar die ältesten Betreuten zu der angestrebten aktiven Teilnahme zu motivieren. Dieser Erfolg ist vor allem deswegen bedeutsam, weil im Rahmen des neuen DMP für eine chronische Herzinsuffizienz zukünftig vermutlich ähnliche Altersgruppen wie im DMP KHK betreut werden“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Bei einer koronaren Herzkrankheit sind die großen Adern verengt, die den Herzmuskel mit Sauerstoff versorgen (Koronararterien oder Herzkranzgefäße). Dies kann bei körperlicher Anstrengung zu Kurzatmigkeit und Brustschmerzen führen. Verschließt sich ein Koronargefäß komplett, kann ein Herzinfarkt die Folge sein. Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen können Folgeerkrankungen einer koronaren Herzkrankheit sein, die sich mit Hilfe verschiedener Behandlungen verringern lassen. Viele Patient:innen mit KHK haben Bluthochdruck (Hypertonie) und Diabetes mellitus.

Das Zi hat die Daten aus dem strukturierten Behandlungsprogramm KHK für die Jahre 2008 und 2020 aus der Region Nordrhein (Regierungsbezirke Köln und Düsseldorf) verglichen. 2008 wurde als Basisjahr gewählt, weil in diesem Jahr einerseits die elektronische DMP-Dokumentation allgemein verpflichtend eingeführt worden ist, andererseits seither DMP-Daten indikationsübergreifend und indikationsspezifisch getrennt erfasst werden.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Prozentualer Anteil der nach Empfehlung wahrgenommenen Hypertonie- und Diabestes-Schulungen im Rahmen des DMP „Koronare Herzkrankheit“ im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (2008 und 2020 im Vergleich, unterschieden nach Geschlecht)

Datenbasis:
DMP-Dokumentationsdaten Nordrhein 2008 vs. 2020 (DMP KHK; gefiltert auf Fälle mit wenigstens einer Folgeuntersuchung aus einem der beiden Jahre)

Druckfähige Version der Grafik des Monats März 2022

 

 

Februar 2022: Massiver Einbruch bei Antibiotika-Verordnungen durch Corona-Pandemie // Historischer Tiefstand im Mai 2020 // Drastischer Rückgang vor allem in Altersgruppe der 19- bis 65-Jährigen

 

Der Ausbruch der COVID-19-Pandemie im März 2020 hat auch in Deutschland zu deutlichen Veränderungen der Krankheitslast und somit der Verordnungen von Arzneimitteln geführt. Besonders prägnant ist das anhand der Verordnungszahlen von Antibiotika zu erkennen. Diese sind im 2. Quartal 2020 auf einen historischen Tiefstand gesunken. Seitdem bewegen sich die Zahlen auf einem signifikant niedrigeren Niveau als in den Jahren zuvor – vor allem in den Herbst- und Wintermonaten, in denen therapiebedürftige Atemwegserkrankungen verstärkt auftreten. Dies hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) auf Basis der Arzneimittelverordnungsdaten für den Zeitraum Januar 2016 bis Mai 2021 aktuell analysiert. Wurden im Jahr 2019 noch 29,5 Millionen Verordnungen ausgegeben, waren es 2020 nur noch 21,8 Millionen. Und das obwohl niedergelassene Haus- und Fachärzt:innen in Deutschland im internationalen Vergleich Antibiotika bereits vor der Corona-Pandemie überaus moderat verordnet haben.

Die Vermutung, dass eine Abnahme der Verordnungshäufigkeit vor allem auf Schul- und Kitaschließungen zurückzuführen wäre, kann nicht ohne weiteres bestätigt werden, da die Verordnungsrückgänge in allen Altersgruppen auftreten. Allerdings sind die prozentualen Veränderungen bei Kindern und Jugendlichen besonders deutlich, was auf einen zusätzlichen Effekt durch diese Maßnahmen hinweist. Bei den 0- bis 6-Jährigen haben sich die Verordnungszahlen im Vergleich zu 2019 fast halbiert (-44 Prozent). Mit einem Absinken um 35 Prozent ist der Effekt bei den 7- bis 18-Jährigen zwar etwas geringer, aber dennoch sehr deutlich. Absolut betrachtet ist der Effekt hingegen bei den 18- bis 65-Jährigen – nicht zuletzt auf Grund der Größe dieser Patient:innen-Gruppe – am höchsten. Hier wurden 2020 rund 4,5 Millionen Verordnungen weniger (-26 Prozent) ausgegeben als in 2019. Dies korrespondiert natürlich auch mit den pandemiebedingten Infektionsschutzmaßnahmen seit dem Frühjahr 2020, die zu weniger Atemwegsinfektionen und Arbeitsunfähigkeitsfällen auf Grund von Infektionskrankheiten (z. B. TK-Gesundheitsreport 2021: -22 Prozent) geführt haben. Dies allein erklärt aber nicht den überproportional starken Rückgang der Verordnungen in dieser Altersgruppe.

„Denkbar ist vielmehr auch, dass sich der Umgang mit Atemwegsinfektionen grundsätzlich verändert hat. Trotz Krankheitssymptomen am Arbeitsplatz zu erscheinen, obwohl eine Krankmeldung angezeigt wäre, ist im Zuge der Pandemie auf Grund des allgemeinen Infektionsrisikos deutlich kritischer bewertet worden als zuvor. Damit sinkt auch der empfundene oder tatsächliche Druck auf Beschäftigte, krank anwesend zu sein und dies im Notfall auch durch die Einnahme von Arzneimitteln wie Antibiotika sicherzustellen“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Anzahl der vertragsärztlichen Antibiotikaverordnungen im Zeitraum Januar 2016 bis Mai 2021

Datenbasis:
Arzneimittelverordnungsdaten von Januar 2016 bis Mai 2021

Druckfähige Version der Grafik des Monats Februar 2022

 

 

Januar 2022: 92 Prozent der ambulant behandelten COVID-19-Patient:innen in der zweiten Pandemie-Welle sind vertragsärztlich versorgt worden // Ärztlicher Bereitschaftsdienst und Notaufnahmen der Krankenhäuser sind zu gleichen Teilen an Notfallbehandlung (8 Prozent) beteiligt // „Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sind Wellenbrecher für Kliniken“

 

Das zentrale Ziel in der nunmehr zwei Jahre andauernden COVID-19-Pandemie ist es, die Sterblichkeit der Erkrankten so gering wie möglich zu halten und eine Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern. Unter dem Einfluss der nun vorherrschenden Omikron-Virusvariante werden aktuell viele Personen infiziert, die aber tendenziell mildere Krankheitsverläufe zeigen. Wegen der hohen Ansteckungsrate muss vor allem einer übermäßigen Inanspruchnahme von Krankenhausbehandlungen sowie einer Überlastung der Notaufnahmen aber auch des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes vorgebeugt werden.

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat auf Basis der Abrechnungsdaten des Zeitraums Oktober 2020 bis Juni 2021 analysiert, wie viele COVID-19-Patient:innen während der zweiten Pandemie-Welle in der ambulanten Regelversorgung behandelt werden konnten und wie viele Patient:innen davon ambulant als Notfälle versorgt worden sind. Der Abgleich mit den quartalsbezogenen Meldedaten des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigt, dass rund zwei Drittel der laborbestätigten COVID-19-Fälle (je nach Quartal zwischen 63 und 71 Prozent) ambulant behandelt worden sind. Stationär im Krankenhaus behandelt wurden in diesem Zeitraum nach RKI-Angaben rund 5 Prozent dieser Fälle. Die Relation von stationär zu ambulant behandelten Corona-Fällen beträgt demnach ca. 1 zu 12. Dies verdeutlicht den Stellenwert der ambulanten medizinischen Versorgung.

Von den ambulant behandelten COVID-19-Patient:innen sind auf dem Höhepunkt der zweiten Pandemie-Welle (1. Quartal 2021) rund 92 Prozent in den Praxen niedergelassener Ärzt:innen behandelt worden. Dieser Anteil stellt sich auch im 4. Quartal 2020 und im 2. Quartal 2021 ähnlich dar. Nur rund 8 Prozent der Patient:innen mussten sich in die ambulante Notfallbehandlung begeben. Davon sind im Betrachtungszeitraum jeweils etwa die Hälfte durch den Ärztlichen Bereitschaftsdienst und die Notaufnahmen der Krankenhäuser behandelt worden. Die angegebenen Werte beziehen sich auf einen Zeitraum, in dem die Delta-Variante des SARS-CoV-2-Virus dominant war. Diese führt tendenziell häufiger zu schweren Verläufen als die nun vorherrschende Omikron-Variante.

„Wenn an COVID-19 Erkrankte behandlungsbedürftig werden, ist eine ambulante Versorgung in 11 von 12 Fällen ausreichend. Weniger als jede 20. ambulant behandelte Patientin bzw. Patient musste in der Notaufnahme eines Krankenhauses versorgt werden. Die Tatsache, dass rund 95 Prozent der in Deutschland ambulant behandelten Patientinnen und Patienten über die vertragsärztliche Regelversorgung und den ärztlichen Bereitschaftsdienst behandelt werden können, zeigt eines erneut sehr deutlich: Der ambulante Schutzwall der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ist der starke Wellenbrecher, der die Kliniken vor der Corona-Flut schützt“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Anzahl der ambulanten COVID-19-Patient:innen, die vom 1. Oktober 2020 bis 30. Juni 2021 vertragsärztlich versorgt worden sind (einschließlich Notdienst)

Datenbasis:
Vertragsärztliche Abrechnungsdaten 2020-2021.

Druckfähige Version der Grafik des Monats Januar 2022