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Grafik des Monats

Druckfähige Versionen aller Grafiken stellen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Bei Interesse und allen weiteren Fragen zur Grafik des Monats wenden Sie sich gerne an unseren Leiter der Stabsstelle Kommunikation, Daniel Wosnitzka.

November 2021: Zweitstärkste Impfwoche seit Beginn der Nationalen Impfkampagne gegen das COVID-19-Virus // „Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sind mehr denn je Treiber der Booster-Impfkampagne – auch Erst- und Zweitimpfungen ziehen wieder an“

 

In den Praxen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten in Deutschland wird wieder so intensiv gegen das COVID-19-Virus geimpft wie zu den Spitzenzeiten im Sommer 2021. Die letzte Kalenderwoche (22. bis 28. November 2021) war mit 3.161.348 Corona-Impfungen die zweitbeste Impfwoche aller Zeiten in den Arztpraxen. Nur die 23. Kalenderwoche (7. bis 13. Juni 2021) lag mit 3.381.058 Schutzimpfungen zahlenmäßig etwas darüber. In der zurückliegenden Woche sind pro Tag durchschnittlich über 450.000 Patientinnen und Patienten in den Arztpraxen geimpft worden. Das ist eine Steigerung um 72 Prozent gegenüber der Vorwoche. Am Mittwoch und Donnerstag letzter Woche (24. und 25. November 2021) waren es sogar jeweils über 650.000 Corona-Impfungen. Ein Schwerpunkt der intensiven Impftätigkeit in den Praxen liegt nach wie vor auf den Booster-Impfungen, die etwa 80 Prozent aller COVID-19-Impfungen ausmachen. Seit Anfang November ist aber auch ein stetiger Anstieg bei den für die Grundimmunisierung so wichtigen Erstimpfungen zu erkennen. Mit Unterstützung der Impfstellen werden nun im Schnitt 600.000 Impfungen pro Tag verabreicht. Die Praxen übernehmen mit 75 Prozent den Löwenanteil aller Impfungen. Insgesamt sind nun 9,25 Millionen Menschen in Deutschland geboostert. Davon sind 6,65 Millionen Personen in den haus- und fachärztlichen Praxen geimpft worden.

Vor sechs Monaten, in der 21. Kalenderwoche, wurden insgesamt 2,58 Millionen Zweitimpfungen verabreicht, davon in den Praxen 1,24 Millionen. In der letzten Kalenderwoche (KW 47) wurden insgesamt 3,28 Millionen Personen geboostert, davon in den Praxen 2,55 Millionen. Insgesamt hat sich damit das Impftempo bei den Drittimpfungen deutlich beschleunigt, bei den Praxen sogar verdoppelt.

„Damit sind 700.000 Impfungen in einer Woche aufgeholt worden. Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, könnten bis Weihnachten 22 Millionen Menschen eine Corona-Auffrischungsimpfung erhalten haben“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Dr. Dominik von Stillfried.

„Das Gebot der Stunde ist jetzt, das der Impfstoffnachschub in die Praxen ungehindert fließen kann. Nicht kleckern, sondern klotzen, muss jetzt das Motto sein! Gleichzeitig brauchen alle medizinischen und nicht-medizinischen Beschäftigten in den Arztpraxen jetzt vor allem eins: Ruhe und Planungssicherheit, damit die Impfquoten weiter ansteigen können und die vierte Welle doch noch gebrochen werden kann. Angesichts der zuletzt rasant gestiegenen Bestellzahlen ist mit einem weiter dynamischen Aufwärtstrend bei den Impfzahlen zu rechnen. Was die Praxen jetzt nicht mehr brauchen, sind kurzfristig angekündigte Änderungen der Abläufe, die Praxisinhaberinnen und -inhaber sowie deren Beschäftigte, die seit Wochen am Anschlag arbeiten, entmutigen und demotivieren“, so von Stillfried weiter.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Sieben-Tages-Durchschnitt der in Vertragsarztpraxen in Deutschland verabreichten COVID-19-Schutzimpfungen (Erst-, Zweit- und Booster-Impfungen) von Anfang April bis Ende November 2021

Datenbasis:
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV); eigene Berechnungen des Zi

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Oktober 2021: Deutlich mehr Impfstoff-Bestellungen in Arztpraxen seit STIKO-Empfehlungsentwurf am 7. Oktober 2021 // „Vertragsärztinnen und -ärzte sind Motor der Booster-Impfkampagne – von langsamem Anlaufen kann keine Rede sein“

 

Zwei Wochen nachdem die Ständige Impfkommission (STIKO) am 7. Oktober 2021 ihren Empfehlungsentwurf zur COVID-19-Auffrischimpfung für Personen ab 70 Jahre sowie für bestimmte Indikationsgruppen veröffentlicht hat, ist die Zahl der Impfstoff-Bestellungen in Arztpraxen nun erstmals seit Anfang August wieder auf über 1 Million Dosen pro Woche gestiegen. Die verabreichten Booster-Impfungen liegen nun bei über 100.000 Dosen täglich. Wenn dieser Wert gehalten wird, kann das Impfziel bis Jahresende erreicht werden.

„Von einer schleppenden Umsetzung der Booster-Impfkampagne durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, wie vereinzelt von Gesundheitspolitikern behauptet wird, kann keine Rede sein“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Dr. Dominik von Stillfried. „Als die STIKO-Empfehlung für die 4,1 Millionen Personen, die bis zum 31. März 2021 eine vollständige Impfserie erhalten haben, veröffentlicht wurde, haben die Praxen umgehend reagiert: Es wird nun wöchentlich immer mehr Impfstoff bestellt.“ Zudem sei die Zahl bestellender Ärztinnen und Ärzte wieder um rund 5.000 gestiegen, so von Stillfried weiter. Daher wachse die Zahl der Drittimpfungen jetzt auch wieder deutlich an. Dabei müssten die Praxen für 14 Tage im Voraus bestellen, was einen hohen logistischen Aufwand erfordere. Zudem werde die Terminkoordination wegen fehlender Einzeldosen zusätzlich erschwert.

„Die Politik sollte die Impfkampagne noch wirkungsvoller unterstützen, indem sie für eine aufwandsgerechte Vergütung der Impfung sorgt. Zudem sollte endlich die Möglichkeit eröffnet werden, dass Patientinnen und Patienten auch mehrmals über die Erst- und Zweitimpfung sowie über die Auffrischungsimpfung ärztlich aufgeklärt werden können. Dies ist durch die Regelungen der Impfverordnung immer noch nicht ausreichend berücksichtigt“, machte der Zi-Vorstandsvorsitzende deutlich.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Anzahl der an der Corona-Impfkampagne teilnehmenden Vertragsärzt:innen in Deutschland und der von ihnen bestellten COVID-19-Impfstoffdosen im zeitlichen Kontext des STIKO-Empfehlungsentwurfs vom 7. Oktober 2021 (Zeitraum: 36. bis 43. Kalenderwoche)

Datenbasis:
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)

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September 2021: Deutlich mehr Influenzaimpfungen in der Grippesaison 2020/21 als in den Vorjahren – „Hohe Impfquote auch in jetzt beginnender Erkältungszeit wichtig, um Überlagerung von Influenza und COVID-19-Pandemie zu vermeiden“

 

In der nun beginnenden Grippesaison 2021/22 kommt der Influenza-Impfung wegen der anhaltenden COVID-19-Pandemie erneut eine besondere Bedeutung zu. Aufgrund der Maßnahmen zum Schutz gegen die COVID-19-Pandemie steigt das Risiko durch Influenza-Infektionen. Mit der Grippeschutzimpfung kann wirksam vorgebeugt werden. Bereits in der letzten Grippesaison, die üblicherweise von Anfang Oktober bis Mitte Mai reicht, war die Influenza-Impfrate besonders hoch. Eine aktuelle Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zeigt, dass die Vertragsärztinnen und -ärzte in Deutschland in der zurückliegenden Saison insgesamt 14,6 Millionen Influenza-Impfungen verabreicht haben. Davon entfielen 9,1 Millionen Impfungen auf die Altersgruppe 60+ und 5,5 Millionen Dosen auf die Bevölkerung unter 60 Jahren. In der Grippesaison 2019/20 waren es insgesamt lediglich 11,3 Millionen Impfungen (7,5 Millionen über 60+ / 3,8 Millionen unter 60) und 2018/19 sogar zusammen nur 10,8 Millionen (7,3 Millionen über 60+ / 3,5 Millionen unter 60).

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Patientinnen und Patienten mit bestimmten chronischen Grundleiden sowie allen Personen ab 60 Jahren, Schwangeren und medizinischem Personal, sich jährlich gegen Influenza impfen zu lassen. Hiervon sind auch die Personen erfasst, die ein besonderes Risiko für einen schweren klinischen COVID-19-Verlauf haben. „Auf eine höhere Nachfrage bei den nun anstehenden flächendeckenden Grippeschutzimpfungen sind die Ärztinnen und Ärzte bundesweit vorbereitet. Wegen der durch die Corona-Hygiene-Maßnahmen zuletzt ausgebliebenen Erkältungswelle sind nun weniger Menschen immun gegen Grippeviren. Wichtig ist, dass sich viele Menschen impfen lassen, für die eine Impfung empfohlen ist“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Dr. Dominik von Stillfried. „Die vertragsärztlichen Praxen sind der zentrale Ort des Impfens; das Impfen ist eine originär ärztliche Aufgabe. Bei komplexen Fragestellungen wie der Impfindikation, dem Feststellen von Krankheiten, die eine Impfung gegebenenfalls ausschließen oder auch dem Einschätzen von Impfrisiken können sich die Patientinnen und Patienten voll auf den medizinischen Sachverstand ihrer Haus- und Fachärztinnen und -ärzte verlassen“, bekräftigte der Zi-Vorstandsvorsitzende.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Anzahl der von Vertragsärzt:innen in Deutschland in den Jahreszeiten 2018/19, 2019/20 und 2020/21 verabreichten Grippeschutzimpfungen (differenziert für die Altersgruppe bis 60 Jahre und darüber)

Datenbasis:
Vertragsärztliche Abrechnungsdaten 4. Quartal 2018 bis 1. Quartal 2021; Saison jeweils ohne 2. Quartal.

Ausgewertet wurden die gemäß Anlage 2 der G-BA-Richtlinie über Schutzimpfungen nach § 20i Abs. 1 SGB V für die Influenza-Schutzimpfung bundesweit gültigen Gebührenordnungspositionen (89111,89112). Impfungen, die im Rahmen von bereinigungsrelevanten Selektivverträgen nach § 73b SGB V durchgeführt wurden, konnten nicht berücksichtigt werden, sodass davon ausgegangen werden kann, dass die Anzahl insgesamt durch Vertragsärzt:innen durchgeführter Influenza-Schutzimpfungen die dargestellten Werte übersteigt.

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August 2021: Erste bundesweite Auswertung der strukturierten medizinischen Ersteinschätzung über die 116117 zeigt breites Spektrum von Behandlungsanlässen // „SmED effiziente Gedächtnisstütze für medizinisches Fachpersonal“

 

Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), das im Mai 2019 in Kraft getreten ist, wurde unter anderem festgelegt, dass die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) ab Januar 2020 unter der bundesweiten Rufnummer 116117 rund um die Uhr erreichbar sind. Patientinnen und Patienten, die mit akuten gesundheitlichen Beschwerden die 116117 wählen, werden über ein softwaregestütztes Ersteinschätzungsverfahren in die angemessene Versorgungebene vermittelt: Entweder in eine Arztpraxis, zum ärztlichen Bereitschaftsdienst (Praxis oder Hausbesuch), in eine Notaufnahme oder zum Rettungsdienst (112). Hierzu wird die Software SmED (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland) eingesetzt, die im Auftrag des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) für die Anwendung in Deutschland entwickelt wurde.

Das Zi hat nun erstmals bundesweit die SmED-Daten von knapp einer Million Bürgerinnen und Bürgern ausgewertet, die von Mai 2020 bis Mai 2021 die Servicenummer 116117 angerufen haben. Das Ergebnis: Etwa 110.000 Anfragen sind auf COVID-19-Informationen sowie typische Beschwerdebilder zurückzuführen. Über 850.000 Anrufende meldeten sich mit anderen Beschwerden. Insgesamt sind 105 verschiedene Behandlungsanlässe über SmED verzeichnet worden. Zu jedem dieser Anlässe riefen durchschnittlich mehr als 9.000 Patientinnen und Patienten bei der Hotline an. Am häufigsten meldeten sich Menschen mit Rückenschmerzen (81.546), gefolgt von COVID-19-Symtomen (80.230) und Bauchschmerzen (73.540). Die übrigen 752.000 Anrufe waren anderen Beschwerdebildern zuzuordnen. „Die Vielfalt der Behandlungsanlässe zeigt, wie wichtig gerade im Fall seltenerer Beschwerden eine qualitätsgesicherte und strukturierte medizinische Ersteinschätzung ist. Genau dies bietet SmED. Die Software fungiert dabei als eine Gedächtnisstütze für das medizinische Fachpersonal, damit auch unter Zeitdruck oder starker Belastung keine wichtigen Fragen vergessen werden, die notwendig sind, um die Dringlichkeit und den besten Ort für die Behandlung zu identifizieren“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Dr. Dominik von Stillfried.

SmED wird fortlaufend evaluiert und um weitere Symptome ergänzt. Die Entwicklung der Software wird inhaltlich von einem multidisziplinären wissenschaftlichen Beirat begleitet. Sie unterstützt das medizinische Fachpersonal bei der systematischen Abfrage von Symptomen in Kombination mit allgemeinen und symptomspezifischen Risikofaktoren (z.B. Alter, Geschlecht, Begleitbeschwerden) sowie bei der Entscheidung, welches die passende Versorgungsmöglichkeit für den Anrufenden ist. „Dadurch soll eine hohe Patientensicherheit gewährleistet und abwendbare gefährliche Verläufe zutreffend identifiziert werden. Schon bald wollen wir Patientinnen und Patienten die Möglichkeit bieten, über SmED selbstständig am heimischen Computer eine Online-Ersteinschätzung vorzunehmen. Weiterhin wird die Anwendung von SmED in verschiedenen Praxissettings erprobt und angewandt – so etwa am Gemeinsamen Tresen von Bereitschaftspraxen und Notaufnahmen“, so von Stillfried weiter.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Anzahl der von SmED über die 116117 verzeichneten Behandlungsanlässe in Tausend (Mai 2020 bis Mai 2021)

Datenbasis:
Einsatz der Strukturierten medizinischen Ersteinschätzung in Deutschland (SmED) in den Kassenärztlichen Vereinigungen, v. a. über die Rufnummer 116117

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Juli 2021: Vor allem ältere GKV-Versicherte werden durch Budgetierung vertragsärztlicher Leistungen benachteiligt // „Forderungen nach Ausweitung der Leistungsbudgetierung sind rückwärtsgewandt“

 

Die Krankenkassen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) haben 2019 pro Versichertem vertragsärztliche Versorgungsleistungen im Wert von durchschnittlich 30 Euro nicht gegenfinanziert. Hintergrund ist die budgetierte morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV), die einen sogenannten Behandlungsbedarf als notwendig festlegt, der deutlich unter der tatsächlichen Inanspruchnahme der Versicherten liegt. Da ältere und kränkere Versicherte regelmäßig mehr vertragsärztliche Leistungen in Anspruch nehmen, wirkt sich die Budgetierung in der Versorgung dieser Patientinnen und Patienten besonders negativ aus. Bei den 70- bis 79-Jährigen sind im Durchschnitt Leistungen im Wert von 55,38 Euro nicht von der GKV übernommen worden. Mit dem im Mai 2019 in Kraft getretenen Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) sollte der Anteil nicht vergüteter ärztlicher Leistungen reduziert werden. Die Auswirkungen können allerdings noch nicht abschließend bewertet werden.

„Der demografische Wandel, der Fachkräftemangel sowie das Erschließen des ambulanten Versorgungspotenzials, um unnötige Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, sind die zentralen Herausforderungen in der ambulanten Patientenversorgung in den nächsten Jahren. Dafür müssen die Krankenkassen die vertragsärztlichen Leistungen vollständig finanzieren. Das trifft nicht nur, aber vor allem auf die Versorgung älterer und kränkerer Patientinnen und Patienten zu. Vorschläge einzelner Krankenkassenverbände, wieder mehr Leistungen zu budgetieren, sind rückwärtsgewandt und nicht geeignet, die zentralen Herausforderungen der nächsten Jahre zu schultern. Nach der Bundestagswahl muss die neue Bundesregierung stattdessen gezielt Anreize setzen, um die erbrachten ärztlichen Leistungen vollständig zu finanzieren. Nur so kann dem steigenden Versorgungsbedarf der Versicherten wirksam begegnet werden“, so der Vorstandsvorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Dr. Dominik von Stillfried.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Nicht vergütete vertragsärztliche Leistungen in Euro pro Patientin/Patient nach Altersgruppe im Jahr 2019

Datenbasis:
Vertragsärztliche Abrechnungsdaten 2019

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Juni 2021: Vertragsärztinnen und -ärzte verordnen älteren gesetzlich Versicherten immer seltener Wirkstoffe, die für Menschen ab 65 Jahren als potenziell nicht geeignet gelten

 

Die medizinische Versorgung einer alternden Bevölkerung mit Arzneimitteln ist für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte eine alltägliche Herausforderung. Denn nicht alle in Deutschland zugelassenen Wirkstoffe bzw. Wirkstoffgruppen sind für Menschen ab 65 Jahren gleichermaßen gut verträglich. Aufgrund einer veränderten Pharmakokinetik und gleichzeitig häufig vorkommender Polymedikation ist die Gefahr unerwünschter Arzneimittelwirkungen bei älteren Menschen höher als bei jüngeren. Einige Wirkstoffe sind zusätzlich bei älteren Menschen generell problematisch, da sie zum Beispiel das Sturzrisiko erhöhen oder die Wahrnehmung beeinträchtigen können. Manche Arzneimittel werden deshalb für Senioren als potenziell ungeeignet eingestuft. 83 dieser für ältere Menschen potenziell ungeeigneten Wirkstoffe (PIM = potenziell inadäquate Medikation) sind seit 2010 in der PRISCUS-Liste zusammengefasst.

Die PRISCUS-Liste umfasst jedoch nicht nur die potenziell inadäquaten Wirkstoffe, sondern enthält auch Hinweise auf Begleiterkrankungen, die die Gefahr beim Einsatz eines Wirkstoffs besonders erhöhen und nennt Therapiealternativen. Diese Hilfe wird auch von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten intensiv genutzt und beeinflusst das Verordnungsverhalten: Während 2009 rund 3,35 Millionen Versicherte, also 25 Prozent aller Arzneimittelpatientinnen und -patienten, die 65 Jahre und älter waren, mindestens eine Verordnung eines Wirkstoffes von der PRISCUS-Liste erhalten haben, waren es 10 Jahre später nur noch 2,4 Millionen, also 16 Prozent.

„In den letzten Jahren ist das Bewusstsein für Wirkstoffe, die für ältere Patientinnen und Patienten potenziell ungeeignet sein könnten, gewachsen. Die Verordnung kann trotzdem indiziert sein, mit der PRISCUS-Liste haben Ärzte seit einigen Jahren aber eine Entscheidungshilfe zur Hand, die bei der Suche nach der für die Patientinnen und Patienten am besten geeigneten Medikation unterstützt. Dies schlägt sich in der Verordnungspraxis nieder“, so der Vorstandsvorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Dr. Dominik von Stillfried.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Anteil der gesetzlich krankenversicherten Patientinnen und Patienten ab 65 Jahren mit mindestens einer Verordnung eines Wirkstoffes von der PRISCUS-Liste (bezogen auf alle Patientinnen und Patienten mit mindestens einer Verordnung) 2009-2019

Datenbasis:
Arzneiverordnungsdaten gemäß § 300 SGB V

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Mai 2021: Impfturbo der Arztpraxen führt Deutschland an die europäische Spitze

 

Seit dem 6. April 2021 nehmen in Deutschland die ärztlichen Praxen an der Impfkampagne gegen die COVID-19-Pandemie teil. Zuvor wurde nur in Impfzentren geimpft. Im europäischen Vergleich konnte die Impfkampagne in Deutschland seit April richtig Fahrt aufnehmen. Der Impffortschritt in Deutschland liegt nun über dem EU-Durchschnitt, während Deutschland in der ersten Märzwoche (KW 9) noch 9,6 Prozent unter dem EU-Durchschnitt bei den täglichen Impfungen lag. Schon in der ersten Maiwoche (KW 18) wurden in Deutschland bereits 19,1 Prozent mehr tägliche Impfungen als im EU-Schnitt durchgeführt.

Auch im direkten Vergleich mit den anderen größten EU-Staaten (über 30 Mio. Einwohnende: Polen, Italien, Spanien und Frankreich) ist nicht nur das tägliche Impftempo deutlich gestiegen, sondern auch eine höhere Durchimpfungsquote bezogen auf die Bevölkerung mit mindestens einer Impfdosis erreicht worden. Da die EU-Länder vergleichbar viele Impfstoffdosen aus den gemeinsamen Verträgen erhalten, ist dieser Vorsprung vor allem auf die gemeinsame Impfkampagne der Impfzentren und ärztlichen Praxen in Deutschland sowie zum Teil auf die Ausweitung des Zweitimpfungsintervalls im Rahmen der STIKO-Empfehlung zurückzuführen. Im europäischen Vergleich zeigt sich somit, dass in Deutschland mit den vorhandenen Impfstoffmengen besonders effizient umgegangen wird.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Deutschland überholt andere EU-Staaten beim Impffortschritt dank Impfungen in den Arztpraxen.

Datenbasis:
Our World in Data, Stand: 20. Mai 2021

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April 2021: COVID-19-Impfstofflieferungen übersteigen die Kapazitäten der Impfzentren bereits heute deutlich // Mehr Impfstoffbereitstellung für Arztpraxen möglich

 

Mit dem 6. April 2021 ist der formale Startschuss für das flächige Impfen gegen das COVID-19-Virus in den Arztpraxen in Deutschland gefallen. Damit steht die zentrale Frage im Raum: Wie viele Impfdosen stehen den Vertragsärztinnen und -ärzten dafür zur Verfügung? Mit dem Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz vom 19. März 2021 („Impfgipfel“) werden den 433 Impfzentren in Deutschland ab der 14. Kalenderwoche (5.-11. April 2021) vorrangig 2,25 Millionen Impfdosen pro Woche zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus verfügbare Dosen sollen in den Arztpraxen verimpft werden. 2,25 Millionen Impfungen in den Impfzentren entsprechen etwa einer täglichen Impfkapazität von 321.000 Impfungen. Diese Kapazität ist erstmals in der letzten Woche erreicht worden (Höchstwert: 392.382 am 8. April 2021, wöchentlicher Höchstwert: 2.255.264 in der 14. KW). Zusätzlich stehen den Impfzentren Bestände aus vorherigen Lieferungen zur Verfügung, die zum Teil für Zweitimpfungen zurückgelegt wurden. Insgesamt wurden von den Impfzentren Impfungen im Umfang von nur rund 80 Prozent des verfügbaren Impfstoffs dokumentiert, von den Arztpraxen aber bereits in der ersten Woche schon 95 Prozent. „Da die Lieferprognosen nun deutlich sicherer erscheinen und um den Impffortschritt in der Bevölkerung zu beschleunigen, ist es unabdingbar, die Lagerbestände der Impfzentren nun vorrangig für Erstimpfungen in den Impfzentren einzusetzen. Die für die Arztpraxen zur Verfügung stehenden Dosen können damit maximiert, der Impfturbo nachhaltig angeschaltet bleiben“, so der Vorstandsvorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Dr. Dominik von Stillfried.

Das Zi hat modelliert, wie sich Lagerbestände und Impfstofflieferungen auf Wochenbasis bis zum Ende des zweiten Quartals 2021 entwickeln werden. Es wird deutlich, dass durch die Mitberücksichtigung der Lagerbestände (etwa 3,8 Millionen Impfdosen zu Beginn der 15. KW) die Impfzentren in der 15. und zum Teil 16. KW ihre Kapazität von 2,25 Millionen wöchentlichen Impfungen aus Lagerbeständen leisten können. In der 15. KW stehen damit bereits zusätzlich 3,5 Millionen Impfdosen zur Verfügung, die nicht binnen Wochenfrist in den Impfzentren verimpft werden können. Ab Anfang Mai steigen die projizierten Liefermengen bis Ende Juni auf wöchentlich 9 Millionen überschüssige Dosen so stark an, dass der deutlich größere Teil der wöchentlichen Lieferungen zügig in Arztpraxen verimpft werden muss, um nicht ungenutzt zu verbleiben.

Mit dem neuen Online-Tool Corona-Impfindex bieten das Zi und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ab sofort laufend aktualisierte Zahlen zum Impffortschritt in Arztpraxen und Impfzentren:
https://www.zidatasciencelab.de/covidimpfindex

Methodische Hinweise:
Bei den Modellierungen wurden folgende Annahmen und Datenquellen zu Grunde gelegt: Für die Lieferzahlen wurden die vereinbarten Mengen für die Quartale 2021 sowie die nächsten Kalenderwochen angesetzt, wie sie das Bundesministerium für Gesundheit berichtet. Ebenso wurden als Startwerte für die Modellierung ab der 12. KW die zum 22. März 2021 verabreichten Impfdosen verwendet, wie sie das Robert Koch-Institut im COVID-19-Impfmonitor veröffentlicht. In der Modellierung wurden keine Rücklagen für Zweitimpfungen angesetzt und existierende Lagerbestände als prioritär bei der Verimpfung behandelt. Der Impfstoff des Herstellers Curevac ist derzeit noch nicht zugelassen und wurde daher nicht berücksichtigt. Der bereits zugelassene Impfstoff von Johnson&Johnson wurde ab der 18. KW berücksichtigt mit einem projizierten linearen Anstieg der Liefermenge bis zum Beginn des dritten Quartals. Für die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca wurden die zugesagten Lieferungen für das zweite Quartal abzüglich der bereits geplanten Lieferungen bis zur 18. KW gleichmäßig auf die restlichen Wochen des Quartals verteilt. Da die Lieferungen des Impfstoffs von AstraZeneca in der Vergangenheit meist erst am Ende der Arbeitswoche eintrafen, werden diese in der Projektion jeweils in der folgenden Kalenderwoche berücksichtigt.

Bildunterschrift: Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Zur Verimpfung in Arztpraxen und Impfzentren zur Verfügung stehende COVID-19-Impstoffdosen in Millionen > Zeitraum: 15. KW (12.-18. April 2021) bis 26. KW (28. Juni bis 4. Juli 2021)

Datenbasis: Robert Koch-Institut (COVID-19-Impfmonitor) // Bundesministerium für Gesundheit (Impfkapazitäten und Impfstofflieferungen) Stand: 6. April 2021

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März 2021: Bundesweit stehen 87.000 niedergelassene Haus- und Fachärztinnen bzw. -ärzte bereit, um die Corona-Impfkampagne zu unterstützen

 

Wie steht es um die Impfkapazitäten in den Arztpraxen in Deutschland? Bundesweit wurden 2019 in 55.100 Arztpraxen durch 87.007 Ärztinnen und Ärzte Impfungen verabreicht. 55.542 der impfenden Ärzte waren Hausärztinnen und -ärzte, die übrigen 31.465 Fachärztinnen und -ärzte. Jedoch gehören Impfungen nicht in jeder dieser Arztpraxen zur Kernaufgabe. In 47.734 Praxen sind durch mindestens einen Arzt oder eine Ärztin 10 oder mehr Impfungen verabreicht worden. Von diesen häufiger impfenden Praxen gibt es in der kleinsten Kassenärztlichen Vereinigung (Bremen) 370, in der größten (Bayerns) 7.321.

Zum Vergleich: Bundesweit gibt es 433 Impfzentren. Um die erwachsene Bevölkerung (ab 18 Jahren) in Deutschland vollständig zu impfen, müsste jede der 47.734 viel impfenden Praxen jeweils 1.742 Bürgerinnen und Bürger ein bzw. zweimal impfen. Umgerechnet auf die 76.431 Ärztinnen und Ärzte, die in diesen Impfpraxen tätig sind, ergeben sich jeweils 1.088 zu impfende Patientinnen und Patienten. Je mehr Praxen sich beteiligen können, umso stärker sinkt die Zahl der notwendigen Impfungen je Arzt und Praxis.

Aktuell geht das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) auf Basis der vorliegenden Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit in seiner Modellierung der COVID-19-Impfkampagne (https://www.zidatasciencelab.de/cov19vaccsim) davon aus, dass die gesamte erwachsene Bevölkerung bis Mitte Juli eine erste Impfdosis erhalten könnte und bis Mitte August zu durchimpfen wäre. „Es kommt jetzt darauf an, möglichst viele Praxen in die Impfkampagne einzubeziehen. Das wird durch allmählich steigende Liefermengen verschiedener Hersteller vor allem ab Ende April voraussichtlich immer besser gelingen“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Bildunterschrift: Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Anzahl der Arztpraxen sowie der niedergelassenen Haus- und Fachärztinnen bzw. -ärzte (in den 17 Kassenärztlichen Vereinigungen), die 2019 mindestens 10 Impfungen verabreicht haben

Datenbasis: Vertragsärztliche Abrechnungsdaten 2019

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Februar 2021: Wenn Impfintervalle ausgeschöpft und die Kapazitäten gesteigert werden, kann die Bevölkerung bis zum Sommer deutlich besser gegen das COVID-19-Virus geschützt werden

 

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) unterstützt die Bundesregierung bei Modellierungen für den Verlauf der Nationalen Impfkampagne gegen das COVID-19-Virus (https://www.zidatasciencelab.de/cov19vaccsim). Die ersten Ergebnisse dieser Modellierungen zeigen deutlich, dass die Impfkapazitäten rasch ausgebaut werden müssen, um die Bevölkerung in Deutschland zügig zu immunisieren. Die Bundesländer haben bereits zugesagt, ihre Kapazitäten von derzeit etwa 340.000 Dosen pro Tag bis März auf etwa 550.000 Dosen pro Tag zu steigern. Gleichzeitig wird politisch über das Ausschöpfen der nach Impfverordnung vorgesehenen Zeiträume zwischen Erst- und Zweitimpfung mit dem Ziel einer stärkeren Priorisierung von Erstimpfungen diskutiert.

In einer aktuellen Grafik modelliert das Zi die Folgen der diskutierten längeren Impfintervalle für die Zahl der Erstimpfungen bis zum Sommer. Dabei wurde für die vorhandene Impfkapazität die Zahl zusätzlich möglicher Erstimpfungen verglichen, wenn das Intervall zwischen Erst- und Zweitimpfung auf das Maximum des nach aktueller Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) Möglichen ausgedehnt wird und gleichzeitig keine Dosen mehr für spätere Zweitimpfungen zurückgelegt werden. Verglichen wird diese Prognose mit dem aktuellen Procedere, das sich durch das Zurücklegen von Zweitimpfungen in unterschiedlichem Ausmaß je Hersteller und einer Orientierung am Minimum des von der STIKO vorgeschlagenen Intervalls orientiert. In beiden Verfahrensweisen werden hier nur die derzeit zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna sowie AstraZeneca berücksichtigt.

Die Modellierung zeigt einen deutlichen Effekt der Optimierung, die sich auf ein Maximum kurzfristig zu verabreichender Erstimpfungen und kein Zurückhalten von Impfdosen konzentriert. Mit dieser Verfahrensweise könnten zum Osterwochenende bereits über 2 Millionen zusätzliche Erstimpfungen ausgegeben werden. Bis zum Beginn der Sommerferien in den ersten Bundesländern (21. Juni 2021) könnten sogar über 7,5 Millionen zusätzliche Erstimpfungen vorgenommen werden. Dann könnten 58 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfung erhalten. Im Unterschied dazu würden beim alternativen Impfregime nur etwa 47 Prozent diesen Schutz bis zum Sommer erhalten.

„Es wird deutlich, dass die Ausschöpfung von Impfintervall und Liefermengen kurzfristig einen klar positiven Effekt auf die allgemeine Durchimpfung der Bevölkerung hat. Dieser Effekt wird sich allerdings im Laufe des Sommers verringern, wenn die aktuell gemeldeten Impfkapazitäten der Impfzentren beibehalten werden. Eine weitere Aufstockung der Kapazitäten, etwa durch Einbindung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ist dringend erforderlich, um die prognostizierte positive Entwicklung fortzusetzen und diesen Durchimpfungstrend fortzusetzen. Im Lichte weiterer Impfstoffzulassungsverfahren (insbesondere Johnson & Johnson sowie Curevac) wird die benötigte Kapazitätsausweitung noch drängender, um das Potenzial der Impfstoff-Lieferungen voll auszunutzen“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Bildunterschrift: Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi):
Potenzial zusätzlicher Erstimpfungen gegen das COVID-19-Virus bei Optimierung von Impfintervall und Liefermengen

Datenbasis: Robert-Koch-Institut (COVID-19-Impfmonitor), Bundesministerium für Gesundheit (Impfkapazitäten und Impfstofflieferungen) Stand: 26. Februar 2021

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Januar 2021: Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte verordnen Kindern auch in der Corona-Pandemie weiterhin weniger Antibiotika

 

Winterzeit ist Erkältungszeit. Das lässt sich auch an den Verordnungszahlen spezifischer Arzneimittel ablesen: Wenn die symptomatische Therapie einer (Atemwegs-)Infektion nicht ausreicht, kann die Verordnung eines Antibiotikums indiziert sein. Somit unterliegt auch diese Wirkstoffklasse jahreszeitlichen Schwankungen, die sich jährlich wiederholen und auch oft Kinder unter 12 Jahren betreffen. Gerade jüngere Kinder erkranken in normalen Wintern immer wieder an Atemwegsinfektionen. Doch das Pandemiejahr 2020 ist auch in dieser Hinsicht nicht mit anderen Jahren vergleichbar. Insbesondere durch Schul- und Kitaschließungen, allgemeine Kontaktbeschränkungen sowie die zeitweise Sperrung von Spielplätzen haben (Atemwegs-)Infektionen bei Kindern insgesamt drastisch abgenommen. Dies spiegelt sich deutlich in den Antibiotikaverordnungszahlen wider.

„Die historisch niedrige Zahl der Antibiotika-Verordnungen zeigt zweierlei: Zum einen, dass die Kontaktbeschränkungen in der COVID-19-Pandemie auch andere Infektionen, insbesondere der oberen Atemwege, deutlich verringern. Zum anderen, dass Vertragsärztinnen und -ärzte einen wesentlichen Beitrag zur Vermeidung von Antibiotika-Resistenzen leisten, weil sie immer defensiver verordnen. Dies zeigen auch aktuelle Projekterfahrungen wie etwa im Innovationsfondsprojekt RESIST“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi), Dr. Dominik von Stillfried.

Während im Januar und Februar noch vergleichbar viele Antibiotika verordnet wurden (92 Prozent gegenüber 2019), sanken die Verordnungszahlen bereits im März merklich (82 Prozent gegenüber 2019), um dann im Juni mit nur noch 19 Prozent der Verordnungen von 2019 einen bislang einmaligen Tiefstand zu erreichen. Im Juli näherten sich die Verordnungszahlen den Vorjahren auf niedrigem Niveau wieder an (92 Prozent gegenüber 2019), um dann mit Beginn des Herbstes erste Hinweise auf das Ausbleiben der Erkältungssaison zu geben. So sind im Oktober nur 46 Prozent der Verordnungen von 2019 abgerechnet worden.

Datenbasis sind die rohen Arzneiverordnungsdaten der Apothekenrechenzentren, die gemäß § 300 SGB V an die Kassenärztlichen Vereinigungen übermittelt werden.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi):
Zahl der Antibiotika-Verordnungen bei Kindern auch in der Corona-Pandemie weiter rückläufig

Datenbasis:
Vertragsärztliche Arzneiverordnungsdaten 2018-2020.

Druckfähige Version der Grafik des Monats Januar 2021