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Digital Health: Neue Optionen für die Versorgungsforschung?

07. April 2016 in Berlin

Hintergrund

Gesundheitsbezogene Daten zum Alltagsverhalten und zu Erkrankungen werden zunehmend über mobile Technologien erfasst. Der Bestand an digitalen klinischen Daten wächst. Eine Nutzung dieser Daten für die Versorgungsforschung findet in Deutschland bislang nicht statt. Diese basiert bislang auf fraktionierten Routinedaten (Abrechnungsdaten). Würden diese aber mit den über Apps und Sensoren erhobenen Daten, mit Informationen aus elektronischen Patientenakten sowie den Datenbeständen von Registern und Kohorten für die Versorgungsforschung verbunden, wäre der Standort Deutschland in der Gesundheitsforschung weltweit führend. 

Thema

Umfangreiche Datenbestände mit gesundheitsrelevanten Informationen liegen in vier getrennten Bereichen vor:

  1. Aus Verwaltungsvorgängen wie der Abrechnung, der Ausgabe von Medikamenten oder der Qualitätssicherung fallen Routinedaten aus Arztpraxen, Apotheken, Krankenhäusern etc. vor allem bei den Krankenkassen an. Das Zi nutzt kassenübergreifend Routinedaten der ambulanten Versorgung zur Versorgungsforschung. Jeder Datenbestand hat jedoch systematische Lücken.
  2. Praxen, Krankenhäuser und Pflegeheime erfassen zunehmend strukturiert patientenbezogene, medizinische oder pflegerische Informationen in elektronischen Akten.
  3. Register und Kohorten erheben zur Beantwortung populations- bzw. bevölkerungsbezogener Fragestellungen detaillierte Daten zu ihren Probanden.
  4. IT-Konzerne, Softwareunternehmen und Versicherungen bauen Geschäftsmodelle mit Sammlung und Verwertung gesundheitsrelevanter Daten auf („Big Data“).

Die Daten aller vier Bereiche verfügen über ein großes Potenzial zur Bearbeitung wichtiger Fragen der Prävention, der Wirksamkeit von Diagnostik und Therapie unter Alltagsbedingungen und der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens. Eine (pseudonymisierte) Zusammenführung der Daten – ob permanent oder anlassbezogen – für die Versorgungsforschung würde diese Potenziale erschließen.

Ziel

Es entscheidet sich an dieser Stelle, ob Deutschland Import- oder Exportland von Gesundheitstechnologien der Zukunft wird. Für eine Neuorientierung gibt es international gute Beispiele staatlicher und privater Initiativen für neue technische Lösungen, datenschutzrechtlicher Klärungen sowie besonderer Einrichtungen. Im Rahmen der Fachtagung wurde diskutiert, wie ein ‚Forschungsdatenportal‘ für Deutschland aussehen könnte.