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SmED Telefon

Aufgrund von Unsicherheit und Unwissenheit hat sich der Trend etabliert, dass Patienten auch mit aus medizinischer Sicht nicht akuten Beschwerden Notaufnahmen aufsuchen, wenn die Hausarztpraxen geschlossen haben. Patienten brauchen im Bedarfsfall eine einfache Antwort auf akute Fragen: „Soll ich mit diesen Beschwerden zum Arzt? Welcher Arzt kann mir weiterhelfen? Wann muss / wann kann die Behandlung stattfinden?“ Aus Sicht der Versorgungseinrichtungen geht es letztlich darum, die Nachfrage so zu ordnen, dass sich die Patienten zur richtigen Zeit am richtigen Ort präsentieren können. Dies ist ein Gebot der Patientensicherheit. Es ist aber auch ein Gebot der Effizienz, denn angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels im Gesundheitswesen ist eine ungerichtete Vervielfachung des Angebots insbesondere der aufwändigen Notfallversorgung keine Option mehr.

Die Einrichtung eines niedrigschwelligen Beratungsangebots in Form einer Telefontriage, an dessen Ende im Bedarfsfall ein konkretes Versorgungsangebot vermittelt wird, kann Patienten bei der Beantwortung ihrer Fragen helfen. Mit dem Inkrafttreten des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) am 11. Mai 2019 wurde eine Rechtsgrundlage für die Anwendung eines einheitlichen Ersteinschätzungsverfahrens durch die KVen geschaffen. Konkret wurden die KVen nach § 75 Abs. 1a Satz 3 Nr. 3 SGB V verpflichtet, als Teil ihres Sicherstellungsauftrags spätestens ab dem 1. Januar 2020 rund um die Uhr mindestens telefonisch für Versicherte mit akuten Beschwerden erreichbar zu sein und diesen auf Basis eines einheitlichen Ersteinschätzungsverfahrens ein angemessenes Versorgungsangebot zu vermitteln. Dazu stellt das Zi den KVen SmED Telefon zur Verfügung.

Ablauf der Abfrage mit SmED Telefon

Das Alter und das Geschlecht des Patienten werden in der Regel direkt aus der Dispositionssoftware der Servicezentrale übernommen. Zu Ergänzen wäre dann gegebenenfalls das Vorliegen einer Schwangerschaft oder Stillzeit. Um auf schnellstem Wege unmittelbar lebensbedrohliche Situationen zu erkennen, wurde eine Vorababfrage in Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst entwickelt, welche in SmED als Vortriage bezeichnet wird. Wird eine unmittelbar lebensbedrohliche Situation erkannt, kann die Ersteinschätzung abgeschlossen werden und der Patient wird an den Rettungsdienst übermittelt.

Ist die Vortriage unauffällig, geht der Disponent zur Hauptabfrage von SmED über. Hier besteht das zentrale Ziel darin, abwendbar gefährliche Krankheitsverläufe mit hoher Sicherheit zu erkennen. Es werden eine Hauptbeschwerde und zusätzlich gegebenenfalls Begleitbeschwerden, die der Patient äußert, erfasst. Zu diesen Beschwerden werden dem Disponenten alle medizinischen Fragen, die im Zusammenhang mit dem dokumentierten Alter und Geschlecht relevant sind, angezeigt. Sobald SmED zu einem endgültigen Ergebnis gekommen ist, kann der Disponent die Abfrage abschließen und unter Einbezug der SmED-Empfehlungen eine Entscheidung zur passenden Versorgung des Patienten treffen. Das SmED Ergebnis besteht aus einer Empfehlung zur Behandlungsdringlichkeit und einer Empfehlung zur Behandlungsebene. Die Behandlungsdringlichkeit besagt, in welchem Zeitfenster der Patient durch einen Arzt untersucht werden sollte. Sie teilt sich in die Empfehlung Notfall, schnellstmöglich, innerhalb von 24 Stunden und nicht innerhalb von 24 Stunden ein. Als Behandlungsebene können der Rettungsdienst und die Notaufnahme sowie der vertragsärztliche Bereich oder die Telefonberatung durch einen Arzt empfohlen werden. Innerhalb des vertragsärztlichen Bereichs kann der Disponent beispielsweise einen Termin in einer Bereitschaftspraxis oder einer niedergelassenen Praxis vermitteln. Auch die Veranlassung eines Hausbesuchs ist möglich.

Neben der Einordnung der Beschwerden bietet SmED auch eine Dokumentation für die Weiterbehandlung, da die Daten des gesamten Assessments an die Dispositionssoftware exportiert und somit ganz oder in Teilen an die behandelnde Stelle weitergegeben werden können. Bei Fallabschluss kann die Empfehlung bei Bedarf modifiziert werden, etwa um einen Patienten, der eine schnellstmögliche ärztliche Behandlung benötigt, als ‚Rettungsdienstfall‘ zu kennzeichnen, sofern für ihn aus den besonderen Umständen begründet ein Transport notwendig wird. Es ist davon auszugehen, dass von dieser Gestaltungsoption insgesamt sehr selten Gebrauch gemacht werden wird. Sie unterstreicht aber, dass SmED kein standardisiertes Fragesystem (wie z. B. ProQA) ist, sondern eine Entscheidungshilfe für Fachpersonen.

DEMAND - Einsatz in Kassenärztlichen Vereinigungen

Im Rahmen des DEMAND-Projekts wurde SmED seit 2019 an verschiedenen Modellstandorten implementiert, um die Effekte umfänglich zu evaluieren und Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie der Ansatz unter welchen Voraussetzungen am besten funktioniert. An dem Projekt sind elf Kassenärztliche Vereinigungen beteiligt. Neben dem Einsatz von SmED bei der 116117, der bundesweiten Telefonnummer des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes, wurde SmED an verschiedenen sogenannten „Gemeinsamen Tresen“ (Schnittstelle von Notdienstpraxen am Krankenhaus und Notaufnahme) eingesetzt. Das umfangreiche Evaluationspaket besteht aus der Auswertung von Routinedaten hinsichtlich der Entwicklung der Patientenzahlen in Notaufnahmen (mit der Arbeitshypothese, dass diese durch den Einsatz von SmED sinken sollten), der Befragung von Anwenderinnen und Anwendern von SmED, der Befragung von Patientinnen und Patienten, welche mit SmED ersteingeschätzt wurden, und der Befragungen von Notaufnahmepersonal. Die offizielle Interventionsphase endete am 31.12.2020, im April 2022 erfolgt die Ergebnispräsentation.

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