Zi-Trendreport für das 1. Halbjahr 2025: Weiter steigende Fallzahlen in Psychotherapie und Psychiatrie

Anzahl der Behandlungsfälle mit über 292 Millionen nahezu auf hohem Vorjahresniveau // Plus bei Frauen-Krebsvorsorge, Minus bei Kinder-Früherkennung// Aufwärtstrend bei Telefon-Beratungen und Videosprechstunden hält an

Im 1. Halbjahr 2025 sind insgesamt 292,3 Millionen Behandlungsfälle in der ambulanten Versorgung dokumentiert worden. Damit sind die Fallzahlen gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 1,1 Millionen um 0,4 Prozent geringfügig abgesunken.

Beim Vergleich der Behandlungsfallzahlen der ersten Halbjahre 2025 und 2024 zeigten sich in der Psychotherapie und Psychiatrie Zuwächse (+238.000, +3,4 Prozent). Im 1. Halbjahr 2025 erhöhte sich die Fallzahl bei den Einzeltherapien gegenüber dem Vorjahreszeitraum leicht um 22.000 (+1 Prozent) auf insgesamt 2,2 Millionen und bei den Gruppentherapien deutlich um 45.000 (+25,1 Prozent) auf insgesamt 223.000. In den übrigen Versorgungsbereichen waren die Zahlen annähernd auf dem Vorjahresniveau oder leicht rückläufig: Im hausärztlichen Bereich mit einem leichten Minus von 263.000 Fällen (–0,3 Prozent), bei den Fachärztinnen und Fachärzten mit einem marginalen Rückgang von 174.000 Fällen (–0,1 Prozent) und in der Kinder- und Jugendmedizin mit −435.000 Behandlungsfällen (−3 Prozent). Bezogen auf die einzelnen Fachgruppen sind für das 1. Halbjahr 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum die größten relativen Fallzahlzuwächse in der Strahlentherapie (+5,9 Prozent), der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (+5,7 Prozent), der Neurologie (+4,9 Prozent), der Endokrinologie (+4,1 Prozent) und in der nichtärztlichen Psychotherapie (+3,9 Prozent) zu erkennen. Die deutlichsten relativen Rückgänge gab es bei den sonstigen Ärztinnen und Ärzten (−12,9 Prozent), den Nervenärztinnen und -ärzten (−7 Prozent), den Internistinnen und Internisten ohne Schwerpunkt (−4,6 Prozent), den schwerpunktübergreifend tätigen Internistinnen und Internisten (−3,9 Prozent) und den Anästhesistinnen und Anästhesisten (−3,6 Prozent).

Die Anzahl der telefonischen Beratungen ist im 1. Halbjahr 2025 mit 4,4 Millionen um 5,6 Prozent (+232.000) erneut deutlich angestiegen. Noch stärker war die Zunahme bei den Videosprechstunden. Insgesamt gab es 1,5 Millionen Videosprechstunden und damit 14,2 Prozent (+187.000) mehr als im Vorjahreszeitraum. Allerdings entsprechen diese rein telemedizinischen Leistungen insgesamt lediglich einem Anteil von 2 Prozent an allen Behandlungsfällen. Über das gesamte 1. Halbjahr 2025 betrachtet, entfielen 49,6 Prozent der insgesamt 1,5 Millionen Videosprechstunden auf den hausärztlichen, 34,8 Prozent auf den psychotherapeutischen und 15,6 Prozent auf den fachärztlichen Versorgungsbereich.

Bei den Früherkennungsuntersuchungen zeigt sich einmal mehr ein uneinheitliches Bild: Während die Anzahl der Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern im 1. Halbjahr 2025 um 3,7 Prozent (–90.000) auf insgesamt 2,3 Millionen abgesunken ist, stiegen die Fallzahlen beim Mammographie-Screening weiter an. Hier sind insgesamt 1,6 Millionen Untersuchungen (+79.000) vertragsärztlich abgerechnet worden (+5,1 Prozent). Ein deutliches Plus gab es auch bei den Früherkennungsuntersuchungen der Frau. Hier stiegen die Zahlen um 828.000 (+22,1 Prozent) auf insgesamt 4,6 Millionen Untersuchungen. Aufwärts ging es auch bei den Früherkennungskoloskopien: Hier gab es im Betrachtungszeitraum einen Fallzahlanstieg um 3,6 Prozent. Insgesamt sind im 1. Halbjahr 2025 mehr als 339.000 Früherkennungskoloskopien (+12.000) vorgenommen worden.

Die Anzahl der ambulanten Operationen hat in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 mit einem Minus von 12.000 Behandlungsfällen gegenüber dem Vorjahreszeitraum 2024 leicht abgenommen (–0,5 Prozent). Insgesamt sind 2,5 Millionen ambulante Operationen abgerechnet worden. 

Das sind die zentralen Ergebnisse des aktuellen Trendreports zur Entwicklung der vertragsärztlichen und psychotherapeutischen Leistungen vom 1. Quartal 2021 bis 2. Quartal 2025, den das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) heute veröffentlicht hat.

Die aktuellen Daten zeugten von einem ungebrochen hohen Vertrauen der über 75 Millionen gesetzlich Versicherten in die Versorgung durch die 185.000 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, bekräftigte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried: 

„Nahezu 600 Millionen Behandlungsfälle Jahr für Jahr, über 1,6 Millionen Tag für Tag – diese Zahlen sind kein statistisches Detail, sondern Beweis für die Belastbarkeit des ambulanten Systems. Die Botschaft: Die gesetzlich Versicherten in Deutschland können sich weiterhin auf eine wohnortnahe und flächendeckende medizinische Versorgung auf höchstem Niveauverlassen. Aber: Diese noch immer sehr komfortable Versorgungssituation ist alles andere als selbstverständlich. Wenn immer mehr Praxen aus der ambulanten Versorgung ausscheiden, weil Praxisinhaberinnen und -inhaber in den Ruhestand gehen undviel zu oft niemand mehr bereitsteht, um diese Verantwortung zu übernehmen, dann muss die Politik dies als ernstes Warnsignal erkennen. Die Versorgung funktioniert also nicht, weil die Lage entspannt wäre, sondern weil sie mit enormem Einsatz aufrechterhalten wird.“

Die konstant hohe Zahl an Behandlungsfällen sei somit vor allem ein Zeichen für die außerordentliche Leistungsbereitschaftder niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mitsamt ihren hoch engagierten Praxis-Teams: „Sie packen tagtäglich an, fangen auf und kompensieren strukturelle Defizite, die etwa durch fehlendes Personal, fehlende Digitalisierung und fehlende Patientenlenkung entstanden sind. Viele Praxen arbeiten bereits am Rand ihrer Kapazität. Kinderarztpraxen etwa sind in der Infektsaison deutlich stärker ausgelastet als in früheren Jahren“, so von Stillfried weiter.

Praxen bräuchten die erforderlichen Mittel, ihr Personal zu halten und zusätzlich auszubilden, um mehr Zeit für spezifisch ärztliche Aufgaben zu haben. „Um ein hohes Versorgungsniveau der Versicherten weiter aufrechtzuhalten, muss jetzt an zentralen Stellschrauben für mehr Berufszufriedenheit in den Praxen gesorgt werden. Denn gute Medizin braucht gute technische und finanzielle Rahmenbedingungen: Weniger Bürokratie und mehr Arztzeit, weniger Sanktionen und mehr Anreize“, forderte der Zi-Vorstandsvorsitzende abschließend.


Zi-Trendreport zur vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland – Bundesweiter tabellarischer Report vom 1. Quartal 2021 bis zum 2. Quartal 2025 (PDF, öffnet in neuem Tab)


Medieninformation zum Download (PDF, öffnet in neuem Tab)
 

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Daniel Wosnitzka

Leiter Stabsstelle Kommunikation / Pressesprecher