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Juni 2026

2024 über 138.000 Borreliose‐Neudiagnosen in Deutschland // Erkrankungsraten in Ostdeutschland und Bayern besonders hoch // „Klimatische Veränderungen begünstigen Ausbreitung krankheitsübertragender Zecken – Prävention wird immer wichtiger“

Bei 138.107 in Deutschland gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten ist im Jahr 2024 erstmals eine Lyme-Borreliose diagnostiziert worden. Diese durch Zecken übertragene Infektion tritt im gesamten Bundesgebiet auf – regional bestehen jedoch deutliche Unterschiede im Erkrankungsrisiko. In den aktuell vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) ausgewerteten kassenärztlichen Abrechnungsdaten für das Jahr 2024 liegen die höchsten Erkrankungsraten in den ostdeutschen Bundesländern sowie in Bayern.

Die Zahl der neu diagnostizierten Fälle schwankte dabei erheblich: Während im KV-Bereich Nordrhein 116 Fälle je 100.000 Versicherte registriert wurden, lag Sachsen mit 361 Fällen an der Spitze. Besonders hohe Inzidenzen sind zudem in Thüringen (342), Bayern (311), Brandenburg (310), Mecklenburg-Vorpommern (310) sowie in Sachsen-Anhalt (284) dokumentiert worden. Auf Kreisebene sind die Höchstwerte im Landkreis Freyung-Grafenau (Bayern) mit 703 sowie im Saale-Holzland-Kreis (Thüringen) mit 639 Fällen erreicht worden. Stark erhöhte Werte mit deutlich über 400 Fällen lagen insbesondere im Osten Niederbayerns, Thüringens und an der Grenze zu Tschechien in Sachsen. Niedrig-Inzidenz-Cluster, das heißt räumlich eingegrenzte Gruppen benachbarter Kreise mit relativ niedrigen Werten, waren mit Ausnahme Bayerns in allen westdeutschen KV-Regionen zu beobachten. Das räumlich größte zusammenhängende Gebiet erstreckte sich über weite Teile von Nordrhein-Westfalen. Bundesweit lag die Inzidenz 2024 bei 221 neu diagnostizierten Fällen pro 100.000 gesetzlich Versicherte. Dies ist ein moderater Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (207 Fälle pro 100.000). Schwankungen der Borreliose-Inzidenz von Jahr zu Jahr sind nicht ungewöhnlich: Seit 2018 ist der niedrigste Wert mit 203 Fällen pro 100.000 Personen im Jahr 2022 erreicht worden, während der Höchstwert in der Corona-Pandemie im Jahr 2020 mit 241 Fällen auftrat.

„Die Einflussfaktoren der Lyme-Borreliose-Inzidenz sind vielfältig. Es zeigt sich jedoch, dass klimatische Bedingungen – etwa mildere Winter sowie wärmere und feuchtere Perioden vom Frühjahr bis in den Herbst – in bestimmten Regionen zu einem Anstieg der Infektions- und Erkrankungszahlen beitragen können. Diese Faktoren verlängern die Aktivitätsdauer und erhöhen die Dichte der Zecken. Dadurch kommt es häufiger zu Kontakten zwischen Menschen und Parasiten. Präventive Maßnahmen im Gesundheitsschutz gewinnen daher zunehmend an Bedeutung. Unsere aktuellen Analysen zur Verbreitung der Borreliose liefern eine verlässliche und räumlich detaillierte Basis, um gezielte Präventionsstrategien zur Senkung des Infektionsrisikos zu entwickeln“, erklärte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Die Lyme-Borreliose stellt die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit in Europa dar. Ausgelöst wird sie durch Bakterien der Gattung Borrelia, deren Hauptreservoir Mäuse und Vögel sind. In Europa erfolgt die Übertragung überwiegend durch den Stich der Zeckenart Ixodes ricinus. Die Erkrankung kann verschiedene Organsysteme betreffen, insbesondere die Haut, das Nervensystem und die Gelenke. Die klinischen Ausprägungen reichen von milden Formen wie dem Erythema migrans (auch als Wanderröte bekannt) bis hin zu schweren Verläufen, etwa einer Hirnhautentzündung (Meningitis). Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Eine zugelassene Schutzimpfung steht in Deutschland bislang nicht zur Verfügung.

Datengrundlage der Untersuchung waren die vertragsärztlichen Abrechnungsdaten des Jahres 2024. Patientinnen und Patienten galten als neuerkrankt, wenn sie nach einem diagnosefreien Zeitraum von drei Jahren erstmals im Jahr 2024 mindestens eine gesicherte Diagnose A69.2 (ICD-10-GM) erhalten hatten. Die Erfassung von Neuerkrankungen erfolgte in der Population aller in Deutschland gesetzlich Versicherter, die in einem Mindestzeitraum von 4 Jahren, d. h. in den Jahren 2021 bis 2024, zu beobachten waren.


Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Regionale Verteilung der Inzidenz von Lyme-Borreliose in Deutschland 2024
(Anzahl der Patientinnen und Patienten mit neu diagnostizierter Borreliose pro 100.000 GKV-Versicherte; auf Kreisebene)

Datenbasis:
Vertragsärztliche Abrechnungsdaten 2024


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Daniel Wosnitzka

Leiter Stabsstelle Kommunikation / Pressesprecher