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Wert und Bewertung ärztlicher Arbeitszeit

12. November 2014 in Berlin

Zeit ist Geld. Dieser Grundsatz muss auch für ärztliche Arbeitszeit gelten. Denn der Großteil der Behandlungsleistung in der vertragsärztlichen Versorgung ist ärztliche Arbeitszeit. Tatsächlich wird die vertragsärztliche Arbeitszeit aber nicht explizit bewertet. Nach dem geltenden Rechtsrahmen ist der Wert ärztlicher Arbeit das Residuum aus dem Honorar nach Abzug der Betriebskosten. Faktisch gleichen die Krankenkassen im Rahmen der jährlichen Anpassung des Orientierungswerts aber nicht einmal den Anstieg des Preisniveaus aus. Der Wert einer vertragsärztlichen Leistung wird damit von Jahr zu Jahr geringer.

Dabei müsste die ärztliche Arbeitsstunde - wie viele andere Dienstleistungen auch - von Jahr zu Jahr mehr Wert werden. Denn in dem Maße, wie die Arbeitsproduktivität in der Volkswirtschaft insgesamt zunimmt, wird Arbeit teurer. Da ärztliche Leistungen vor allem aus ärztlicher Arbeitszeit bestehen und nicht beliebig vervielfacht werden können, müssen sie im Zeitablauf teurer werden.

Wer diese ökonomischen Zusammenhänge ignoriert, gefährdet die Zukunft der vertragsärztlichen Versorgung. Um die Weichen richtig zu stellen, muss der Bewertungsausschuss den Auftrag erhalten, bei der jährlichen Vereinbarung des Orientierungswertes nicht nur die Entwicklung der Betriebskosten, sondern auch den gestiegenen Wert ärztlicher Arbeitszeit zu bewerten.