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DispoAkut

Die Frage, wie Patient:innen mit akuten Beschwerden innerhalb eines, der Dringlichkeit angemessenen Zeitraumes, in eine geeignete Versorgungseinrichtung gesteuert werden können, ist ein Kern der Überlegungen zur Weiterentwicklung der Akut- und Notfallversorgung in Deutschland. Die aktuelle Diskussion des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) bezüglich der Etablierung einer qualifizierten und standardisierten Ersteinschätzung des medizinischen Versorgungsbedarfs von Hilfesuchenden (§ 120 Abs. 3b SGB V) führt vor dem Hintergrund überlasteter Notaufnahmen zu der Frage, wie Akutpatient:innen (Patient:innen, welche in der Ersteinschätzung als ambulant behandelbar eingestuft werden) sicher und in der angemessenen Zeit in den vertragsärztlichen Versorgungsbereich weitergeleitet werden können. Für die Weiterleitung selbst, bedarf es der Suche nach einer fachlich geeigneten und annahmebereiten niedergelassenen Praxis in geeigneter Lage und Entfernung, in der ein:e Patient:in angemeldet werden kann. Voraussetzung dafür ist ein direkter Austausch zwischen Notaufnahmen und Arztpraxen. Eine digitale Unterstützung könnte diesen Prozess erheblich verbessern.

Das Ziel dieser Studie ist die Untersuchung zweier unterschiedlicher Systeme (IVENA eHealth/eTS Akutfall) hinsichtlich der Machbarkeit, Sicherheit und Akzeptanz, die im Rahmen der Vermittlung von Akutpatient:innen in die vertragsärztliche Versorgung Anwendung finden können.

Als mögliche technische Lösung wird zum einen die webbasierte IVENA eHealth Software evaluiert (Studienarm 1). Diese wird derzeit im Rettungsdienst eingesetzt, um in Echtzeit geeignete und verfügbare Notaufnahmen für die Einlieferung von Patient:innen zu identifizieren. Die Funktionalität der IVENA eHealth Anwendung wird im Rahmen der Studie angepasst, sodass die Notaufnahmen als Sender fungieren und die Kooperationspraxen (KP) als Empfänger kontaktiert werden können. Im Rahmen einer Erweiterungsphase soll auch der Rettungsdienst die teilnehmenden KP in IVENA eHealth sehen und Akutpatient:innen in diese weiterleiten können. Zum anderen wird der digitale Terminservice (eTS) der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin evaluiert (Studienarm 2). Mit Hilfe der Terminservicestelle - Akutfall (TSS akut) und der digitalen eTS Nutzung soll eine direkte Vermittlung zu einer KP hergestellt werden.

Die statistische Datenauswertung wird über die bestätigten Dispositionen von Akutpatient:innen und über eine Fragebogenerhebung mit den Disponenten (Sender) aus den Notaufnahmen und dem teilnehmenden medizinischen Fachpersonal (Empfänger) aus den KP erfolgen.

Die Erkenntnisse der DispoAkut-Studie sollen mögliche Lösungsansätze auf Grundlage der G-BA Richtlinie § 120 3b SGB V zur Diskussion stellen und in die Überlegungen zur besseren Entlastung der Notaufnahmen miteingehen. Des Weiteren soll durch das technisch unterstützte Weiterleitungsangebot die intersektorale Zusammenarbeit gestärkt und den medizinischen Bedürfnissen der Patient:innen nachgekommen werden.