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5. Mai 2020

Zi hat Frühindikator zum Management der COVID-19-Pandemie entwickelt

Zur morgigen Telefonschaltkonferenz von Bundeskanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidentinnen/Ministerpräsidenten der Länder und den danach zu erwartenden erweiterten Lockerungsbeschlüssen im Zuge der COVID-19-Pandemie erklärt der Vorstandsvorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Dr. Dominik von Stillfried:

„Um die notwendige Regelversorgung in der Medizin wieder sicherstellen zu können, muss der pauschale Lockdown durch ein epidemiologisches Monitoring der COVID-19-Pandemie abgelöst werden. Daraus können zielgerichtete Maßnahmen regionsbezogen abgeleitet werden, während die medizinischen Versorgung und das Wirtschaftsleben zu einem Normalzustand bei erhöhtem Hygienestandard zurückkehren können. Für eine solche Strategie braucht es klare, epidemiologisch fundierte Grenzwerte, die der Politik eine ruhige Hand beim Pandemie-Management und der Öffentlichkeit die Sicherheit geben, dass auf Warnsignale rechtzeitig reagiert wird, um eine eventuelle Überlastung des Gesundheitswesens auszuschließen, wenn die Neuinfektionen wieder ansteigen sollten.

Vor diesem Hintergrund hat das Zi jetzt eine Abschätzung von Interventionsgrenzen auf Basis der gemeldeten COVID-19-Fälle vorgenommen und einen täglich aktualisierbaren Frühindikator entwickelt. Der Frühindikator wird erst bei steigenden Neuinfektionen relevant und zeigt den Zeitraum, der bis zu einer potenziellen Überforderung des Gesundheitswesens besteht. Damit wird deutlich, dass nicht jeder Anstieg sofort kritisch zu bewerten ist. Die Entwicklung kann zunächst beobachtet werden. Ein tägliches Update des Indikators kann als Navigationshilfe dienen.

Auf Basis der aktuellen Fallzahlen ergibt sich, dass der Politik zwischen 90 und 150 Tage Zeit blieben, um mit angepassten Maßnahmen zur Vermeidung einer Überforderung des Gesundheitswesens zu reagieren, wenn die Reproduktionszahl heute zwischen R=1,2 und R=1,3 gelegen hätte. Tatsächlich liegt der vom Zi berechnete R-Wert heute bei 0,67. Aktuell hat sich der Pandemieverlauf in Deutschland bei einer niedrigen Zahl von Neuinfektionen stabilisiert. Stand heute berichtet das Robert-Koch-Institut von 21.929 akut infizierte Personen (Gesamtzahl der jemals Infizierten abzüglich Ausgeheilte und Verstorbene). Die Zahl der täglich neu Infizierten ist rückläufig. Der Höhepunkt des bisherigen Pandemieverlaufs ist somit deutlich überschritten.“

Zi-Papier „Effektive Vorwarnzeit – ein Frühindikator für ein Management des Pandemiegeschehens in der COVID-19-Krise“

 

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