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12. Februar 2021

Keine Nachholeffekte bei ambulanten Behandlungsfällen im dritten Quartal 2020 nach deutlichem Rückgang in der ersten Pandemiewelle

Zi veröffentlicht aktuelle Zahlen zur vertragsärztlichen Versorgung von Januar bis September 2020

Nach dem deutlichen Einbruch der Behandlungsfallzahlen mit dem Beginn der ersten Corona-Pandemiewelle im März 2020 hat sich die Inanspruchnahme vertragsärztlicher und vertragspsychotherapeutischer Leistungen erst gegen Ende Mai allmählich wieder erholt. Im Juni deuteten sich Nachholeffekte an. Auswertungen der Frühinformation zum dritten Quartal zeigen nun, dass substanzielle Nachholeffekte, die die Verluste aus der ersten Jahreshälfte hätten kompensieren können, nicht zu erkennen sind. Während die Gesamtfallzahlen der in den Praxen behandelten Patienten im Zeitraum in der ersten Pandemiewelle vom 1. bis 28. April und vom 29. April bis 26. Mai 2020 um 23 bzw. 15 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums lagen, blieben die Werte im dritten Quartal im Mittel noch immer um 0,3 Prozent unter den Vergleichszahlen von 2019. Die stärksten Rückgänge sind dabei für Fälle mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt in der kinderärztlichen und fachärztlichen Versorgung zu verzeichnen. Hier war der Einbruch mit 34 bzw. 26 Prozent im Zeitraum vom 1. bis 28. April 2020 im Vergleich zum Vorjahr besonders deutlich. Vom 26. August bis 30. September 2020 liegt die Gesamtfallzahl mit 0,6 bzw. 1,5 Prozent nur unwesentlich über den Werten des Vorjahreszeitraums. Im gleichen Zeitraum nahmen die hausärztlich betreuten Fälle lediglich um 0,3 Prozent zu, die psychotherapeutischen Fälle sogar um 0,8 Prozent ab.

Ermutigend seien hingegen die sprunghaft gestiegenen Impfzahlen in den vertragsärztlichen Praxen, so der Vorstandsvorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Dr. Dominik von Stillfried: „Der deutliche Anstieg von Behandlungsfällen mit Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken im März 2020 zeigt, dass die Vertragsärztinnen und -ärzte schnell auf die krisenhafte Situation reagiert und die Empfehlungen zum Schutz der Patienten zügig umgesetzt haben. So sind in den ersten drei Quartalen 3,5 Millionen Pneumokokken- und Influenza-Impfungen mehr vorgenommen worden als im Vorjahreszeitraum. Davon waren allein im September 1,8 Millionen zusätzliche Influenza-Impfungen. Das entspricht einem Plus von 165 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Zahlen zeigen eines sehr deutlich: Die niedergelassene Ärzteschaft steht bereit, die Bevölkerung in Deutschland sicher, schnell und flächendeckend gegen das COVID-19-Virus zu impfen, sobald Bund und Länder die dafür notwendigen Voraussetzungen geschaffen haben.“

Das sind die zentralen Ergebnisse des heute veröffentlichten Zi-Trendreports zur Entwicklung der vertragsärztlichen Leistungen von Januar bis September 2020. Der Bericht basiert auf den Frühinformationen aus den ärztlichen Abrechnungsdaten von 15 bzw. 16 der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen für die ersten drei Quartale 2020 sowie aggregierten Informationen aus den Abrechnungsdaten 2019. Er knüpft an die Ergebnisse des zweiten Zi-Trendreports zum 1. Halbjahr 2020 an.

„Die COVID-19-Pandemie hat tiefe Spuren in der vertragsärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung hinterlassen. Die vor allem im zweiten Quartal eingebrochene Nachfrage nach vertragsärztlichen Leistungen hat sich zwar weitgehend normalisiert, Nachholeffekte im dritten Quartal 2020 sind allerdings weitgehend ausgeblieben. Das gilt vor allem für die besonders sensible Versorgungsschnittstelle der Präventionsleistungen. Vorsorgeuntersuchungen wie Hautkrebs- oder Mammographie-Screening sind von März bis Mai um bis zu 97 Prozent eingebrochen. Viele Patientinnen und Patienten sind bislang noch nicht wieder in die ambulante Versorgung zur Früherkennung von potenziell ernsthaften Erkrankungen zurückgekehrt. Gleiches gilt für diejenigen mit chronischen Krankheiten, wie etwa in der onkologischen Versorgung oder bei den Disease-Management-Programmen (DMP)“, sagte von Stillfried.

Im Zeitraum vom 1. Februar bis 30. September 2020 gab es insgesamt rund 9,4 Millionen Behandlungsanlässe wegen des klinischen Verdachts oder des Nachweises einer SARS-CoV-2-Infektion. Dabei sind in dieser Zeit rund 4,5 Millionen PCR-Tests auf SARS-CoV-2 vertragsärztlich abgerechnet worden. Vom 15. Juni bis 30. September 2020 gingen über 37.000 Behandlungsanlässe auf eine Warnung durch die Corona-Warn-App zurück. Bei rund 70 Prozent dieser Behandlungsanlässe wurde im Anschluss daran ein PCR-Test vorgenommen.

Während die Zahl an Behandlungsfällen mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt bis Ende Mai gegenüber dem Vorjahr gesunken ist, sind die Fälle mit telefonischer Beratung und Kontakte per Videosprechstunde ab März 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich angestiegen. So sind im Zeitraum vom 4. März bis zum 30. September 2020 insgesamt 4,5 Millionen ausschließlich telefonische Beratungen (ohne direkten Arzt-Patienten-Kontakt) abgerechnet worden. Das sind fast 2 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum. Hinzu kamen im zweiten Quartal weitere 450.000 Stunden für telefonische Beratung, die über die im zweiten Quartal 2020 zeitweise in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) eingeführten Zuschläge vergütet wurden. Bei den Videosprechstunden setzt sich der Anfang März 2020 beginnende Zuwachs an Behandlungsfällen im Verlauf von April bis September weiter fort. So sind im Zeitraum vom 4. März bis zum 30. September 2020 insgesamt fast 1,7 Millionen Videosprechstunden vorgenommen worden. Im Vorjahreszeitraum lag diese Zahl bei wenigen tausend. Die Häufigkeit der telefonischen Beratung und der Videosprechstunde folgt dem Pandemieverlauf und nimmt im zweiten Quartal wieder ab. Bei den Videosprechstunden steigen die Fallzahlen dann ab September erneut an.

Die Entwicklung der Psychotherapie-Fallzahlen stellt sich erwartungsgemäß bei den Einzeltherapien anders dar als bei den Gruppentherapien. Während bei den Einzeltherapien der stärkste Rückgang in der Woche vom 18. März bis 24. März zu beobachten ist und sich die Fallzahlen bereits ab Ende Mai wieder dem Vorjahreswert annähern, brechen die Fallzahlen bei den Gruppentherapien bis Ende April zunehmend ein (-60 Prozent in den ersten vier Aprilwochen) und erreichen erst Ende Juli wieder das Vorjahresniveau.

3. Trendreport (1. bis 3. Quartal 2020)

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