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Grafik des Monats

Druckfähige Versionen aller Grafiken stellen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Bei Interesse und allen weiteren Fragen zur Grafik des Monats wenden Sie sich gerne an unseren Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Robert Deg.

Juni 2018: Gleiche Arbeit, anderer Preis: Vergütungsunterschiede bei ambulanter und stationärer Versorgung

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat das IGES-Institut mit einem Gutachten beauftragt, in dem exemplarisch die Vergütungsunterschiede anhand von vier Behandlungsanlässen gegenübergestellt werden, deren Versorgung sowohl ambulant als auch stationär erfolgen kann. Ergebnis: Durch eine kurzzeitige stationäre Aufnahme erhalten die Krankenhäuser eine deutlich höhere Vergütung für eine ambulant durchführbare Leistung. 

„Das IGES-Gutachten zeigt in konkreten Euro-Beträgen, wie groß die Unterschiede tatsächlich sind und führt damit eindrucksvoll vor Augen, wo echte Wirtschaftlichkeitspotentiale im Gesundheitswesen liegen“, erklärt Dr. Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Zi. „Vor diesem Hintergrund sprechen wir uns für eine ortsunabhängige Gebührenordnung für alle ambulant durchführbaren Leistungen aus. Diese sollten nach gleichen Kriterien vergütet werden, unabhängig davon, ob die Behandlung in der Arztpraxis oder im Krankenhaus erfolgt“, so von Stillfried weiter. Hierfür müssten die diagnosebezogenen Pauschalen, nach denen die stationäre Behandlung vergütet wird, um die ambulant durchführbaren Leistungen bereinigt werden. 

Anstoß für das Gutachten war eine Passage im aktuellen Koalitionsvertrag, wonach eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe eingerichtet wird, um die Rahmenbedingungen für die sektoren-übergreifende Versorgung zu verbessern. In diesem Zusammenhang sollen auch Fragen zur Honorierung angesprochen werden.

In dem IGES-Gutachten wurde die Vergütung in der Versorgung von Diabetes mellitus, nicht schwere kardiale Arrhythmien, Schlafapnoe/Polysomnographie und gastroenterologische Erkrankungen verglichen.

Eine ambulante Diabetes mellitus-Behandlung wird mit 139 Euro vergütet. Hierbei sind in der Regel einmalige Kosten für Patientenschulungen von etwa 100 Euro, die im Rahmen eines Disease-Management-Programms abgerechnet werden können, nicht enthalten. Die Diabetes-Behandlung im Krankenhaus kostet am ersten Tag 520 Euro und somit um das 3,8fache mehr. Werden Diabetes-Patienten einen weiteren Tag im Krankenhaus behandelt, schlägt das laut Gutachten mit 2.299 Euro zu Buche und übertrifft damit die ambulante Behandlung um das 16,6fache.

Die Behandlung von nicht schweren kardialen Arrhythmien werden bei ambulanter Behandlung mit 289 Euro vergütet. Der erste Behandlungstag im Krankenhaus kostet hingegen 646 Euro und somit das 2,2fache mehr und für einen zweiten Behandlungstag fallen 1.529 Euro an, dies entspricht dem 5,3fachen der ambulanten Vergütung.

Ähnlich sieht es bei der Schlafapnoe/Polysomnographie und den gastroenterologischen Erkrankungen aus, die schon am ersten Behandlungstag im Krankenhaus um das 1,3fache (Schlaf) bzw. 1,1fache (Gastro) teurer sind wie eine ambulante Behandlung. Bezieht man einen zweiten Behandlungstag im Krankenhaus in die Betrachtung mit ein, wachsen die Vergütungsunterschiede bei der Schlafapnoe um das 2,3fache und bei den gastroenterologischen Erkrankungen um das 2,8fache an.

Bildunterschrift
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi): Vergütungsunterschiede ambulant zu stationär 2018.

Mai 2018: Ausgabenbegrenzung trifft Ärzte vor allem bei der Behandlung von multimorbiden Versicherten

Wie verteilen sich die Ausgaben für die ambulante ärztliche Versorgung auf die gesetzlich Versicherten? Dieser Frage ist das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) in einer Auswertung von ärztlichen Abrechnungsdaten des Jahres 2015 nachgegangen. Es wurde hierfür nur die sogenannte morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) herangezogen, die einen wesentlichen Teil der ärztlichen Vergütung ausmacht, aber in ihrer Höhe gesetzlich begrenzt ist. Alle gesetzlich Versicherten (73 Mio.) wurden in zehn gleich große Gruppen (Dezile) aufgeteilt, so dass in jeder Gruppe zehn Prozent (7,3 Mio.) aller gesetzlich versicherten Personen vertreten sind. Insgesamt betrugen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für die vertragsärztliche Versorgung im Jahr 2015 etwa 35,6 Milliarden Euro, davon entfielen rund 24 Milliarden Euro auf die MGV. Das Zehntel der Versicherten mit dem geringsten Versorgungsaufwand beanspruchte 0,1 Prozent der MGV, das Zehntel mit dem höchsten Versorgungsaufwand verbrauchte 34,8 Prozent (rund 8,4 Milliarden Euro).

Aufgrund der gesetzlichen Ausgabenbegrenzung (Budgetierung) erhalten die Vertragsärzte und Psychotherapeuten allerdings nicht den vollen Gegenwert ihrer Arbeit erstattet. Über alle Fachgebiete hinweg werden etwa 10 Prozent der durchgeführten ärztlichen Leistungen nicht ausbezahlt, wobei es erhebliche Unterschiede je nach Fachgebiet und Region gibt. Für das Zehntel der Patienten, für die die meisten Leistungen durchgeführt wurden, mussten die Vertragsärzte mit knapp 1 Milliarde Euro auch absolut die höchsten Abzüge hinnehmen. Damit trifft die gesetzliche Ausgabenbegrenzung insbesondere die Vertragsärzte, wenn sie Patienten behandeln, die aufgrund von Mehrfacherkrankungen (Multimorbidität) häufig auf ärztliche Hilfe angewiesen sind. In der privaten Krankenversicherung existiert eine gesetzliche Ausgabenbegrenzung nicht.

Die Auswertung erfolgte im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Die KBV setzt sich für eine Aufhebung der Ausgabenbegrenzung insbesondere für die ärztlichen Grundleistungen ein.

Bildunterschrift

Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi): Ambulante ärztliche Versorgung - Verteilung der morbiditätsorientierten Vergütung (MGV) auf die gesetzlich Versicherten im Jahr 2015.

März 2018: Ausgaben für Arzneimittel gegen Hepatitis C

Bei der Behandlung von Hepatitis C wurden in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Die Schlüsselsubstanz Sofosbuvir der neuen Therapie-Ära, eingesetzt bei allen Hepatitis C-Virus-Genotypen, wurde unter dem Handelsnamen Sovaldi im Februar 2014 in Deutschland auf den Markt gebracht. Wegen des hohen Verkaufspreises auch als „1.000-$-Pille“ bekannt geworden, gilt Sovaldi als die ökonomisch erfolgreichste Arzneimittel-Einführung aller Zeiten. Kurz danach kamen weitere Arzneimittel auf den Markt, die therapieergänzend oder mit anderen Wirkstoffen ebenfalls in der Behandlung eingesetzt werden.

Anfang 2014 stiegen die Verordnungszahlen in Deutschland sehr schnell an. Im Jahr 2015 nahmen insgesamt knapp 22.000 Patienten Medikamente gegen Hepatitis C und nur in diesem einen Jahr wurden knapp 1,4 Milliarden Euro Bruttoverordnungskosten ausgelöst. Der höchste Stand der Verordnungen wurde im 1. Quartal 2015 erreicht. Danach gingen die Verordnungszahlen zurück, weil immer mehr Patienten dauerhaft geheilt werden konnten. Im 4. Quartal 2017 lagen die Bruttoverordnungskosten nur noch bei rund 126 Mio. Euro.

Hepatitis C ist weltweit eine der führenden Ursachen der Leberzirrhose. Die Krankheit verläuft je nach Patient sehr unterschiedlich. Die akute Infektion bleibt wegen der fehlenden oder nur leichten grippeähnlichen Symptomatik oft unbemerkt und heilt bei etwa einem Viertel der Betroffenen in wenigen Monaten von selbst aus. Bei 60 bis 85 Prozent der Patienten entwickelt sich eine chronische Hepatitis C, die meist über Jahre unbemerkt verläuft und trotzdem fortschreiten kann. Die Zeitdauer von der Infektion bis zur Entwicklung einer Leberzirrhose kann zwischen 10 und 50 Jahre betragen.

Bildunterschrift
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi): Ausgabenentwicklung für Medikamente gegen Hepatitis C von Ende 2013 (I) – 2017 (IV).

Weitere Informationen
Die Grafik des Monats März bezieht sich auf den Rx-Trendbericht des Zi. Vertiefende Informationen zu den Hepatitis C-Verordnungen finden Sie dort ab 9. April 2018 unter: https://www.zi.de/cms/projekte/rx-trendbericht/thema-im-fokus/

  

Februar 2018: Unterschiedliche gesetzliche Rahmenbedingungen führen zu deutlichen Preisunterschieden im Krankenhausbereich und bei Vertragsärzten

Die jährliche Anpassung der Preiskomponente verläuft bei den Vertragsärzten und im Krankenhausbereich seit Jahren sehr unterschiedlich. Im Zeitraum 2013 bis 2018 stieg die Preiskomponente im Krankenhausbereich insgesamt um 15,8 Prozent, während die Vertragsärzte im gleichen Zeitraum lediglich 7,3 Prozent mehr erhielten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi).

Pro Jahr betrug die Differenz jeweils zwischen 1,1 bis 1,8 Prozent, so dass den Vertragsärzten im gesamten Zeitraum von 2013 bis 2018 8,5 Prozent weniger zugestanden wurde. Die Preisfestlegung für Krankenhausleistungen war in den sechs Jahren folglich mehr als doppelt so hoch wie für vertragsärztliche Leistungen. 

Der Grund für die unterschiedliche Entwicklung liegt in den gesetzlichen Vorgaben: Nach § 10 Abs. 6 Krankenhausentgeltgesetz (KHEntgG) richtet sich die jährliche Veränderungsrate für den Basisfallwert grundsätzlich nach dem Anstieg der Kosten. Steigen die beitragspflichtigen Löhne und Gehälter der Versicherten stärker als die Kosten, wird diese höhere Rate an die Krankenhäuser weitergegeben (Meistbegünstigungsklausel).  

Auch für die Leistungen der niedergelassenen Ärzte wird jährlich ein Punktwert festgelegt. Dieser muss aber mit den Krankenkassen ausgehandelt werden. Zwar soll die Entwicklung der Praxiskosten berücksichtigt werden, Abschläge für sogenannte Wirtschaftlichkeitsreserven sind aber auch möglich. Es fehlt eine entsprechende Regelung wie im Krankenhausentgeltgesetz, durch die sichergestellt würde, dass die Krankenkassen Erträge in wirtschaftlich guten Zeiten auch an die Praxen weitergeben.   

Durch die Meistbegünstigungsklausel sollen insbesondere die Personalkosten in den Krankenhäusern finanziert werden. Die Personalkosten machen etwa 66 Prozent aller Kosten eines Krankenhauses aus. Dabei stieg der Basisfallwert für die Krankenhäuser deutlich stärker als der Nominallohnindex des Statistischen Bundesamts, so dass im Vergleich zur allgemeinen Lohnentwicklung mehr Geld in die Krankenhäuser floss. 

In den Arztpraxen liegt der Personalkostenanteil mit etwa 75 Prozent deutlich höher als in den Krankenhäusern. Die Entwicklung des Orientierungswerts blieb aber ein Drittel hinter der allgemeinen Nominallohnentwicklung zurück. „Im Ergebnis führt dies dazu, dass Arztpraxen immer weniger Wert werden. Im Vergleich zu den Krankenhäusern ist das eine einseitige und nicht nachvollziehbare Benachteiligung der Vertragsärzte. Wer die Niederlassung fördern will, muss hier ansetzen“, erklärt Dr. Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Zi.

Hinweis
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi): Entwicklung der Preiskomponente der Jahre 2013 - 2018.

  

Januar 2018: Von ‚Budgetferien‘ keine Spur – Analyse der Arzneimittelverordnungen widerlegt Schlussfolgerungen anderer Studien  

Niedergelassene Vertragsärzte stehen immer wieder in der Kritik, zum Quartalsende hin weniger für ihre Patienten da zu sein. Diese Schlussfolgerung wurde auch jüngst in einer Hamburger Studie gezogen, die Häufigkeiten abgerechneter Leistungen zu Quartalsbeginn und Ende verglich. Aufgrund von Besonderheiten der Gebührenordnung lassen sich viele Leistungen kaum taggenau zuordnen. Somit kommen die Hamburger Forscher zu falschen Ergebnissen. Zu diesem Schluss kommt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) nach einer Auswertung von über 677 Mio. Arzneimittelverordnungen des Jahres 2015 für die gesetzlich Versicherten. Für jede Verordnung liegt ein taggenaues Verordnungsdatum vor. Das Zi untersuchte die Verordnungen im Jahresverlauf. Patienten die Arzneimittel benötigten, bekamen jeweils innerhalb eines Monats durchschnittlich etwa 1,7 Arzneimittel verordnet. Die Verordnungen, und damit auch die Arztkontakte, sanken in den ersten drei Quartalen jeweils in den mittleren Monaten des jeweiligen Quartals (Februar, Mai und August) ab und stiegen zum Quartalsende (März, Juni und September) wieder an. Nur im vierten Quartal fallen die Verordnungen zum Jahresende hin leicht ab.  

Die Zi-Auswertung ist ein Hinweis darauf, dass das Quartalsende nicht die Bereitschaft der Ärzte dämpft, sich um ihre Patienten zu kümmern. Laut Zi sind die Gründe für diese Wellenbewegungen eher saisonal begründet und im Zusammenhang mit den jeweiligen Feiertagen und Ferienzeiten zu sehen, in denen weniger Patienten die Arztpraxen aufsuchen. Eine ausführliche Publikation ist in Vorbereitung.


Hinweis
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi): Entwicklung der Arzneimittelverordnungen in Deutschland im Jahr 2015. 

  

Dezember 2017: Erstmals Abwärtstrend bei Magenschutzmitteln (PPI) – Rx-Trendbericht des Zi

Laut Auswertungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zeichnet sich ein Abwärtstrend bei den Verordnungen für Protonenpumpeninhibitoren (PPI) ab, die umgangssprachlich auch Magenschutzmittel oder Säureblocker genannt werden. In den letzten zehn Jahren stiegen die Verordnungen fast linear an. Im 1. Halbjahr 2007 wurden 676 Mio. Tagesdosen verordnet bis hin zu rund 1,94 Mrd. Tagesdosen im 2. Halbjahr 2016. Seit 2017 scheint sich dieser Trend umzukehren und es werden erstmals weniger PPI verordnet. Im ersten Halbjahr 2017 sanken die verordneten Tagesdosen um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und ein erster Blick auf die Daten der folgenden Monate im Jahr 2017 lässt vermuten, dass der Abwärtstrend anhalten wird.

In Fachkreisen wird die hohe Zahl der PPI-Verordnungen zunehmend kritisch gesehen. PPI unterdrücken die Bildung von Magensäure in den Belegzellen des Magens durch Hemmung der sog. Protonenpumpe. Sie werden unter anderem zur Behandlung der Refluxkrankheit oder von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren eingesetzt.

Unbestritten ist, dass indikationsgerecht eingesetzte PPI für die Patienten von großem Nutzen sind. Es mehren sich aber insbesondere bei Langzeitgabe die Hinweise auf schwerwiegende Nebenwirkungen, wie etwa eine Erhöhung des Risikos für Frakturen, Clostridium-difficile-Infektion sowie die Entwicklung einer Niereninsuffizienz. Seit Kurzem wird auch über ein erhöhtes Mortalitätsrisiko bei Dauertherapie diskutiert.

Die Auswertungen von Abrechnungs- und Diagnosedaten des Zi zeigen, dass ein Teil der PPI-Verordnungen auf Patienten entfällt, die lediglich an einer Gastritis bzw. Dyspepsie leiden. Das Zi empfiehlt bei diesen Indikationen, den Einsatz von PPI wegen der schwachen Evidenz besonders kritisch zu prüfen.

Hinweis
Weitere Informationen zum Rx-Trendbericht und den PPI-Verordnungen finden Sie unter www.zi.de/cms/projekte/rx-trendbericht/thema-im-fokus

  

November 2017: Entwicklung 2009 - 2015 bei rheumatoider Arthritis: Rund 140.000 Patienten mehr in Behandlung

Im Zeitraum 2009 bis 2015 ist die Zahl von gesetzlich krankenversicherten Patienten, die wegen einer rheumatoiden Arthritis (RA) in vertragsärztlicher Behandlung waren, um rund 140.000 Patienten gestiegen. Waren im Jahr 2009 noch rund 526.000 in Behandlung, stieg die Zahl 2015 auf über 666.000 Patienten an. Dies entspricht einer Zunahme von 24 Prozent innerhalb von sechs Jahren. Frauen sind rund 2,5-fach häufiger von RA betroffen als Männer.

Weitere Informationen zur Erkrankungshäufigkeit, den jährlichen Neuerkrankungen sowie der regionalen Verteilung von RA in Deutschland finden Sie in der  Auswertung des Versorgungsatlas.

  

Oktober 2017: In Deutschland nehmen die Diagnosen für Krätze zu

Seit 2012 steigen in Deutschland die Diagnosen und Verordnungen von Arzneimitteln bei der Krätze (Scabies). Der starke Anstieg der Verordnungen ab dem Jahr 2016 ist unter anderem auf das in 2016 neu gegen Krätze zugelassene Scabioral zurückzuführen. Scabioral ist verschreibungspflichtig und wird von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Durch die orale Gabe ist es einfacher in der Anwendung als Mittel gegen Krätze in Form von Cremes. Im zweiten Quartal 2017 entfielen rund 25 Prozent der Verordnungen  auf dieses Präparat.

In der Grafik sind nur die Daten abgebildet, bei denen von einem niedergelassenen Arzt die gesicherte Akutdiagnose Krätze gestellt bzw. die Arzneikosten der Verordnung von einer gesetzlichen Krankenkasse übernommen wurden. Die verfügbaren Diagnosedaten liegen derzeit lediglich bis zum Jahr 2015 vor, die aktuellen Verordnungsdaten reichen bis zur Mitte des Jahres 2017.

Die dargestellten Verordnungen in der Grafik entsprechen nicht der gesamten in Deutschland abgegebenen Menge der Mittel gegen Krätze, da es auch rezeptfrei erhältliche Mittel gibt (Antiscabiosum). Ein Arzt stellt zwar in der Regel die Diagnose Krätze, aber gemäß Arzneimittel-Richtlinie muss hier zunächst auf das rezeptfreie Mittel verwiesen werden, das der Patient selbst zahlt. Auch die Zahl der tatsächlichen Diagnosen dürfte höher sein. Die denkbaren Gründe hierfür sind, dass möglicherweise trotz vorliegender Erkrankung nur ein „Verdacht auf“ von den Ärzten kodiert wurde oder auf Grund der schambesetzten Diagnose auf eine Kodierung verzichtet wurde.

Die im Verhältnis zur Diagnose höhere Anzahl der Verordnungen erklärt sich unter anderem daraus, dass die Kodierung der Diagnose nicht zwingend für die Ausstellung der Verordnung erforderlich ist. Hinzu kommt, dass in manchen Fällen eine weitere Verordnung angezeigt ist, wenn die Behandlung nicht auf Anhieb angeschlagen hat.

Bei der Krätze handelt es sich um eine Hauterkrankung, die durch die Krätzmilbe verursacht wird. Die Krätzmilbe bohrt sich in die oberen Hautschichten der Betroffenen und legt dort ihre Eier ab. Dies führt unter anderem zu dem krätze-typischen Juckreiz. Übertragen wird die Krätze vor allem durch direkten Hautkontakt.

 

 

September 2017: Künftige Kodierung von Krankheiten um Vielfaches komplexer

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) plant, im Jahr 2018 die ICD-11 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme – Revision 11) zu verabschieden. In Deutschland wurden erste Betatests Ende August 2017 abgeschlossen, die Auswertungen hierzu laufen derzeit.

Einen konkreten Termin für die Einführung in Deutschland gibt es bisher nicht. Ebenso ist noch offen, wie die deutsche ICD-11-Version im Einzelnen aussehen wird. Die Überarbeitung wird jedoch Zeit in Anspruch nehmen, so dass offen bleibt, wann die ICD-11 in der Versorgungsrealität ankommen wird.
Im direkten Vergleich zu der in Deutschland aktuell geltenden ICD-10-GM 2017, weist die Betaversion der ICD-11 in den vergleichbaren Kapiteln eine Zunahme von endständigen Kodes um fast 30 Prozent auf.

Neben dem größeren Umfang wird die ICD-11 auch über ein neues Kapitel mit rund 13.000 Zusatzkodes sowie neue Möglichkeiten der Kodekombination verfügen, durch die die Komplexität der Kodierung deutlich erhöht wird. Experten gehen aus, dass die Praxis der Kodierung künftig durch Computer erfolgen muss. Text- und Spracherkennungsprogramme etwa könnten Kodes aus einer digitalen Falldokumentation generieren.

Grafik: Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Zu- und Abnahme der Anzahl von Kodes der ICD-11-Betaversion im Vergleich zu der aktuell geltenden ICD-10 (deutsche Version). Dargestellt sind vergleichbare Kapitel. Stand September 2017.

 

 

August 2017: In 6 Jahren: 14 Prozent mehr Diabetiker (Diabetes Typ 2)

Im Jahr 2009 wurden über 6,1 Mio. gesetzlich versicherte Patienten wegen Diabetes mellitus Typ 2 behandelt. 2015 waren es bereits knapp 7 Mio. Patienten, dies entspricht einem Anstieg von etwa 14 Prozent innerhalb von sechs Jahren. 

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) stellte anhand ärztlicher Abrechnungsdaten von gesetzlich versicherten Patienten einen Vergleich der Diagnosedaten bei Diabetes mellitus Typ 2 der Jahre 2009 und 2015 auf. In der Auswertung fehlen die privat versicherten Patienten, die etwa 10 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen.

Bei den jüngeren Altersgruppen zeigte sich, dass die Erkrankungsraten der Jahre 2009 und 2015 noch recht nah beieinander liegen. In der Altersgruppe der 20-25jährigen ist die Erkrankungshäufigkeit für Diabetes nahezu unverändert und liegt bei lediglich 0,5 Prozent. Bei den 35-40jährigen sind es etwas weniger als 2 Prozent der Bevölkerung, wobei Männer bei etwa 2 Prozent liegen und Frauen bei 1,5 Prozent.

Ab dem Alter von 40 Jahren nimmt das Diabetes-Risiko von Jahr zu Jahr deutlich zu, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen. In der Gruppe der 60-65jährigen war im Jahr 2015 mehr als jeder fünfte (21,8 Prozent) Mann Diabetiker, bei den Frauen lag der Anteil in dieser Altersgruppe bei 14,7 Prozent. 

In allen Altersgruppen ab 40+ liegen die Diabeteshäufigkeiten im Jahr 2015 über dem Niveau des Jahres 2009. Am deutlichsten zeigt sich dieser Trend bei den 80-85jährigen. Im Jahr 2015 waren rund 35 Prozent der Männer betroffen, 2009 waren es nur 30 Prozent. Bei den Frauen waren es 2009 rund 28 Prozent und im Jahr 2015 bereits 32 Prozent.

Ab einem Alter von 85+ Jahren nehmen die Diabeteserkrankungen wieder ab. Grund hierfür ist, dass in der Regel nur besonders gesunde Menschen ein hohes Alter erreichen, die eine insgesamt geringere Krankheitslast aufweisen.

Weitere Informationen

Bericht des Zi im Versorgungsatlas: Administrative Prävalenzen und Inzidenzen des Diabetes mellitus von 2009 bis 2015

 

Juli 2017: Entwicklung der PPI und deren Marktverteilung

Protonenpumpeninhibitoren (PPI) werden immer häufiger verordnet. Im Vergleich zu 2007 stieg die Anzahl der abgegebenen definierten Tagesdosen (DDD) von 1.426 Mio. DDD um 171 Prozent auf 3.858 Mio. DDD im Jahr 2016. Gleichzeitig sind die Kosten – bedingt durch Festbetragsregelungen und generische Wirkstoffe – im Vergleich der Jahre 2007 und 2016 um 26 Prozent auf 742 Mio. Euro gesunken.

Protonenpumpeninhibitoren (PPI) sind Arzneimittel, die die Freisetzung von Magensäure reduzieren. Umgangssprachlich wird diese Arzneimittelgruppe oft als (Magen-)Säureblocker bezeichnet.

PPI leisten einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Operationen auf Grund von (wiederkehrenden) Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren. Ihr Einsatz führt zu einem veränderten pH-Wert im Mageninneren, welcher die Abheilung von Geschwüren (Ulcera) begünstigt. Zusätzlich werden PPI im Rahmen der Helicobacter pylori Eradikation und zur Behandlung der Refluxkrankheit eingesetzt. Auch in Verbindung mit der Gabe von nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie ASS oder Ibuprofen kommen PPIs zur Vermeidung von gastrointestinalen Blutungen zum Einsatz. Obwohl Protonenpumpeninhibitoren allgemein gut verträglich sind, sind auch sie nicht frei von Nebenwirkungen. So haben Patienten unter PPI-Therapie ein erhöhtes Risiko für Clostridium-difficile-Infektion. Der Einsatz sollte daher stets individuell hinsichtlich Nutzen und Risiko abgewogen werden.

Pantoprazol ist in Deutschland mit 73 Prozent Marktführer bei PPI, gefolgt von Omeprazol mit 23 Prozent. Die weiteren Wirkstoffe wie Lansoprazol, Rabeprazol oder Esomeprazol teilen sich die verbleibenden 6 Prozent Marktanteil.

Hinweis: Der vom Zi entwickelte Rx-Trendbericht zeigt aktuelle Entwicklungen aller Arzneimittelverordnungen in Deutschland, die über die gesetzlichen Krankenversicherungen abgerechnet werden. Hierfür werden die Arzneimittelverordnungsdaten der Vertragsärzte aller Kassenärztlichen Vereinigungen analysiert.

 

 

April 2017: Demenz-Patienten werden häufiger ambulant betreut

Zwischen 2009 und 2014 ist die Zahl der gesetzlich versicherten Patienten mit Demenz, die ambulant ärztlich betreut werden, von 1,1 Millionen auf 1,45 Millionen gestiegen. Im Jahr 2009 lebten davon rund 360.000 Patienten in Pflegeeinrichtungen, 2015 rund 429.000.

 

 

März 2017: Antibiotikaverordnungen bei Atemwegsinfektionen

Kratzt der Hals und läuft die Nase, suchen viele Menschen Hilfe beim Arzt – ein richtiger Schritt: Denn die Experten in der Praxis sind es, die mit ihrem Fachwissen über eine geeignete Therapie entscheiden können. Häufig benötigen Patienten zum Beispiel gar kein Antibiotikum, da viele Atemwegsinfektionen durch Viren verursacht werden,  gegen die ein Antibiotikum nicht wirkt. Doch auch bei einer bakteriellen Infektion brauchen ansonsten gesunde Menschen nicht unbedingt ein Antibiotikum. Hier muss der Arzt gemeinsam mit dem Patienten abwägen – schließlich birgt der unnötige Einsatz die Gefahr, dass Bakterien resistent gegen die gängigen Antibiotika werden und diese ihre Wirksamkeit verlieren. Eine Untersuchung des Zi zeigt, dass niedergelassene Ärzte dementsprechend zurückhaltender beim Verordnen entsprechender Medikamente geworden sind: Insbesondere bei Infektionen der oberen Atemwege lässt sich im Zeitraum 2010 bis 2014 ein deutlicher Rückgang beobachten.

Bundesweite Projekte wie „RESIST“ zielen darauf ab, den Antibiotika-Einsatz auf notwendige Fälle zu beschränken; sie unterstützen außerdem, dass diese wichtigen Arzneimittel auch in Zukunft wirksam bleiben. Das Zi ist an „RESISTENZvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei Atemwegserkrankungen“ (RESIST) beteiligt.

 

 

Februar 2017: Grippeimpfschutz von Schwangeren

Lassen sich Schwangere gegen Grippe impfen, schützen sie nicht nur sich selbst vor der Erkrankung und etwaigen Komplikationen. Auch die Neugeborenen geimpfter Mütter leiden in den ersten Lebensmonaten seltener an schweren Atemwegsinfektionen. Daher wird auch in Deutschland seit 2010 offiziell empfohlen, dass sich schwangere Frauen gegen Grippe impfen lassen. Die Bereitschaft dazu ist allerdings regional stark unterschiedlich ausgeprägt, wie unsere Grafik zeigt: Während sich Schwangere in Sachsen-Anhalt am bereitwilligsten impfen lassen, sieht das in mancher südlichen Gegend ganz anders aus. Ausführliche Untersuchungsergebnisse erscheinen im März 2017 im Zi-Versorgungsatlas.

 

 

Januar 2017: Selbständige Ärzte arbeiten mehr als angestellte Ärzte

Selbstständige Ärzte erbringen mehr Versorgungsleistungen als angestellte Ärzte. Das zeigt eine Analyse der bundesweiten Abrechnungsdaten des Jahres 2015 für Ärzte mit gleichem Zulassungsumfang. Für die Auswertung hat das Zi die im Einheitlichen Bewertungsmaßstab hinterlegten Prüf- und Kalkulationszeiten genutzt. Mit mehr als 70 % ist der Unterschied bei Kinderärzten am größten und mit gut 10 % bei den Psychotherapeuten am geringsten. Die Landesausschüsse berücksichtigen diese Unterschiede in der Regel nicht, wenn sie für Regionen eine Unter- bzw. Überversorgung feststellen.

 

 

November 2016: Zi-Kodierhilfe – Arbeitserleichterung für eine sach- und fachgerechte Kodierung der Behandlungsanlässe

Vertragsärzte können sich mit der Kodierhilfe des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) anhand kurzer Checklisten vergewissern, welcher Kodierschlüssel der richtige ist und sich so ihren Arbeitsalltag erheblich erleichtern. Das Zi bietet Checklisten für 11.500 der etwa 13.500 Kodes aus dem Systematischen Verzeichnis der ICD-10-GM 2016 an. In mehr als 70 Arbeitsgruppen wurden diese inhaltlich nach vorgegebenen Kriterien konsentiert. Bei mehr als der Hälfte der 22 Kapitel liegt der Anteil der bereits bearbeiteten Kodes über 95 Prozent. Die „Zi-Kodierhilfe“ steht online bereit (www.kodierhilfe.de). Da die Abrechnungsdaten zunehmend etwa für die Beurteilung einer wirtschaftlichen Verordnungsweise, für Honorarverhandlungen sowie für Fragen der Bedarfsplanung genutzt werden, gewinnt die Datenqualität an Bedeutung. Die Kodierhilfe hat nichts mit den derzeit erneut diskutierten Kodierrichtlinien zu tun. Letztere sind aus Sicht des Zi für die ambulante Versorgung nicht zu empfehlen. 

 

 

Oktober 2016: Mit dem Herbst startet die Grippesaison – Impfbereitschaft in Deutschland ausbaufähig

Die Tage werden windiger, feuchter und kälter, und mit dem Herbst kündigt sich auch die Grippesaison an. Schutz vor den aggressiven Viren bietet die jährliche Grippeimpfung. Doch obwohl sie für Menschen ab 60 Jahren und für Schwangere genauso wie Patienten mit bestimmten Erkrankungen empfohlen wird, ist die Impfbereitschaft jahrelang zurückgegangen. Dabei haben aktuelle Forschungen ergeben, dass Neugeborene im ersten Lebensjahr ein über 60 Prozent geringeres Risiko haben, selbst an Grippe zu erkranken – wenn sich die schwangere Mutter hat impfen lassen.

Was die Grafik auch zeigt: In den östlichen Bundesländern einschließlich Berlin scheuen die Menschen grundsätzlich seltener vor einer Impfung zurück als im ehemaligen Westdeutschland.

 

 

September 2016: Unsere Hausärzte – vielseitig und umfassend gefragt

Hausärzte sind die Allrounder unter den niedergelassenen Ärzten. Als erste Ansprechpartner für Patienten müssen sie über ein besonders breites Fachwissen verfügen, Krankheitsbilder rasch erkennen und klassifizieren können. Wie umfassend das Spektrum von Hausärzten ist, zeigt unsere Datenanalyse. Dafür hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) untersucht, wie Hausärzte abrechnen und welche Krankheitsbilder sie feststellen. Die vielen, kleinen Tortenstücke verdeutlichen die Vielfalt an so genannten Kodes, die Ärzte zur Klassifikation verwenden. Sie bedienen sich faktisch aus allen Kapiteln des Kodierungs-Katalogs – oder anders gesagt: Hausärzten ist keine Krankheit fremd.  

Die Kodierung der Hausärzte bedient sich aus allen 22 Kapiteln der ICD-10-GM. Jeder Kreissektor entspricht dem Anteil der verwendeten Kodes pro Kapitel. Die Abbildung beruht auf einer statistischen Analyse von etwa 2.800.000 Diagnosen-Einträge aus dem Zi-ADT-Panel zur Morbiditätsanalyse der Quartale 04/2014 bis 03/2015 aus den Regionen Brandenburg und Nordrhein.

August 2016: Wertverfall ärztlicher Leistungen

Während der Orientierungswert und damit die Preise ärztlicher und psychotherapeutischer Leistungen zwischen 2010 und 2015 um nur 3,6 Prozent angehoben wurden, sind der Nominallohnindex und die tariflichen Stundenverdienste aller Branchen in Deutschland um mehr als zwölf Prozent gestiegen. Der Bundesbasisfallwert als Preisindikator für Krankenhausleistungen hat im gleichen Zeitraum um mehr als zehn Prozent zugelegt. „Diese Entwicklung ist besorgniserregend“, sagt Dr. Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Sollten sich die Rahmenbedingungen für die Niederlassung von Ärzten langfristig verschlechtern, werde dies nach Ansicht von Stillfrieds den beginnenden Ärztemangel in der ambulanten Versorgung verschärfen.  

Quellen:
1 Statistisches Bundesamt (Verdienste und Arbeitskosten)
2 AOK Bundesverband (http://www.aok-gesundheitspartner.de/bund/krankenhaus/lbfw/bfw/index_09446.html)
3 https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/VerdiensteArbeitskosten/
ReallohnNetto/Reallohnindex.html

4 Beschlüsse des (Erweiterten) Bewertungsausschuss

  

Juli 2016: Wo gehen Patienten wegen Verdachts auf Borreliose besonders häufig zum Arzt?

Sommer ist Zeckenzeit. Eine der häufigsten durch Zecken übertragenen Krankheiten hierzulande ist die Lyme-Borreliose. Diese ist im Gegensatz zu Rückenschmerzen zwar ein seltener Behandlungsanlass, aber in einigen Regionen werden die Ärzte öfter damit befasst als andernorts. Der Süden und Südosten Deutschland ist überdurchschnittlich betroffen. Früh erkannt ist die Lyme-Borreliose sehr gut und folgenlos durch Antibiotika heilbar.

Vergleich: Erstmaliger Arztbesuch wegen Lyme-Borreliose und Rückenschmerzen je 10.000 GKV-Versicherte

  

Juni 2016: Mehr Ärzte braucht das Land!

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Die Deutschen werden in Zukunft mehr Zeit im Sprechzimmer verbringen – fast überall im Land. Weil die Bevölkerung altert, wird die Anforderung der Bevölkerung an die ärztliche Arbeitszeit zunehmen. Dies hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) im Rahmen des Projekts „Versorgungsatlas“ auf Basis verschiedener Datenquellen berechnet. Um die Auswirkungen des Alterns auf den Versorgungsbedarf darzustellen, entwickelten die Forscher einen eigenen Bedarfsindex, der auf der amtlichen Bevölkerungsvorausberechnung für die etwa 400 Kreise und kreisfreie Städte bis 2035 fußt. Am stärksten steigt die Inanspruchnahme von Ärzten demnach in den Regionen, in die Menschen verstärkt zuwandern – etwa im sogenannten Speckgürtel von München. In typischen Abwanderungsregionen, beispielsweise in ländlichen Gegenden und vor allem in den östlichen Bundesländern, sinkt der Index zwar unter den heutigen Stand, doch nicht in gleichem Umfang wie die erwartete Abwanderung. Denn es sind die Älteren, die eher bleiben – und sie sind häufiger und länger in der Praxis als Jüngere.

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