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21. Oktober 2016

Flächendeckende medizinische Versorgung braucht neue Berechnungsmodelle – Konsens zwischen Magdeburg und München

Die medizinische Versorgung besonders in ländlichen, häufig peripheren Regionen kann langfristig nur mit einer deutlichen Investition in die ambulante ärztliche Versorgung gesichert werden. „Wer die umfassende medizinische Versorgung aller Menschen gewährleisten will, egal wo sie in Deutschland leben, der muss auf die zunehmenden Strukturunterschiede zwischen Abwanderungs- und Zuwanderungsregionen reagieren“, sagt der Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Dr. Dominik von Stillfried. Bei einem Fachgespräch zwischen Wissenschaftlern, Ärztevertretern und Parlamentariern, zu dem der CDU-Bundestagsabgeordnete Tino Sorge eingeladen hatte, unterstrich der Abgeordnete, dass hier Nachjustierungsbedarf im bisherigen System bestehe.
 
„Wie dringlich der Bedarf nach tragfähigen Lösungsmodellen ist, zeigt sich auch daran, dass selbst so unterschiedlich aufgestellte Regionen wie Sachsen-Anhalt und Bayern an einem Strang ziehen. Die Ausgangslagen beider Länder verdeutlichen besonders anschaulich, dass starre einheitliche Vorgaben zur Finanzierung und Weiterentwicklung ärztlicher Leistungen ungeeignet sind“, sagte Sorge, der Mitglied im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages ist.

Darauf, „dass die Politik einen Rahmen schaffen müsse, in dem die Selbstverwaltung in den Regionen sachgerechte Antworten auf Herausforderungen geben und umsetzen kann“, wies Dr. Dominik von Stillfried hin. Die Instrumente der Bedarfsplanung und der Finanzierung der Versorgung müssten dringend überarbeitet werden, um angemessen auf die Besonderheiten der Versicherten- und Versorgungsstruktur in den Regionen reagieren zu können, forderten die Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigungen Bayerns und von Sachsen-Anhalt gemeinsam.  

„Nur wenn ein niedergelassener Arzt ähnlich attraktive Bedingungen erfährt wie sein Kollege im Krankenhaus, wird er den Beruf dauerhaft und mit Freude ausüben und den Versicherten die wachsenden Möglichkeiten der ambulanten Medizin bieten können. Auf dem Land müssen zudem besondere Fördermaßnahmen greifen, um gute ambulante Versorgungsstrukturen zu erhalten und weiter auszubauen“, fasste der Zi-Geschäftsführer den Handlungsbedarf zusammen.

Weitere Unterlagen:

  • Gemeinsame Stellungnahme der Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigungen Bayerns und Sachsen-Anhalt
  • Gutachten über regionale Besonderheiten der Versorgungsstruktur
  • Präsentation "Wie kann der Versorgungsbedarf bestimmt werden und welcher Handlungsbedarf ergibt sich daraus für eine effiziente Weiterentwicklung der Versorgung?" (Prof. Dr. Wille)
  • Präsentation "Handlungsbedarf zur Stärkung der vertragsärztlichen Versorgung" (Dr. von Stillfried)