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05. März 2012

Zi stellt Monitor der Arzneimittelverordnungen für multimorbide Menschen ab 65 Jahren vor

Unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten verhindern

Ab sofort stellt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) in Kooperation mit der PMV- Forschungsgruppe der  Universität Köln Kennzahlen zur Verordnung potenziell inadäquater Medikation (PIM) für ältere Menschen zur Verfügung.
 
„Ältere Menschen sind durch die meist vorhandene Multimorbidität und Multimedikation einem höheren Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) ausgesetzt“, erläuterte der Zi-Vorsitzende Dr. Andreas Köhler heute in Berlin. „Das Risiko unerwünschter Wirkungen kann durch die Auswahl bestimmter für die Behandlung im Alter ungeeigneter Arzneimittel noch erhöht werden.“

Grundlage der Auswertungen ist die sogenannte PRISCUS-Liste mit 83 Wirkstoffen, die für ältere Menschen eine Gefährdung darstellen. Das Zi berichtet im Rx-Trendbericht monatlich über die Entwicklung sämtlicher bundesweit zu Lasten der Krankenkassen erfolgten Arzneimittelverordnungen. Der Rx-Trendbericht enthält jetzt auch Auswertungen zu PIM (www.rx-trendbericht.de).

In der PRISCUS-Liste, die von einem Expertengremium aus Medizin und Pharmazie an der Universität Witten/Herdecke und am HELIOS Klinikum Wuppertal erarbeitet wurde, sind 83 solcher Wirkstoffe verzeichnet. Bei der Auswahl der Medikamente muss die veränderte Pharmakogenetik und –dynamik älterer Menschen berücksichtigt werden. Jede Verordnung hat jedoch einer auf den einzelnen Patienten bezogenen Nutzen-Risiko-Abwägung zu folgen. Die PRISCUS-Liste führt daher Therapie-Alternativen sowie zusätzliche Medikationsempfehlungen, Monitoring-Parameter und Dosierungsanpassungen auf, falls der PIM Gebrauch unvermeidbar ist.

Von Januar bis November 2011 wurden in Deutschland 8,7 Mio. Packungen der PRISCUS-Wirkstoffe an Patienten verordnet, die 65 Jahre und älter sind. Der Verordnungsanteil und die verordnete Menge in Tagesdosen (DDD) sind jedoch seit Jahren kontinuierlich rückläufig: Betrug der Verordnungsanteil bei Patienten im Alter von mindestens 65 Jahren im 1. Quartal 2009 noch 4,3%, so waren es im 3. Quartal 2011 nur noch 3,5%.

Allerdings entfallen in der Gruppe der auf das Zentralnervensystem wirkenden Mittel (ZNS) ca.18% der Verordnungen auf PRISCUS-Wirkstoffe. Die ZNS-wirksamen Medikamente stellen somit den größten Anteil an den 83 PRISCUS-Wirkstoffen dar. Die Antidepressiva Amitriptylin und Doxepin sind die mit Abstand am häufigsten verordneten PIMs dieser Gruppe. So wurden im Jahr 2011 ca. 0,8 Mio. Packungen Amitriptylin an ältere Menschen verordnet. Der Anteil der PRISCUS-Wirkstoffe an den ZNS-Wirkstoffen insgesamt betrug in der Altersgruppe der 65-69-Jährigen fast 23%, in der Gruppe der Hochbetagten (ab 89-Jährige) waren es ca. 14%. Der Wirkstoff Doxazosin, ebenfalls als PIM eingestuft, wird in der Gruppe der Herzkreislaufmittel am häufigsten eingesetzt.

Die bundesweiten Auswertungen, die auf den monatlichen Arzneimittelabrechnungsdaten der Apotheken in Deutschland basieren, können ab sofort auf der Homepage des Zentralinstitutes oder direkt unter www.rx-trendbericht.de eingesehen werden.