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15. Mai 2012

Investitionsstau in Arztpraxen ist ein Warnzeichen: Landarztpraxen besonders stark betroffen

Die Investitionen in Vertragsarztpraxen sind rückläufig, zugleich berichten die Praxen über einen hohen Investitionsbedarf. Dies zeigt eine aktuelle Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) aus dem Zi-Praxis-Panel (ZiPP), einer repräsentativen Längsschnittstudie zur wirtschaftlichen Situation der Niedergelassenen.

„Wir müssen uns gemeinsam mit den Krankenkassen um investitionsfreundlichere Rahmenbedingungen für die Arztpraxen bemühen.“ forderte Dr. Andreas Köhler, der Vorstandvorsitzende des Zi und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Er stellte weiter fest: „Der allgemeine Rückgang der Investitionen in den Arztpraxen ist ein Warnzeichen, das wir im Interesse einer guten ambulanten Versorgungsstruktur sehr ernst nehmen sollten, denn Einzelpraxen und Landarztpraxen sind davon besonders betroffen.“

Insgesamt liegen der ZiPP-Studie Umsatz- und Kostendaten von rund 4.200 Praxen in Deutschland für die Jahre 2006 bis 2008 zugrunde, zum Investitionsverhalten wurden Angaben aus 3.300 Praxen ausgewertet. Im Schnitt gingen die Investitionen je Praxisinhaber von 2006 bis 2008 um 32% zurück. Besonders betroffen sind davon Praxen in ländlichen Regionen (-41%) und in Kernstädten (-34%). Den offenen Investitionsbedarf zum Zeitpunkt der Befragung (2010) gaben die Praxen im Schnitt mit rund 21.400€ an. Dies sind rund 20% der mittleren Kosten einer Praxisübernahme; um den Investitionsbedarf zu schließen, müssten die Praxen ihre Investitionen verdoppeln. Hochgerechnet auf das Bundesgebiet ergibt sich ein offener Investitionsbedarf von rund 2 Milliarden Euro.

„Wir können einen klaren Zusammenhang feststellen zwischen dem Alter der Praxis und der Investitionstätigkeit. Der Rückgang der Investitionen wird aber nur zu einem Viertel durch das Alter der Praxis erklärt.“ erläuterte Dr. Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Zi. Auch der Kohorteneffekt, also die Tatsache, dass die gleichen Praxen über mehrere Jahre beobachtet werden, erkläre den Investitionsrückgang nur zu einem Bruchteil. „Es bleibt das Faktum, dass die Praxisinhaber insbesondere in den ländlichen Räumen Neu- und Ersatzinvestitionen zurückhalten.“ so von Stillfried.

Aus Sicht des Zi müssen die Motive näher untersucht werden. „Fehlt es den Einzelpraxen an Vertrauen in die Zukunft? Glauben viele Inhaber von Landarztpraxen nicht mehr daran, einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden? Dies sind Fragen, die aufgeklärt werden müssen. Die Antworten zeigen uns, welche Fördermaßnahmen wir gemeinsam mit den Krankenkassen unternehmen müssen, um Investitionen in die Versorgungsstruktur wieder zu ermutigen.“ kündigte Köhler an.

Die Auswertung der ZiPP-Daten zur Investitionstätigkeit liegt dieser Pressemitteilung als Tabelle bei.

Weitere Materialien stellt das Zi unter www.zi-pp.de zur Verfügung.