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13. Juni 2012

Zi-Praxis-Panel (ZiPP)

Dritte bundesweite Befragung zu den Praxiskosten startet Ende Juni – ZiPP belegt Kostenentwicklung und steigenden Honorarbedarf

Mehrere tausend Praxen erhalten Ende Juni wieder Post vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Unter dem Motto „ZiPP zählt!“ sind sie aufgefordert, sich bis zum 30. September an der bundesweiten Kostenstrukturerhebung im Rahmen des Zi-Praxis-Panels (ZiPP) zu beteiligen. Es ist die dritte Befragung, die das Zi im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Kassenärztlichen Vereinigungen seit 2010 durchführt. Bei der aktuellen Erhebung geht es um die Praxiskosten im vergangenen Jahr. Die Daten werden benötigt, um steigende Ausgaben für Personal, Miete, Geräte und ähnliches nachweisen und in den Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen geltend machen zu können. Aufgerufen zur Teilnahme sind sowohl Ärzte und Psychotherapeuten, die sich bereits in den vergangenen Jahren beteiligt haben, als auch solche, die erstmalig mitwirken. Die angeschriebenen Praxen sind durch eine Zufallsstichprobe ermittelt worden.

Das Zi-Praxis-Panel ist die einzige fachübergreifende repräsentative Kostenstrukturerhebung, in der die wirtschaftliche Situation der Praxen über einen längeren Zeitraum beobachtet wird. Da die teilnehmenden Praxen ihre Daten über mehrere Jahre liefern, können wichtige Informationen zum Nachweis der Kostenentwicklung gewonnen werden. Diese Informationen sind wichtig, um den Punktwert und das ärztliche Honorar weiterzuentwickeln. Nur mit diesen Daten können die berechtigten Interessen der Vertragsärzte und Vertragspsycho-therapeuten gegenüber den Krankenkassen durchgesetzt werden. Die Kassen erwarteten valide Daten, die nur über eine solche Erhebung gewonnen werden könnten. Deshalb sei es wichtig, dass jährlich 7.000 Praxen Auskunft zur ihrer Kostenstruktur geben.

Ergebnisse der ersten ZiPP-Befragung

Im März 2012 hat das Zi den ersten ZiPP-Jahresbericht veröffentlicht. Rund 4.700 Praxen hatten an der ersten Datenerhebung im Jahr 2010 teilgenommen.

Heraus kam, dass die Ausgaben in den Praxen zwischen 2006 und 2008 deutlich zugenommen haben, und dass die Praxen sich mit Neu- und Ersatzinvestitionen stark zurückhielten. Über alle Fachgruppen hinweg sind die Praxiskosten um 3,5 Prozent gestiegen, während die Investitionen um mehr als 30 Prozent zurückgingen. In den Praxen, in denen weiterhin auf hohem Niveau investiert wurde, stiegen auch die Betriebskosten stärker (7,5 Prozent). Im gleichen Zeitraum betrug die Inflationsrate 5 Prozent. Das Zi leitet daraus ab, dass der Punktwert jährlich um das 1,5-fache der Inflationsrate steigen sollte, um wieder Spielraum für Investitionen in den Praxen zu schaffen.

Die Befragung zeigt auch, dass Vertragsärzte und Psychotherapeuten insgesamt erheblich mehr arbeiten, als bei der Kalkulation des Punktwerts zugrunde gelegt wurde. Trotzdem wurde 2008 das dem EBM zugrunde gelegte Referenzeinkommen nicht erreicht. Fazit: Es gibt einen deutlichen Nachholbedarf bei der Vergütung – das Zi beziffert diesen auf rund 3,5 Milliarden Euro.

Je größer der Rücklauf, desto aussagefähiger ist die Datengrundlage

Das Besondere am ZiPP sind die langfristige Beobachtung, die Testierung der Angaben durch den Steuerberater der Praxis, die Gewichtung der Ergebnisse nach der Struktur des Bundesarztregisters und die Verknüpfung mit Abrechnungsdaten. Für diese Datengrundlage ist es  notwendig, dass Praxen, die bereits am ZiPP teilgenommen haben, sich auch in den Folgejahren möglichst regelmäßig beteiligen. Des Weiteren müssen neue Teilnehmer gewonnen werden. Je größer der Rücklauf, desto aussagefähiger ist die Datengrundlage. Das Institut möchte, die Rücklaufrate nach Möglichkeit zu fördern. Dazu gehören folgende Maßnahmen:

  • Gemeinschaftspraxen erhalten wegen des höheren Aufwands für die Einbeziehung der Steuerberater ab diesem Jahr eine Aufwandsentschädigung von 350 Euro (statt bislang 200 Euro). Für Einzelpraxen gibt es weiterhin 200 Euro.
  • Der Fragebogen ist stark vereinfacht worden und erlaubt die Nutzung durch alle Facharztgruppen und Fachkombinationen.
  • Steuerberater erhalten über DATEV und ADDISON eine Software, mit deren Hilfe die Beantwortung des Fragebogens aus vorliegenden Steuererklärungen binnen weniger Minuten erstellt werden kann.
  • Alle Teilnehmer erhalten einen individuellen Auswertungsbericht mit Vergleichskenn-zahlen, der ihnen bei der Einschätzung der Organisation und der wirtschaftlichen Situation ihrer Praxis helfen kann. Zudem wird ihnen der Jahresbericht nach Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Die Berufsverbände erhalten fachgruppenspezifische Auswertungen auch nach Versorgungsschwerpunkten.

Das Rücklaufziel ist erreicht, wenn 7.000 Praxen teilnehmen und damit Ärzte aus allen Fachgruppen und Regionen ihre Angaben machen.

Weitere Informationen

Bei Rückfragen können die angeschriebenen Ärzte und Psychotherapeuten die Telefon-Hotline 030 4005-2444 nutzen. Detailliertere Informationen, etwa der Jahresbericht, stehen unter www.zi-pp.de.