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Dezember 2020: Besonderer Schutz der älteren Bevölkerung vor COVID-19-Infektion in den Regionen noch nicht überall effektiv umgesetzt

 

Trotz erweiterter Kontaktbeschränkungen steigen die COVID-19-Fallzahlen unvermindert an – insbesondere in der Altersgruppe 80+. Schwere Verläufe und Todesfälle sind in dieser Gruppe besonders häufig; etwa zwei Drittel aller Todesfälle entfallen auf Personen im Alter über 79 Jahren, 87 Prozent der Todesfälle auf die Altersgruppe 70+. Aus der Altersgruppe 80+ befinden sich rund zwölf Prozent in stationären Pflegeinrichtungen. Dies sind auch die Personen mit jenen Krankheiten, die ein hohes Risiko für tödliche Infektionsverläufe begründen. Aus Hessen ist bekannt, dass mehr als zwei Drittel aller COVID-19-Todesfälle aus Alten-, Pflege- oder Behindertenheimen stammen.

„Das ist ein klares Hinweis darauf, wo mit spezifischen Schutzmaßnahmen gehandelt werden muss. Zudem zeigen Analysen einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Neuerkrankungsrate in der Altersgruppe 60+ und der Beanspruchung einer intensivmedizinischen Behandlung. Für ein effektives Management der Corona-Pandemie ist es darum von zentraler Bedeutung, Infektionen in der älteren Bevölkerung zu verhindern“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi), Dr. Dominik von Stillfried.

Die Meldedaten des Robert Koch-Instituts für den Zeitraum 1. September 2020 bis 6. Dezember 2020 (36.-49. Kalenderwoche) zeigen, dass eine ansteigende Inzidenz in der allgemeinen Bevölkerung mit einer zeitlichen Verzögerung von ca. zwei Wochen auch zu einem Anstieg in der Bevölkerungsgruppe der 80+-Jährigen führt. Konkret führte im Untersuchungszeitraum ein inzidenter Fall je 100.000 Einwohner zwei Wochen später zu 1,43 Fällen je 100.000 Einwohner in der Altersgruppe 80+. Dieser Zusammenhang variiert allerdings stark zwischen den Kreisen. Aus dieser Beobachtung lassen sich im Hinblick auf den Schutz der älteren Bevölkerung ggf. Best-Practice-Regionen identifizieren.

Weitere Informationen zu COVID-19-Kennzahlen auf Kreisebene finden Sie in unserem Zi-Dashboard:
https://www.zidatasciencelab.de/covid19dashboard/Kreise.html

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi):
COVID-19-Fallzahlen: Mittleres Verhältnis von Bevölkerungsinzidenz und Inzidenz der 80+-Jährigen nach zwei Wochen

Datenbasis:
Robert Koch-Institut (Meldungen vom 1. September bis 6. Dezember 2020)

Datengrundlage der Grafik als Tabelle

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November 2020: Unterschiedliche Preisentwicklung Treiber für Gehaltsunterschiede zwischen Klinik und Arztpraxis: Suche nach Medizinischen Fachangestellten (MFA) im ambulanten Bereich immer schwieriger

 

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat aktuell die Einstiegsgehälter der Medizinischen Fachangestellten (MFA) in Krankenhäusern und Vertragsarztpraxen nach Tarifvertrag zwischen 2018 und 2020 verglichen. Das Ergebnis: Wegen der in den vergangenen Jahren stärker gewachsenen Finanzierungsgrundlage im der stationären Versorgung liegt das monatliche Einstiegsgehalt (ohne Berücksichtigung von Sonderzahlungen) einer MFA im Krankenhaus um rund 500 Euro höher als für eine MFA in Arztpraxen. Aufgrund der Tatsache, dass in Kliniken deutlich mehr Geld zur Finanzierung des Personals zur Verfügung steht, wird es für immer mehr Vertragsarztpraxen immer schwieriger, geeignetes medizinisches Fachpersonal zu finden bzw. zu binden.

„Höhere Tarifgehälter bedeuten für Vertragsärzte und Krankenhäuser höhere Personalkosten. Der Spielraum für die Entwicklung der Gehälter hängt von der Weiterentwicklung der Preiskomponente der Vergütung ab. Diese wird für ambulante und stationäre Leistungen durch den jeweiligen Orientierungswert bestimmt. Seit Jahren steigt der Orientierungswert für Krankenhäuser stärker als der für Vertragsarztpraxen. Zwischen 2016 und 2020 ist der Orientierungswert für Krankenhäuser um 15,02 Prozent gestiegen, für Vertragsarztpraxen lediglich um 6,96 Prozent. Für das Jahr 2021 setzt sich dies fort: Für Kliniken beträgt der Anstieg 2,6 Prozent, für Kassenarztpraxen nur 1,25 Prozent. Die Preise für stationäre Leistungen werden dann seit 2016 um 18,63 Prozent, die für vertragsärztliche Leistungen nur um 8,30 Prozent gestiegen sein. Somit ist es kein Wunder, dass es Krankenhäusern leichter fällt, höhere Tarifgehälter für MFAs zu zahlen. Deshalb darf sich die Politik nicht nur um die Personalknappheit in den Kliniken kümmern. Wird nicht zugunsten der Vertragsarztpraxen nachgesteuert, droht ein Engpass in der medizinischen Versorgung“, so der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Das Gehalt von MFAs in öffentlichen Krankenhäusern und Kliniken wird in der Regel nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD-B) bezahlt. Nach Tariftabelle 2020 erhält eine MFA in Entgeltgruppe 5 Stufe 1 ein monatliches Einstiegsgehalt von 2.481 Euro. Bei Übernahme schwieriger Aufgaben oder Personalverantwortung ist eine Einstufung in Entgeltgruppe 6 oder 8 möglich. Mit steigender Berufserfahrung erfolgt außerdem ein Aufstieg in den Gehaltsstufen. So erhalten MFA im fünften Berufsjahr bereits ein monatliches Bruttogehalt von 2.775 Euro in Stufe 3 Entgeltgruppe 5. Für MFA, die in Einrichtungen der ambulanten Versorgung, also vor allem in Arztpraxen, tätig sind, legt der MFA Manteltarifvertrag zwischen der Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten und dem Verband medizinischer Fachberufe die Gehälter fest. Das Gehalt einer MFA richtet sich nach ihrer Tätigkeitsgruppe und ihrer Berufserfahrung. Als Einstiegsgehalt erhält sie nach Tarifvertrag 2020 ein monatliches Bruttogehalt von 1.970 Euro in Tätigkeitsgruppe I.

Über tätigkeitsrelevante Fort- und Weiterbildungen und bei Übernahme eines eigenen Verantwortungsbereiches ist ein Aufstieg in höhere Tätigkeitsgruppen möglich. Außerdem steigt auch hier das Gehalt mit steigender Berufserfahrung. Die erste Steigerung nach Tarifvertrag erfolgt im fünften Berufsjahr. MFA erhalten dann in Tätigkeitsgruppe I ein monatliches Bruttogehalt von 2.139 Euro.

Hinzu kommt, dass das Einstiegsgehalt von MFA im stationären Bereich in den ersten 5 Berufsjahren insgesamt zweimal auf Stufe 3 und damit 2.775 Euro erhöht wurde. Im vertragsärztlichen Bereich erhalten die MFA erstmalig im fünften Berufsjahr eine Steigerung auf 2.139 Euro. Damit hat sich der tariflich bedingte Gehaltsunterschied in Höhe von rund 500 Euro in der Vergütung von MFA im ambulanten und stationären Bereich auch nach fünf Jahren Berufserfahrung noch nicht verringert.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi): Vergleich der Preisentwicklung in der ambulanten und stationären Versorgung 2016 -2021.

Datenbasis:

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Oktober 2020: Ältere Menschen gehören in der COVID-19-Pandemie zur besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppe mit einem hohen Risiko für eine intensivmedizinische Behandlung

 

Die ungebrochene Zunahme der COVID-19-Fallzahlen sowie die am Mittwoch von der Bundesregierung und den Regierungschefs der Länder beschlossenen Maßnahmen zur Unterbrechung von Infektionsketten fachen die Diskussion um die sichere Abschätzung einer zukünftigen Überlastung des Gesundheitssystems weiter an.

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) hat daher einen Frühindikator als Navigationshilfe für das Pandemie-Management entwickelt. Neben der Reproduktionszahl R und der COVID-19-Neuerkrankungsrate, gehen altersspezifische intensivmedizinische Behandlungsraten sowie die freien Kapazitäten auf Intensivstationen (ITS) in die Berechnung des Frühindikators ein.

In Anbetracht des zeitlichen Verlaufs der COVID-19-Infektionen seit dem Frühjahr zeigt die Auswertung einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der altersspezifischen Neuerkrankungsrate und der Beanspruchung einer intensivmedizinischen Behandlung. So lag im Frühjahr der Höchstwert der über 60-jährigen Patienten bei knapp 11.800 Fällen über sieben Tage. Dieser wurde begleitet von 2.415 Fällen auf Intensivstationen. Mit dem Abflachen der COVID-19-Inzidenz im oberen Alterssegment sank auch die Zahl der ITS-Fälle. Mit Beginn der zweiten Welle, die zunächst durch einen geringen Anteil älterer Patienten gekennzeichnet war, zeichnet sich das gleiche Muster wie im Frühjahr erneut ab: Mit steigender Anzahl der über 60-jährigen Patienten - zuletzt von wenigen 100 auf aktuell 15.000 Fälle in den letzten sieben Tagen - nimmt auch die Zahl der ITS-Fälle wieder zu. Diese lag im August durchschnittlich noch bei Werten um 230 und ist bis zum 28. Oktober wieder auf 1.569 angestiegen.

„Es ist wichtig, das COVID-19-Infektionsgeschehen aufgrund des altersabhängigen Risikos einer intensivmedizinischen Behandlung altersdifferenziert zu betrachten. Der vom Zi entwickelte Frühindikator, dessen Ziel es ist, ein realistisches Bild der Gefahr einer drohenden Überlastung des Gesundheitswesens zu vermitteln, berücksichtigt dieses Merkmal. Er soll helfen, das Pandemiemanagement und die medizinischen Ressourcen auf den spezifischen Schutz der Bevölkerungsgruppen zu fokussieren, die ein hohes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben. Zudem kann der Indikator dabei unterstützen, unter Abwägung konkurrierender Risiken Entscheidungen zur Auswahl von Maßnahmen des Pandemiemanagements zu treffen“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi):
Anzahl neuer COVID-19-Erkrankungsfälle über 7 Tage ab 60 Jahren und Zahl behandelter Fälle auf Intensivstationen (1. April 2020 bis 28. Oktober 2020)

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September 2020: Leichte kognitive Störungen als Vorstufen von Demenzerkrankungen werden immer noch zu selten erkannt

 

Der Welt-Alzheimertag am 21. September wirft ein Schlaglicht auf die Erkrankungshäufigkeit von Demenz und leichten kognitiven Störungen (MCI=Mild Cognitive Impairment). Auch wenn es bislang keine Heilung der Krankheit gibt, so werden präventive Maßnahmen und Therapien, die auf frühe Phasen demenzieller Erkrankungen wie der MCI abzielen, immer wichtiger. Hierzu hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) die vertragsärztlichen Abrechnungsdaten der Jahre 2009 bis 2018 ausgewertet. Dabei hat das Zi untersucht, wie sich die jährliche Erkrankungshäufigkeit (Prävalenz) von Demenzen und leichten kognitiven Störungen in der über 40-jährigen Bevölkerung entwickelt.

Die Auswertung zeigt, dass die Behandlungsprävalenz der Demenz insbesondere nach den Reformen der Pflegeversicherung und des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM) 2013 deutlich gestiegen ist – zwischen 2009 und 2018 von 2,55 auf 3,33 Prozent. Die Zahl der Demenzpatienten hat zwischen 2009 und 2018 um 36 Prozent zugenommen, von 1,02 Millionen im Jahr 2009 auf 1,39 Millionen 2018. Der Höchststand wurde mit 3,45 Prozent und 1,42 Millionen Demenzpatienten im Jahr 2016 beobachtet.

Auffällig ist, dass die Zahl von MCI, die eine wichtige Vorstufe der späteren Demenz darstellt, demgegenüber weiterhin deutlich zurückbleibt. Die Zahl der Versicherten mit der Diagnose MCI ist im Untersuchungszeitraum einerseits deutlich von 51.000 im Jahr 2009 auf 198.000 für 2018 gestiegen. Andererseits gibt es weiterhin eine erhebliche Lücke zur geschätzten Zahl von MCI-Patienten. Modellierungen deuten darauf hin, dass die geschätzte bevölkerungsbezogene Prävalenz der MCI bei 1,5 bis 3,7 Millionen liegt. Der große Unterschied zwischen der diagnostizierten und der unbekannten MCI deutet auf ein erhebliches Potenzial für die Verlangsamung demenzieller Erkrankungen in der Bevölkerung Deutschlands hin.

„Die ambulante Versorgung muss sich auch zukünftig auf einen steigenden Versorgungsbedarf einer immer älter werdenden Bevölkerung einstellen. Zur Nutzung präventiver Therapieoptionen sollten daher auch ältere Personen rechtzeitig auf Vorstufen demenzieller Erkrankungen untersucht werden. Die zunehmende Zahl von MCI-Patienten lässt hier auf ein steigendes Bewusstsein der Ärzteschaft hin zu einer frühen Demenzdiagnostik schließen“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi):
Anteil von GKV-Versicherten ab 40 Jahren mit einer Demenz- bzw. MCI-Diagnose in Prozent (2009-2018)
Datenbasis: Vertragsärztliche Abrechnungsdaten 2009-2018 // Patienten im Alter ab 40 Jahren // ICD-10-GM Diagnosen F00-F03 (Demenz) bzw. F06.7 (MCI)

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August 2020: Haus- und Facharztpraxen in den kommenden Monaten erneut stark gefordert: Fast 70 Prozent der jährlich 32 Millionen akuten Atemwegsinfektionen entstehen in der Herbst- und Winterzeit

 

Die Herbst- und Winterzeit ist auch wieder Erkältungssaison. Nicht nur die COVID-19-Pandemie führt zur verstärkten Inanspruchnahme des Gesundheitswesens, sondern auch die wiederkehrenden Erkältungsviren und die jährliche Grippewelle.

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat die vertragsärztlichen Abrechnungsdaten der Jahre 2017 bis 2019 ausgewertet und untersucht, wie sich die jährlich rund 32 Millionen ambulant versorgten Atemwegsinfekte im Jahresverlauf verteilen. Eingeschlossen sind neben der Influenza (Grippe) auch die akute Bronchitis sowie unspezifische akute Infektionen der oberen Atemwege (sog. Erkältungen bzw. grippale Infekte).

Die Auswertung zeigt, dass bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mehr als zwei von drei Infekten im Winter diagnostiziert werden – besonders häufig im ersten Quartal des Jahres, also zwischen Januar und März. Hier treten 38 Prozent der Infekte bei Kindern und Jugendlichen und mehr als 43 Prozent der Infekte bei Erwachsenen auf. Bei den ab 65-Jährigen sind es 44 Prozent. Die bis 17-Jährigen haben einen Anteil von 35 Prozent an allen spezifischen Infekten, die 18- bis 64-Jährigen 57 Prozent und die Senioren ab 65 Jahren nur noch 8 Prozent. Deutlich häufiger als die schwerer verlaufende Grippe sind leichtere Verläufe des grippalen Infekts. Etwa 95,2 Prozent aller Erkältungserkrankungen gehen auf diese Infekte zurück.

„Die ambulante Versorgung muss sich dieses Jahr auf eine Erkältungssaison unter verschärften Pandemiebedingungen einstellen. Es ist darum zwingend erforderlich, dass die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken) auch im Wartezimmer konsequent umgesetzt werden. So können weitere Infektionen vermieden werden. Haus- und Facharztpraxen werden dann weiterhin der ambulante Schutzwall der Kliniken sein und maßgeblich dazu beitragen, dass das Gesundheitssystem nicht zusätzlich belastet wird“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi):
Anteil ambulanter Infekt-Diagnosen nach Alter und Quartalen 2017-2019
Datenbasis: Vertragsärztliche Abrechnungsdaten 2017-2019 // ICD-10-GM Diagnosen J06, J09-J11 und J20.

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Juli 2020: Pandemiemanagement in Arztpraxen – deutlich mehr telefonische Beratungen und Videokonsultationen im März 2020

 

Die COVID-19-Pandemie hat sich im März 2020 stark auf die vertragsärztliche Versorgung ausgewirkt. Mit Beginn der Kontakteinschränkungen ab dem 16. März sind Patienten zunehmend konsequent zuhause geblieben, medizinische Maßnahmen mussten auf das Notwendigste reduziert und neue Wege, etwa im Bereich der Telekonsultation, gesucht werden.

Aus den Abrechnungsfrühinformationen von 14 der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen ist zu erkennen, dass im Zeitraum vom 4. bis 31. März 2020 insgesamt rund 500.000 telefonische Beratungen mehr abgerechnet wurden als im Vorjahreszeitraum. Die stärkste Zunahme ist im Zeitraum vom 18. bis 24. März zu beobachten – also kurz nach Schließung der Schulen und mit Beginn der weiteren Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen. Auch bei den Videosprechstunden zeigt sich im Laufe des März 2020 ein deutlicher Zuwachs – im Vergleich zur telefonischen Beratung hat sie aber eine nachgeordnete Bedeutung. Trotz dieser Entwicklung bleibt der persönliche Kontakt wesentlich für die medizinische Beurteilung einer gesundheitlichen Beschwerde.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi): Pandemiemanagement in Arztpraxen – deutlich mehr telefonische Beratungen und Videokonsultationen im März 2020
Datenbasis: Vertragsärztliche Abrechnungsdaten 1. Quartal 2019 und 1. Quartal 2020 (Frühinformationen) von 14 der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen

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Juni 2020: Niedergelassene Ärzte sichern Arzneimittelversorgung ihrer chronisch kranken Patienten während Corona-Pandemie

Die Sars-CoV2-Pandemie hat mit Auftreten der ersten Fälle in Deutschland für breite Verunsicherung gesorgt und damit das Nachfrageverhalten der Bevölkerung verändert. Dies galt neben Verbrauchsgütern, die zeitweise in größerem Umfang bevorratet wurden, auch für Arzneimittel. Auswertungen des Zi auf Basis der Arzneiverordnungsdaten gemäß § 300 SGB V zeigen, dass bereits ab Anfang März im Vergleich zu den Vorjahren mehr Arzneimittelpackungen verordnet wurden. Mit Ankündigung der Schul- und Geschäftsschließungen hat sich dieser Trend noch verschärft. Am 16. und 17. März nahm die Zahl der verordneten Arzneimittelpackungen um 46 Prozent gegenüber 2019 zu (43 Prozent gegenüber 2018). Hiervon betroffen waren insbesondere Arzneimittel, die Patienten gegen Bluthochdruck, Diabetes, Asthma und COPD sowie Schilddrüsenerkrankungen verordnet wurden. Mit Blick auf den April zeigt sich, dass es sich nicht um zusätzliche sondern um vorgezogene Verordnungen handelte. Nach dem starken Anstieg im März blieben die Verordnungszahlen im April deutlich unter denen der Vorjahre, was zu einer Angleichung der Gesamtzahl führt. Kumulativ liegen die Jahre 2018, 2019 und 2020 wieder auf einem vergleichbaren Verordnungsniveau.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi):
Anzahl der verordneten Arzneimittelpackungen nach Kalenderwoche (in Millionen)
Datenbasis: Arzneiverordnungsdaten nach § 300 SGB V. Bitte beachten Sie reduzierte Verordnungszahlen durch Feiertage (Ostern 2018: KW 13, Ostern 2019: KW 16, Ostern 2020: KW 15)

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Mai 2020: Gesetzlich Versicherte folgen in der COVID-19-Pandemie der Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen

 

„Der schnellen Reaktionszeit der Vertragsärzteschaft und der hohen Sensibilität der Versicherten ist es zu verdanken, dass durch rasche Impfungen besonders bei den vulnerablen Bevölkerungsgruppen die Risiken für schwere Krankheitsverläufe minimiert werden konnten“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Am 9. März 2020 rief Bundesgesundheitsminister Spahn Menschen ab 60 Jahren auf, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Bereits einen Tag später schnellten die Verordnungszahlen für den Impfstoff drastisch nach oben. Dies belegen aktuelle Auswertungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) auf Basis der Arzneiverordnungsdaten gemäß §300 SGB V für die Monate Januar bis März 2020.

Gegenüber dem Vergleichszeitraum im März 2018 und 2019 wurden mehr als viermal so viele Impfdosen verordnet und in Apotheken abgegeben. Da dem Zi aktuell nur die bis Ende März durch Apotheken abgerechnete Impfdosen vorliegen, kann sich der Faktor durch Nachmeldungen noch erhöhen. Aktuell werden alle für Erwachsene zugelassenen Pneumokokken-Impfstoffe beim Paul-Ehrlich-Institut als eingeschränkt verfügbar geführt. Deshalb hat die beim Robert Koch-Institut (RKI) ansässige Ständige Impfkommission (STIKO) ihre Empfehlungen zur Pneumokokken-Impfung angepasst. Aufgrund der eingeschränkten Lieferfähigkeit der Pneumokokken-Impfstoffe seien bevorzugt Patienten mit geschwächtem Immunsystem zu impfen sowie Senioren ab dem Alter von 70 Jahren und Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen.

Impfungen gegen Pneumokokken wirken zwar nicht gegen das Coronavirus selbst. Doch sie könnten verhindern, dass eine Covid-19-Erkrankung durch eine bakterielle Lungenentzündung oder Grippe einen gefährlicheren Verlauf nimmt.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi):
Verordnungszahlen für Pneumokokken-Impfstoff von Januar bis März 2020
Datenbasis: Arzneiverordnungsdaten nach §300 SGB V für die Monate Januar bis März 2020

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April 2020: Maßnahmen zur sozialen Distanzierung zeigen erste Wirkung: Ausbreitung von COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) in Deutschland verlangsamt sich // Herausforderung für die medizinische Versorgung bleibt bestehen


Die seit dem 16. März (Schulschließungen) und 22. März (Kontakteinschränkungen) geltenden Regelungen der sozialen Distanzierung zur Eindämmung von COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) zeigen in Deutschland erste Wirkung. Mit Blick auf die Fallzahlen und die Todesfälle zeigt sich, dass der Verlauf der Pandemie seit Mitte März erheblich verlangsamt werden konnte. „Ein Grund zur Entwarnung besteht hingegen nicht. Konsequente Maßnahmen zur sozialen Distanzierung, die Beschaffung von Schutzmaterialen für das medizinische Fachpersonal sowie eine strukturierte Trennung der Versorgung von COVID-19-Verdachtsfällen und Patienten der Regelversorgung sind über Monate hinaus die zentralen Herausforderungen zur Eindämmung der Pandemie. Hierbei steht der Schutz besonders vulnerabler Patientengruppen im Vordergrund, die in den nächsten Monaten wieder eine reguläre vertragsärztliche Versorgung benötigen“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Als Datengrundlage dienen die offiziell dem Robert Koch-Institut (RKI) gemeldeten Fälle und die inoffiziell von der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität (JHU) veröffentlichten Daten. Während vor Beginn der Einschränkungen ein infizierter Fall etwa fünf neue Infektionen nach sich gezogen hat (diese Maßzahl wird auch als Reproduktionszahl R bezeichnet), hat dieser Wert zuletzt nur noch zwischen 1,5 (JHU) und 1,3 (RKI) betragen. Da die Zahl der Testungen wöchentlich weiterhin steigt, gehen die rückläufigen Werte für R nicht offensichtlich mit einem Anstieg der Dunkelziffer einher. Werden die Maßnahmen zur sozialen Distanzierung durch die Bevölkerung weiterhin konsequent befolgt, dürfte sich der festgestellte Trend fortsetzen und lässt darauf hoffen, dass das Wachstum der Neuinfektionszahlen im Laufe der nächsten Tage allmählich stagniert. Für einen Rückgang der Neuinfektionen müssen Werte von R<1 erreicht und gehalten werden.

Hinweise zur Methodik:
Berücksichtigt sind in der Einschätzung nur Fälle mit einem Meldedatum, das drei oder mehr Tage zurückliegt. So wurde berücksichtigt, dass nicht alle neuen Fälle sofort in der Meldestatistik ablesbar sind. In den durch das RKI bereitgestellten Daten ist ein häufig mehrtägiger Verzug der gemeldeten Fälle enthalten. Dieser Verzug besteht bei den inoffiziellen Daten der JHU nicht. Hier besteht jedoch die Gefahr einer Übererfassung von Fällen; die Herkunft der Fallzahlen ist unsicher. Ebenfalls sind die Melde- und Laborkapazitäten am Wochenende üblicherweise reduziert, darum erscheint die Zahl gemeldeter Fälle am Wochenende niedriger und zu Wochenbeginn oft höher als erwartet. Deswegen sind die Zahlen jeweils über ein Zeitfenster von sieben Tagen geglättet, um diese Effekte herauszurechnen.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi):
Entwicklung der Fallzahlen und Todesfälle von mit COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) infizierten Patientinnen und Patienten (vom 26. Februar bis 29. März 2020)
Datenbasis: Robert-Koch-Institut (RKI), Johns Hopkins University // Stand: 1. April 2020

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Januar 2020:  Medizinisches Ersteinschätzungsverfahren SmED vermittelt fast 75 Prozent aller Anrufenden in die ärztliche Beratung, nur 25 Prozent in Notaufnahme

 

Seit dem 1. Januar 2020 sind die Arztrufzentralen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) unter der Rufnummer 116117 des Patientenservice an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr für Anrufende erreichbar, die akut medizinische Hilfe suchen. Für lebensbedrohliche Notfälle gilt weiterhin die 112. Die medizinisch geschulten Disponenten der KVen werden durch die im Auftrag des Zi entwickelte Ersteinschätzungssoftware SmED (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland) unterstützt. Damit bewerten sie die Dringlichkeit des Behandlungsbedarfs und die angemessene Versorgungsebene. So kann direkt am Telefon eine klare Handlungsempfehlung über Ort und Zeit der weiteren Behandlung ausgesprochen werden.

Um einen Überblick zu erhalten, mit welchen gesundheitlichen Beschwerden sich Patienten an die 116117 wenden, hat das Zi Zugriffszahlen aus dem SmED-Probebetrieb von 14 teilnehmenden KVen für den Zeitraum April bis Dezember 2019 analysiert. Ausgewertet wurden 84.491 SmED-Assessments aus dem telefonischen Bereitschaftsdienst. Dabei sind 260.781 Leit- und Nebenbeschwerden mit SmED erfasst worden, im Schnitt also rund 3,1 Beschwerden pro Assessment. SmED ermöglicht eine Dokumentation in 85 unterschiedliche Beschwerdekategorien.

Die Daten zeigen, dass SmED 74 Prozent aller Anrufenden eine ärztliche Beratung angeraten hatte. Bei bis zu 24 Prozent empfahl die Software eine Behandlung in der Notaufnahme. Etwa ein Prozent wurde gleich als Notfall erkannt und an den Rettungsdienst weitergeleitet. Insgesamt waren die fünf häufigsten Beschwerden Erbrechen/Übelkeit (17 Prozent), Bauchschmerzen (14 Prozent) und Fieber (14 Prozent), gefolgt von Rückenschmerzen (11 Prozent) und Schwindel (10 Prozent). Die restlichen Beschwerden hatten zusammengenommen einen Anteil von 34 Prozent. Unter den Anrufern, die als Notfall an den Rettungsdienst gegeben wurden, rangierte Atemnot (77 Prozent) ganz vorne. Mit weitem Abstand folgte Brutschmerzen (9 Prozent) vor Fieber (9 Prozent) und Husten (8 Prozent). Dabei waren Kombinationen (z. B. Atemnot und Husten) möglich. Die Verteilung auf Rettungsdienst, Notaufnahmen und ärztliche Beratung entspricht internationalen Erfahrungen.

In den nächsten Monaten soll SmED auch z. B. Rettungsdienstmitarbeitern im mobilen Einsatz zur Verfügung gestellt werden. Auch eine digitale Selbsteinschätzung mit anschließender Buchung eines geeigneten Arzttermins per Website oder Smartphone-App ist in Vorbereitung. Das Zi ist zuversichtlich, dass die telefonische und digitale Ersteinschätzung den Patienten mehr Sicherheit geben und die Notaufnahmen weiterhin spürbar entlasten wird. Deshalb ist es folgerichtig, eine vergleichbare Ersteinschätzung künftig auch am Tresen integrierter Notfallzentren und in den Gemeinsamen Notfallleitsystemen von Rettungsleitstellen und KVen einzusetzen.

Bildunterschrift:
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi):
SmED-Einschätzungen aller Anrufenden nach Beschwerden und Versorgungsebenen (von April bis Dezember 2019; in Prozent)
Datenbasis: HCQS-Auswertung der SmED-Assessments von April bis Dezember 2019

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