Zentralinstitut - Springe direkt:

Wirtschaftlichkeit von Arztpraxen - Definition und Messung

26. Februar 2016 in Berlin

Fragen

Jedes Jahr wird im Rahmen der Honorarverhandlungen darüber gestritten, ob und ggf. um wieviel der Wert der ärztlichen Leistungen für die gesetzlichen Krankenkassen gestiegen ist. Der Bewertungsausschuss soll hierbei insbesondere berücksichtigen, wie sich die Betriebskosten der Praxen entwickelt haben und welche Wirtschaftlichkeitsreserven in den Praxen bestehen. Zur Entwicklung der Betriebskosten liegen regelmäßig Daten vor. Wie die Wirtschaftlichkeit von Arztpraxen aber erfasst und gemessen werden soll, bleibt bisher Gegenstand einer Kontroverse. Die dazu jährlich von der Prognos AG im Auftrag des GKV-Spitzenverbands vorgelegten Gutachten bleiben umstritten. Es fehlt somit an einer konsentierten Methodik für die entscheidenden Fragen:

  • Wie ist Wirtschaftlichkeit von Arztpraxen definiert?
  • Wie kann Wirtschaftlichkeit von Arztpraxen gemessen werden?
  • Wem sollen wann Gewinne aus Wirtschaftlichkeitsvorteilen zufließen?

Antworten

Als Beitrag zur Klärung dieser Fragen hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) im Frühjahr 2015 einen Gutachtenauftrag vergeben. Das Ergebnis wurde im Rahmen einer Fachtagung von Prof. Dr. Jonas Schreyögg, Leiter des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) und Mitglied im Sachverständigenrat Gesundheit, vorgestellt und zur fachlichen Diskussion gestellt.

Hintergrund

Die Leistungen niedergelassener Ärzte haben keinen (Markt-)Preis. Ihr monetärer Wert wird durch eine Gebührenordnung festgelegt. Diese besteht aus zwei Elementen:

a) Der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) bestimmt das Wertverhältnis der Leistungen in Punkten.

b) Der Punktwert in Euro wird jährlich in zwei Schritten bestimmt: Der Bewertungsausschuss der Ärzte und Krankenkassen auf Bundesebene beschließt einen Orientierungswert (OW). Auf dieser Basis vereinbaren die Gesamtvertragspartner auf Landesebene ggf. unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten der Kosten- und Versorgungsstruktur den Punktwert.

Der Gesetzgeber überlässt es dem Bewertungsausschuss, ob die Wirtschaftlichkeit von Arztpraxen bei der Bestimmung der angemessenen Punktzahl je Leistung im EBM oder bei der Bestimmung des OW berücksichtigt wird.

Aus methodischer Sicht und im Hinblick auf die Wirkung in der medizinischen Versorgung der Versicherten ist es jedoch keineswegs gleichgültig, ob Wirtschaftlichkeitsreserven in Entscheidungen über die Leistungsbewertung oder über den Punktwert einfließen.