Zentralinstitut - Springe direkt:

17. Mai 2017

Anteil der Notfallversorgung durch Krankenhäuser regelmäßig überschätzt

„Der Anteil der Krankenhäuser an der Notfallversorgung wird überschätzt. Ursache ist ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen.“ sagte Dr. Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Zur Versachlichung der Diskussion veröffentlichte das Institut im Nachgang zum heutigen Streitgespräch zwischen dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Stephan Hofmeister, und dem Präsidenten der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Thomas Reumann, ein Zahlengerüst zur medizinischen Versorgung in Deutschland.

„Anhand der Abrechnungsdaten von Ärzten und Krankenhäusern aus dem Jahr 2015 wollen wir erklären, in welchem Zusammenhang häufig zitierte Zahlen zur medizinischen Versorgung und zur Notfallversorgung stehen.“ sagte von Stillfried dazu. „Wenn Krankenhausvertreter von den rund 20 Millionen Notfällen sprechen, die jährlich in Krankenhäusern behandelt werden, sind die in den Notaufnahmen ambulant behandelten und die über Notaufnahmen stationär aufgenommenen Fälle in dieser Zahl zusammengefasst.“ erläuterte von Stillfried. Diese würden aber aus unterschiedlichen Budgets bezahlt. Nur die in den Notaufnahmen ambulant behandelten Fälle könnten Krankenhäuser im Rahmen des Bereitschaftsdienstes mit den Kassenärztlichen Vereinigungen abrechnen. Im Bereitschaftsdienst wurden von Ärzten und Krankenhäusern in 2015 rund 19 Millionen Fälle behandelt. „Aus den Abrechnungsdaten der Krankenhäuser in Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein wissen wir, dass rund 40 % aller 8,5 Millionen ambulanten Behandlungsfälle in den Notaufnahmen der Krankenhäuser zu den Praxisöffnungszeiten entstehen, in denen Vertragsärzte in der Regelversorgung tätig sind und daher keinen Bereitschaftsdienst leisten.“ so von Stillfried. Während der Praxisöffnungszeiten hätten die vertragsärztlichen Praxen rund 10 Millionen ambulante Notfälle abgerechnet. Demnach würden rund zwei Drittel aller Notfallbehandlungen durch Vertragsärzte geleistet. „Außerhalb der Praxisöffnungszeiten, also im Bereitschaftsdienst, haben Vertragsärzte 10,5 Millionen Fälle behandelt, Krankenhaus-Notaufnahmen hingegen nur 5 Millionen Fälle. Vergleicht man die Behandlungsleistung nach gleichen Maßstäben werden also rund zwei Drittel aller ambulant behandelten Notfälle durch Vertragsärzte behandelt.“ schlussfolgerte von Stillfried.

Die Behauptung, dass die Krankenhäuser den Löwenanteil der Notfallversorgung leisteten, gehört nach Ansicht des Zi-Chefs ins Reich der Mythen. Auch sonst wird die Rolle der Krankenhäuser wegen der hohen Kosten der stationär behandelten Fälle aus Sicht des Zi oftmals überschätzt. Betrachte man alle Behandlungsfälle in der medizinischen Versorgung hätten die Krankenhäuser einen Anteil von 3 % an der medizinischen Versorgung in Deutschland.

Zahlengerüst medizinische Versorgung

Zahlengerüst Notfallversorgung


Ihr Ansprechpartner