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06. März 2017

Auslastung der Notfallambulanzen insgesamt zu gering

In der Diskussion um die angemessene Vergütung ambulanter Behandlungen in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser mahnt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) mehr Sachlichkeit an. „Ein Blick auf die Abrechnungsdaten zeigt: Im Schnitt lag die Auslastung der Notfallambulanzen im Jahr 2015 bei etwa einem Patienten pro Stunde“ sagt Dr. Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Zi. „In Bayern etwa ergaben die Abrechnungen der Krankenhäuser bei der Kassenärztlichen Vereinigung eine mittlere Auslastung von 0,8 Fällen pro Krankenhaus und Stunde.“

Von Stillfried verwies auch auf das im Sommer 2015 vorgelegte Gutachten der Deutschen Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA), mit dem eine höhere Vergütung ambulanter Behandlungen in Notfallambulanzen begründet wurde. „Auch wenn man die Daten der 55 Krankenhäuser aus diesem Gutachten heranzieht, ergibt sich rechnerisch eine mittlere Auslastung von 1,2 Patienten pro Stunde für jedes Haus, allerdings war die Auswahl der Häuser nicht repräsentativ.“ so von Stillfried.

Vorhaltekosten für Notfallambulanzen wären aus Sicht der Wissenschaftler am Zi daher durch eine Konzentration der Anlaufstellen für die Notfallversorgung besser abgedeckt. „Unter Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten ist eine Reduzierung der Anzahl der Notfallambulanzen unumgänglich.“ sagte von Stillfried. Zudem würde dadurch auch die Einrichtung neu eingerichteter ärztlicher Bereitschaftspraxen an Krankenhäusern erleichtert, die einen erheblichen Anteil der weniger dringlichen Behandlungsfälle übernehmen und die Notfallambulanzen der Krankenhäuser so für die Behandlung echter Notfälle entlasten könnten. Als Beispiel nannte von Stillfried die Kombination von Bereitschaftspraxis und Notfallambulanz am Unfallkrankenhaus Berlin (UKB). „Nach unseren Daten hat die Notfallambulanz dort im dritten Quartal 2016 rund 6 Fälle pro Stunde ambulant behandelt; die Bereitschaftspraxis noch einmal etwa die Hälfte davon.“ Bei dieser Auslastung kommt die Notfallambulanz nach Einschätzung des Zi etwa auf den mittleren Umsatz einer Hausarztpraxis, dabei sind die Fallzahlen für die Ambulanz und die Bereitschaftspraxis noch steigerungsfähig. In diesem Fall würde die Frage einer angemessenen Vergütung auf ganz anderer Grundlage diskutiert, so von Stillfried.

 Bereits im Dezember 2016 hatte das Zi ein Gutachten vorgestellt, das erhebliche Fehler in der Kalkulation der geforderten höheren Vergütung für Krankenhausambulanzen nachwies. Insbesondere würden die bereits in der Vergütung stationärer Behandlungsfälle enthaltenen Zuschläge überhaupt nicht berücksichtigt und damit vorhandene Finanzierungsanteile vernachlässigt. Link zur Pressemitteilung: http://www.zi.de/cms/presse/2016/02-dezember-2016/


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