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3. August 2017

Arztpraxen: Umsatz, Ausgaben und Einkommen

Zi veröffentlicht Ergebnisse aus Erhebung zum Jahr 2015

Die wirtschaftliche Lage in Arztpraxen ist stabil, aber bei Investitionen herrscht Zurückhaltung. Dies ist eines der Ergebnisse, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) nach Analyse der Befragung von über 4.300 Arztpraxen zum Jahr 2015 vorab in einem Kurzbericht aktuell veröffentlich hat. Der vollständige Bericht erscheint voraussichtlich bis Ende 2017.

Jahresüberschuss und Einkommen nach Steuern
Im Jahr 2015 stieg der Jahresüberschuss in den Arztpraxen inflationsbereinigt um 1,8 Prozent zum Vorjahr und blieb damit hinter der allgemeinen Reallohnentwicklung in der Bundesrepublik zurück. Inflationsbereinigt stiegen die Bruttomonatsverdienste in Deutschland im Jahr 2015 um 2,4 Prozent.

Laut Zi lag der durchschnittliche Jahresüberschuss eines Praxisinhabers bei 160.820,- Euro. Allerdings müssen hiervon die Beiträge für die Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Einkommenssteuer abgezogen werden, so dass ein verfügbares Nettoeinkommen von 80.295,- Euro übrig bleibt. Dies entspricht einem Monatseinkommen von 6.691,- Euro oder einem Nettostundensatz von 35,- Euro.

Betriebskosten: höhere Ausgaben für Personal, weniger für neue Geräte
Einzelpraxen kamen im Jahr 2015 auf einen durchschnittlichen Gesamtumsatz in Höhe von 276.400,- Euro, während Gemeinschaftspraxen bei 378.400,- Euro lagen. Der Gesamtumsatz aller Praxen stieg im Jahr 2015 im Vergleich zu 2014 um 2,4 Prozent, seit 2012 um 10,2 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Gesamtaufwendungen seit 2014 um 2,8 Prozent und im Rückblick auf 2012 insgesamt um 9 Prozent.

Die Personalkosten haben prozentual mit am stärksten zugelegt. Von 2012 bis 2015 stiegen die Ausgaben für Personal um 18,1 Prozent. Dies entspricht 12.000,- Euro je Praxisinhaber und ist der in Euro bemessen größte Posten der Mehrausgaben.

Bei der Investition in neue Geräte sind die Praxisinhaber eher zurückhaltend. Die Werte für Abschreibungen sanken im Jahr 2015 im Verhältnis zu 2014 um -5,9 Prozent. Mit Blick auf das Jahr 2012 sanken die Abschreibungen insgesamt um -14,4 Prozent. Dies lässt vermuten, dass die Neuanschaffung von Geräten eher vermieden wird.

Die Aufwendungen für Leasing und Mieten waren im Verhältnis zum Jahr 2014 ebenso mit -3,6 Prozent rückläufig. Zieht man den Vergleich zum Jahr 2012, kam es zu einem Rückgang der Aufwendungen um -4,6 Prozent. Dazu passt, dass mehr in Wartung und Instandhaltung investiert wird. Hier kam es im Jahr 2015 zu einem Ausgabenplus von 3,4 Prozent im Vergleich zum Jahr 2014, fasst man den Zeitraum bis 2012, wurde sogar 19,5 Prozent mehr darin investiert.

GKV-Umsatz
Die Bedeutung des GKV-Umsatzes für die wirtschaftliche Lage wird immer wichtiger. Lag der Anteil des GKV-Umsatzes im Jahr 2012 noch bei 73,5 Prozent, betrug er 2015 laut Zi 74,9 Prozent. Hierbei werden als GKV-Umsatz sowohl über KVen abgerechnete kollektiv- als auch selektivvertragliche Leistungen angesehen.

Zi-Befragung: ZiPP
Mit der Befragung im Rahmen des Zi-Praxis-Panels (ZiPP) dokumentiert das Zi jährlich die Kosten, Einnahmen und Überschüsse von Praxen. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse umfassen die Jahre 2012 bis 2015, mit Angaben von Praxen aus allen ärztlichen Fachgebieten.

Die Ergebnisse beruhen auf Angaben, die von Steuerberatern der Teilnehmer testiert sind. Das ZiPP schafft damit Transparenz über die wirtschaftliche Lage der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten. Die Studie erfolgt im Auftrag von KBV und Kassenärztlichen Vereinigungen.

Kostenstrukturerhebung des Statistischen Bundesamts
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht im Abstand von vier Jahren ebenfalls Zahlen zur Einkommenssituation der Ärzte. Auf Grund der Erhebungsmethodik fallen die berichteten Einnahmen darin in der Regel höher aus als im ZiPP. Das Zi legt daher jeweils nach der Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts einen wissenschaftlichen Vergleich der jeweiligen Methoden und Ergebnisse vor.

Hinweis
Bei der Einkommensberechnung pro Stunde wird von einer 50-Stunden-Woche ausgegangen.

Die pdf-Version der Pressemitteilung finden Sie hier.


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