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04. Mai 2016

Zi-Studie: Hoher Fachkräftebedarf in Arztpraxen

Fast jede fünfte Praxis sucht medizinische Fachangestellte. Dies ergab eine Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Als Einstellungshemmnisse werden häufig die zu geringe Qualifikation von Bewerberinnen und Bewerbern, aber auch nicht realisierbare Zeit- und Gehaltsvorstellungen angeführt. „Dies insgesamt könnte ein erstes Anzeichen für einen Fachkräftemangel sein“, so Zi-Geschäftsführer Dr. Dominik von Stillfried.

Fortbildung verstärken und inhaltlich ausbauen
35 Prozent der medizinischen Fachangestellten aus den befragten Praxen haben im vergangenen Jahr keine externe Fortbildung besucht. Die Gründe hierfür sind vielfältig – eventuell werden Fortbildungen praxisintern durchgeführt, es fehlen passende externe Angebote oder Mitarbeiter entscheiden sich aus persönlichen Gründen gegen eine Weiterqualifizierung. An den Kosten indes dürfte es nicht scheitern: In 90 Prozent der Fälle übernahmen Praxisinhaber die Gebühren für ihre Mitarbeiter, überwiegend wurden diese sogar für die Dauer der Maßnahme freigestellt.

Praxisinhaber wollen Aufgaben im Organisations- und Leitungsbereich delegieren, finden nach eigenen Angaben hierfür jedoch nicht das entsprechend qualifizierte zusätzliche Personal. Wahrgenommene Fortbildungen konzentrieren sich derzeit eher auf medizinische denn auf administrative Inhalte. „Der Fortbildungsbedarf in den Praxen wird offensichtlich noch nicht optimal umgesetzt“, sagt Dr. von Stillfried. „Die Maßnahmen sollten im Rahmen einer aktiven Personalentwicklung zwischen Arzt und Mitarbeitern vereinbart werden.“

Im Durchschnitt übertarifliche Gehälter und Sonderzahlungen

Die durchschnittlich gezahlte Brutto-Monatsvergütung liegt mit 2.271 Euro geringfügig über der tarifvertraglichen Vergütung. Sonderzahlungen wie ein 13. Gehalt oder freiwillige Gratifikation sind die Regel: Mehr als zwei Drittel der befragten Praxen zahlen ein 13. Gehalt, fast die Hälfte investiert in die Altersvorsorge ihrer Angestellten. Im Osten Deutschlands sind flexible Leistungen beliebter als Fixposten – ein Hinweis darauf, dass sich Ärzte einen gewissen Spielraum erhalten wollen, auch vor dem Hintergrund unsicherer Perspektiven ihrer Praxis.

Zum Hintergrund
Für die Befragung wertete das Zi im Rahmen seines Praxis Panel (ZiPP) knapp 1.100 Antworten von Praxisinhabern zu rund 2.800 medizinischen Fachangestellten aus. Der Online-Fragebogen bezog sich auf das Jahr 2015 mit Stichtag 31.12.2015. Ziel war es, die Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten (AAA) bei den diesjährigen Tarifvertragsverhandlungen zu unterstützen. Darüber hinaus sollte eine neue Datenlage zur Situation im Bereich Fortbildungen und Personalgewinnung in Vertragsarztpraxen erarbeitet werden.

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