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22. September 2015

Zu viele Patienten in Notfallambulanzen – Steuerung notwendig

Die Patientenzahlen in den Notfallambulanzen von Krankenhäusern sind nach dem Wegfall der Praxisgebühr im Jahr 2013 sprunghaft angestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) in einer aktuellen Analyse. „Im Jahr 2013 können die Grippewelle und die Abschaffung der Praxisgebühr ursächlich für den Patientenzuwachs sein. Da die Zahlen im Jahr 2014 nicht zurückgegangen sind, bleibt nur Wegfall der Gebühr als wesentlicher Grund“, bilanziert der Vorstandsvorsitzende von Zi und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen. Er fordert die Politik auf, nun die richtigen Steuerungssignale zu senden. „Es entspricht weder medizinisch dem Sinn und Zweck von Krankenhausambulanzen noch ist es ökonomisch vertretbar, erste Anlaufstelle für alle Anliegen der Patienten zu sein. Krankenhäuser erhalten für die stationäre Aufnahme eines Patienten stets höhere Vergütungen als für eine ambulante Behandlung. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die Aufnahmen direkt aus Notfallambulanzen den allgemeinen Fallzahlanstieg in Krankenhäusern antreiben“, so Dr. Gassen.

Die Zi-Wissenschaftler haben für die Analyse der Notfallbehandlungen bundesweite Abrechnungsdaten aus den Jahren 2009 bis 2014 ausgewertet. Demzufolge sind die Patientenzahlen insbesondere in Notfallambulanzen der Krankenhäuser gestiegen So suchten 2013, dem ersten Jahr ohne Praxisgebühr, gut 8,38 Millionen GKV-Versicherte die Notfallambulanzen von Krankenhäusern auf – mehr als eine Million (ca. 14 Prozent) mehr als im Vorjahr. Die Notfallzahlen niedergelassener Ärzte sind im Jahr 2013 moderat gestiegen (2 Prozent). Weiterhin leisten Vertragsärzte den überwiegenden Anteil der Notfallbehandlung.

Kostenanstieg bei weiter steigenden stationären Aufnahmen befürchtet
„Über den Fünfjahreszeitraum nimmt die Gesamtzahl ambulanter Notfälle ab – unterbrochen nur durch den massiven Fallzahlanstieg in Krankenhausambulanzen im Jahr 2013“, erläutert Zi-Geschäftsführer Dr. Dominik von Stillfried. Die Auswertung zeige zudem, dass sich die ambulante Notfallbehandlung zunehmend an zentralen Standorten wie den Bereitschaftsdienstpraxen der Kassenärztlichen Vereinigungen konzentriere. Der Anteil der Bereitschaftsdienstfälle an allen Notfällen nimmt im Beobachtungszeitraum vor allem seit 2013 zu.

Dr. von Stillfried verweist auf die unterschiedliche Altersstruktur der Patienten in Notfallambulanzen und im ärztlichen Bereitschaftsdienst. „Vor allem jüngere Menschen suchen insbesondere in Ballungsräumen selbständig den Weg in die Krankenhausambulanzen. Der langfristig anhaltende Trend einer steigenden Inanspruchnahme von Notfallambulanzen und der abrupte Anstieg 2013 werfen die Frage auf, inwieweit dies mit einer steigenden Fehlinanspruchnahme verbunden ist.“ Der Zi-Geschäftsführer befürchtet, dass die Entwicklung zu weiter steigenden stationären Aufnahmen und damit zu steigenden Kosten führt. „Wissenschaftlich besteht kein Zweifel daran, dass diese Art der Versorgung die Beitragszahler langfristig massiv belasten wird. Wer vermeidbare Krankenhausaufnahmen reduzieren will, muss die Inanspruchnahme von Krankenhausambulanzen minimieren - also steuern“, stellt Dr. von Stillfried klar.

Anlagen:

Eine Studie des IGES-Instituts zu regionalen Unterschieden bei vermeidbaren Krankenhausaufenthalten finden Sie hier.