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15. Juni 2015

Zwei Millionen Krankenhausaufenthalte durch bessere ambulante Versorgung vermeidbar

Fast zwei Millionen Krankenhausfälle pro Jahr wären durch eine bessere ambulante Versorgung vermeidbar. Das geht aus einem Gutachten des IGES-Instituts im Auftrag des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hervor. „Jeder Krankenhausaufenthalt ist mit Risiken verbunden. Die Untersuchung zeigt, dass eine Verringerung vieler Krankenhausaufenthalte tatsächlich möglich ist“, erklärt Zi-Geschäftsführer Dr. Dominik von Stillfried. Das Gutachten analysiert erstmals regionale Unterschiede bei vermeidbaren Krankenhausfällen. Grundlage sind die Krankenhaus-daten des Jahres 2013.

Häufig diagnostische Leistungen, selten Operationen
Die Wissenschaftler untersuchten die Krankenhausfälle, die durch eine effektive und rechtzeitige ambulante Versorgung hätten verhindert werden können. „Darunter fallen beispielsweise akut auftretende Krankheiten, die durch Impfungen oder andere präventive Maßnahmen zu verhindern gewesen wären“, erklärt der Geschäftsführer des IGES-Instituts, Dr. Martin Albrecht. Gleiches gelte für plötzlich auftretende Beschwerden, chronische und ambulant zu kontrollierende Krankheiten. Im Fokus der Untersuchung standen dabei vor allem sogenannte Kurzlieger-Fälle, bei denen Patienten weniger als drei Tage im Krankenhaus liegen.

Betrachtet man die im Krankenhaus ergriffenen medizinischen Maßnahmen, zeigt sich, dass Ärzte vor allem Diagnosen stellten. Operative Eingriffe hingegen erfolgten eher selten – beides Hinweise darauf, dass Patienten in vielen Fällen statt eines Krankenhausaufenthalts auch ambulant in einer Arztpraxis hätten behandelt werden können. „In einigen Regionen Deutschlands werden viele solcher Krankenhausaufenthalte durch ambulante Behandlungen wirksam vermieden. In anderen Teilen Deutschlands besteht noch ein großes Verbesserungspotenzial. Was dort fehlt ist eine Strategie zur Stärkung der ambulanten Versorgung“, hält Dr. von Stillfried fest.

Weniger vermeidbare Krankenhausfälle in städtischen Regionen
Das Gutachten dokumentiert einen deutlichen Unterschied zwischen Stadt und Land: Während im Bundesdurchschnitt 2.624 vermeidbare Fälle je 100.000 Einwohner zu beobachten sind, sind es in Großstadtzentren nur 2.257 (14 Prozent unter dem Durchschnitt), in weit von einer Stadt entfernten ländlichen Regionen aber 2.894 (10 Prozent über dem Durchschnitt). Auch die Häufigkeit von Kurzliegerfällen (Verweildauer im Krankenhaus bis zu drei Tagen) ist in Großstadtzentren mit 723 Fällen je 100.000 Einwohner 11 Prozent geringer als im Bundesdurchschnitt. „Je höher die ambulante Arztdichte, desto weniger werden typischerweise ambulant behandelbare Fälle im Krankenhaus versorgt“, heißt es in dem Gutachten.

Der Vorstandvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Dr. Andreas Gassen fordert, diese Ergebnisse in gesundheitspolitische Planungen einfließen zu lassen. „Wenn wir in den vermeintlich überversorgten städtischen Regionen Arztpraxen schließen sollen, müssen die Patienten häufiger ins Krankenhaus. Das kann nicht im Interesse einer effizienten ärztlichen Versorgung sein“, erklärt Gassen, der auch dem Vorstand des Zi vorsteht. „Was wir stattdessen brauchen, ist die Aufhebung aller versorgungsfremden Mengenbegrenzungen für ambulante Leistungen, damit in noch mehr Regionen unnötige Krankenhausaufenthalte vermieden werden können. Diese Freiheit für niedergelassene Ärzte würde die ambulante Versorgung tatsächlich stärken. Sie sollte in aktuelle Gesetzesinitiativen einfließen“, so Gassen.

Ambulantes Potential in der stationären Notfallversorgung


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